Vom Stuhl gerissen: Uwe Neumann Foto: du

Heinrich Heine rockt die Hubi

Szenische Collage zeigt den Dichter in seiner „Matratzengruft“

Märkisches Viertel – „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“ – Allein dieses Zitat zeigt schon, wie zeitlos Heinrich Heine sein konnte. Doch an diesem Abend in der Humboldt-Bibliothek sollte es nicht um den vormals in Deutschland politisch äußerst umtriebigen Dichter gehen, der wegen seiner kritisch-politischen Haltung angefeindet und ausgegrenzt wurde.

Am 21. März stand für die rund 80 Gäste der spätere Heine im Mittelpunkt, der nach Publikations-Verboten in Deutschland die zweite Lebenshälfte im Pariser Exil verbracht hatte und nach Scheitern der deutschen Revolution von 1848 auch bis zum Ende seines Lebens verbringen musste. Der rebellische Dichter und Denker war wegen Syphilis bis zu seinem Tod 1856 fast ein Jahrzehnt bettlägerig. Trotz mitunter unerträglicher Schmerzen und permanenter Opium-Gaben blieb sein Geist hellwach: Springlebendig verfasste er weiterhin Werke bis zu seinem Tod im Jahr 1856.

Um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, sich in dieses „Gruft-Szenario“ einfühlen zu können, mutierte die Humboldt-Bibliothek zur minimalistischen Theaterbühne: Das Schauspieler-Paar Annette Daugardt und Uwe Neumann ließ den ketzerischen Poeten in einer szenischen Collage auferstehen, die den Menschen und Künstler in seiner ganzen tragischen Lebendigkeit vor Augen führte.  

Eins steht allemal fest: Heine war ein Mischling aller möglichen Gegensätze.  Ein „Christuskopf mit Mephistos Lächeln“. Als Essayist und Satiriker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Antisemiten und Nationalisten feindeten ihn wegen seiner jüdischen Herkunft und politischen Haltung zeitlebens und darüber hinaus an. Darsteller Uwe Neumann, 1961 in Köln geboren, hat in Paris und an der Universität der Künste in Berlin Schauspiel studiert. Neben Rollen in Theater, Film und Fernsehen ist er als Sprecher im Hörfunk sowie für Hörbuch-Verlage tätig. Anette Daugardt, geboren 1966 in Berlin, hat eine Ausbildung für Musik und darstellende Kunst in Hamburg absolviert. Beide bestritten den Abend getreu der Widersprüchlichkeit ihres Darzustellenden mit engagiert ernsthafter Spielfreude, was vom Publikum auch mit längerem Applaus gebührend honoriert wurde.

Transfer für Weiterleser: Monika Albrecht, HuBi-Leiterin für Ausbildung und Erwerbung: „In der Humboldt-Bibliothek können Sie sich drei Gedichtbände ausleihen, darunter den Titel „Heinrich Heine für Gestresste“; den bekannten Roman „Die Harzreise: 1824“; mehrere Biografien wie „Heinrich Heine in Paris“ oder „Heinrich Heine und die Frauen“ sowie den literarischen Reiseführer „Mit Heinrich Heine durch Paris“. Außerdem angeboten werden vier Hörbücher auf CD, wie zum Beispiel „Deutschland, ein Wintermärchen“. Darüber hinaus haben Nutzer mit gültigem Bibliotheks-Ausweis Zugang zu weiteren E-Ressourcen.

Harald Dudel

Autor dieses Beitrags