Mann vor einer Haustür
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Ein Holzschild als Erinnerung

Einige Bäume werden zwar klein, aber schon dort gewesen sein, als die Revierförste­rei Tegelsee quasi „das Licht der Welt erblickte“ – damals noch als königlich-preußische Revierförsterei. Das war vor 175 Jahren.

Unter „Vermischte Nachrichten“ fand sich am 30. März 1848 aus Potsdam folgende Information der königlichen Regierung: „Dem im Belauf Tegel, des Forstreviers Tegel, am Tegelschen See neu errichteten Förster-Etablissement ist die Benennung „Försterei Tegelsee“ beigelegt worden.“

Anlässlich des runden Geburtstages lud Revierförster Frank Mosch zu sich in die Försterei am Schwarzen Weg ein. Mitglieder des Verein Waldfreunde Tegelsee e.V. sowie viele Angehörige seiner Vorgänger kamen persönlich vorbei, um zu gratulieren.

Mosch ist seit Mai 2009 hier als Revierförster tätig – vor ihm haben andere sich um die Wälder und Tiere auf den rund sieben Quadratkilometer gekümmert. Auf einem Försterstein stehen die Namen von den 13 Männern, die seit 1948 Revierförster in der Försterei Tegelsee waren. Sie alle haben die grüne Fläche geschützt, bearbeitet und geprägt. Da war beispielsweise Förster Scholz, dessen Vorname nicht bekannt ist. Er begann als „Hülfsaufseher“ und wurde dann zwei Jahre später Revierförster – und blieb es fast vier Jahrzehnte. Danach war Hans Grußdorf Förster.

Später war Martin Israel derjenige, der das Revier bis 1953 leitete. Er war durch ein außerordentliches Ereignis sogar sechs Wochen in Haft – und das nur, weil er seine Pflicht tat. Denn als er eines Tages im Wald eine Autokolonne stoppte, die dort nichts zu suchen hatte, entbrannte ein Streit. Dieser artete sogar in eine Schlägerei aus. Doch eben diese Kolonne begleitete den damaligen französischen Stadtkommandanten, der den Revierförster prompt verhaften ließ. Das war das Ende für Martin Israel in Tegel. Er wurde nämlich nach seiner Entlassung nach Spandau versetzt. Sein Nachfolger hieß Bruno Feuerherdt. Doch nicht nur die Revierförster kamen und gingen, sondern auch der Wald veränderte sich im Laufe der fast zwei Jahrhunderte: Früher lebten hier noch Rotwild, Hasen, Birkhähne und Rebhühner, und die Gebiete waren auch für Hofjagden vorgesehen. Doch diese sind heute verschwunden.

Wildschweine, Füchse, Rehe und Damwild, Dachse und Marder sind nach wie vor hier heimisch.

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg gab es große Veränderungen in den deutschen und auch Berliner Wäldern: Es gab die so genannten Reparationshiebe – das heißt, die Kriegsschulden wurden mit Holz bezahlt. Aus diesem Grund wurden massive Kahlschläge betrieben. „Im Anschluss daran war einer der großen forstlichen Leistungen die Wiederbewaldung. Die Gebiete wurden überwiegend mit Fichten und Kiefern aufgeforstet, weil es sich um schnell wachsende Bäume handelt, von denen es auch genügend Saatgut gab. Das war eine gigantische Leistung“, erklärt Revierförster Frank Mosch. „Auf Buchen- oder Eichenmast zu warten, die nur etwa alle zehn Jahre vorkommen, war nicht möglich.“

Doch der Tegeler Forst hatte Glück und blieb von den Reparationshieben weitestgehend verschont: „Anders als im Englischen und Amerikanischen Sektor, dem Spandauer Forst und dem Grunewald, wo sehr viel Nachkriegsaufforstung stattfand und man nur einzelne versprengte Alteichen findet, wurde im Französischen Sektor beschlossen, auf Kahlschläge weitestgehend zu verzichten.“

So wurde der schöne Wald eben nicht zerhackt und komplett abgeholzt, sondern weiter ganz normal genutzt. „Das ist der Grund, dass wir hier in den Tegeler Revieren und vor allem in Tegelsee noch die alten Wälder haben.“

Zudem wurde der Nadelholzanteil zugunsten des Laubwaldes deutlich verringert. Hat der Wald im Jahr 1891 noch zu 93,9 Prozent aus Kiefern bestanden, waren es 1930 noch 88 Prozent. Als ich angefangen habe, waren es noch 48 Prozent, jetzt sind es noch 45 Prozent.“, sagt Mosch. Und ein weiterer Fakt: Es wächst mehr nach als genutzt wird: Der Waldvorrat pro Hektar belief sich 1930 auf 167 Kubikmeter, 2004 waren es 238, 2011 insgesamt 270 Kubikmeter und jetzt mehr als 300 Kubikmeter.

Zudem ist der Wald heute deutlich aufgelockerter, vielschichtiger und mit sehr viel Totholz versehen. „Das ist heute auch unsere Vorgabe: das Totholz im Wald zu belassen“, so der Förster.

Als besonderes Geschenk zum runden Geburtstag gab es ein Gedenkschild von den Waldfreunden Tegelsee. Für die anwesenden rund 50 Gäste organisierte Frank Mosch einen Spaziergang durch das Revier und einen Imbiss mit Kaffee und Kuchen.

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Inka Thaysen

Ursprünglich beim Radio journalistisch ausgebildet, bin ich seit Ende 2018 für den RAZ Verlag tätig: mit redaktionellen sowie projektkoordinativen Aufgaben für print, online, Social Media und den PR-Bereich.

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