Wie Mikado-Stäbe liegen orangene Rohre auf einem Haufen. Foto: fle

Tetra Pak wird neu verpackt

Gewobag will auf dem Gelände rund 700 Wohnungen bauen

Heiligensee – Es ist still auf dem großen Gelände, das seit 2013 im Dornröschenschlaf liegt. Beim Pförtnerhäuschen sind die Fenster eingeschlagen, dahinter Regale, Arbeitstisch, alte Zeitungen. Die Tür zur großen Werkhalle steht offen. Es ist schon lange her, dass hier Mitarbeiter die Maschinen bedienten. Im vorderen Gebäude liegen orangene Rohre wie überdimensionale Mikado-Stäbe auf einem Haufen, riecht es nach verbranntem Holz. Doch bald soll sich alles ändern und auf dem Grundstück an der Hennigsdorfer Straße 159 Wohnungen gebaut werden. Die Pläne sind nicht neu, nur der Käufer. Diesmal ist es die Gewobag, die ab 2026 rund 700 Wohnungen bauen will.  

Ein neuer Hoffnungsschimmer – und genau den bräuchte dieses brach liegende Grundstück, auf dem das Berliner Tetra-Pak-Werk seit 1981 Rollenware, die auf den Abfüllmaschinen bei den Kunden in einem Schritt befüllt, zur Verpackung geformt und versiegelt wurde. Das Werk wurde direkt aus den großen Papiermühlen in Skandinavien mit Rohpapier beliefert. Aus diesen Rohpapierrollen wurde dann das Verpackungsmaterial für Milch, Säfte und andere Produkte gefertigt. 

Doch Verpackungen „Made in Germany“ waren immer weniger nachgefragt. Im Zeitraum von 2004 bis 2012 war der Absatz von Tetra-Pak-Getränkekartons von damals 7,5 Milliarden Packungen im Jahr auf rund 4,7 Milliarden Packungen im Jahr gesunken. Und der anhaltend intensive Wettbewerb seitens der Kunststoffindustrie und der anderen Getränkekartonhersteller hatte sich ebenso auf den Absatz von Getränkekartons ausgewirkt wie die Einführung des Pflichtpfands.Für den Berliner Standort kam 2013 das Aus: Die Produktion wurde eingestellt, die Maschinen abgebaut, 195 Mitarbeiter entlassen.  

Dann stand das Gelände leer – und der ehemalige Inhaber plante, die Gebäude zu einem Flüchtlingsheim für mehrere tausend Geflüchtete umzubauen und sogar Klassenräume einzurichten. In Heiligensee wurde Kritik laut. Aber auch baulich ließ sich das Industriegelände nicht ohne weiteres und vor allem nicht schnell als Flüchtlingsunterkunft umbauen. 

Capital Bay kaufte das Tetra-Pak-Grundstück und die benachbarte Underberg-Betriebsstätte im Jahr 2016 mit dem Ziel, gemeinsam mit der CKV Vermögensverwaltung GmbH (CKV) auf dem 80.000 Quadratmeter großen Grundstück öffentliche und frei finanzierte Wohnungen zu bauen. Somit waren die Pläne, auf dem Grundstück ein Flüchtlingsheim zu errichten, vom Tisch. Flüchtlingsheim oder Wohnungen – oder gar nichts? Über mehrere Jahre lag das Grundstück erneut brach. Doch dann gab es den nächsten Eigentümerwechsel: Die DLE Group AG kaufte das Grundstück – und wieder geschah nichts.

Nun soll sich alles ändern: „Die Gewobag hat das Grundstück für das TetraPak-Projekt im letzten Jahr in einem Joint Venture mit der Mundial AG erworben“, erklärt Monique Leistner, stellvertretende Pressesprecherin der Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin. „Wir befinden uns zurzeit am Beginn des B-Planverfahrens und in Abstimmung mit dem Bezirk.“ 

Auf dem Gelände, an dessen Planung die Gewobag und das Bezirksamt Reinickendorf nun gemeinsam arbeiten, soll ein neues urbanes Quartier entstehen – mit Wohnungen, einer Kita und vielen Grünflächen. Der daneben befindliche Aldi-Markt soll neu gebaut werden und dann – um weitere kleine Geschäfte ergänzt – in das Ensemble integriert werden. Das heute vollständig versiegelte Gelände soll im Zuge des Bauvorhabens zu großen Teilen wieder entsiegelt werden. 

„Nach aktuellem Planungsstand ist der Baustart für den ersten Bauabschnitt des Projektes im Jahr 2026. Im Fokus des Bauprojektes steht für uns die Schaffung von zirka. 700 bezahlbaren Wohnungen sowie eine gute Infrastruktur vor Ort zu realisieren“, fügt Leistner hinzu. 

Ab dem Frühsommer seien die Bürgerinnen und Bürger gefragt, denn der Bezirk bietet dann eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung für den „vorhabenbezogenen Bebauungsplan 12-70VE“. Zudem werden Behörden und Träger öffentlicher Belange beteiligt.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.

Autor dieses Beitrags

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.