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„Englische Patienten“

Der Frohnauer Johannes Götze ist Vizepräsident des „VFV e.V. (Veteranen-Fahrzeug-Verband/Internationale Vereinigung der Freunde Historischer Fahrzeuge) und in der Oldtimer-Weltorganisation „FIVA“ (Federation Internationale Vehicules Anciens) mit über 68 Verbänden als vom Kooperationspartner ADAC entsandter Motorrad-Experte engagiert. Außerdem arbeitet er ebenfalls ehrenamtlich in Sachen Oldtimer-Politik als Mitglied des Parlamentskreises „Automobiles Kulturgut“. Der 71-jährige Architekt hat beruflich einen Teil seines Lebens in Flugzeugen verbracht, um international in Entwicklungsländern zukunftsorientiert öffentliche Gebäude zu konzipieren.

Als Ausgleich schlägt sein Herz privat für Zweiräder und historische Fahrzeuge. Nachdem der Sechzehnjährige ein Fahrrad mit Hilfsmotor hatte, folgte schnell der Motorrad-Führerschein und 15 Jahre lang die Gelegenheit, jede neue BMW-Maschine einzufahren. Da auch die Liebe zu historischen Fahrzeugen wuchs, errichtete Johannes Götze vor 30 Jahren in einem alten Pferdestall mitten in Lübars sein eigenes Museum mit Werkstatt und Raritäten, vornehmlich aus England.

Beim Eintritt fühle ich mich in die Welt von Thomas Edward „Lawrence (von Arabien)“ versetzt. Hier stehen Schätze, mit denen die Verkehrs-Pioniere die Welt entdeckten: „Bradbury“, „BSA“, „Sunbeam“ und „Diamond“. Lieblingsstück ist eine „Hundertjährige“: die „Excel-XL 350“, eine Rarität, für die selbst im Mutterland kaum Bauteile zu finden waren. Johannes Götze hat die „Blaue Mauritius“ auf zwei Rädern liebevoll mit viel Aufwand, Spürsinn und Intuition restauriert und fahrtüchtig gemacht. Denn die Schätze auf zwei Rädern werden auch bewegt. Mit 2,75 Pferdestärken hat die XL inzwischen mehrere tausend Kilometer ohne Panne zurückgelegt. Johannes Götze hat mit seinen Maschinen bisher dreizehn Mal am „Pioneer Run“ teilgenommen, der berühmten Zuverlässigkeitsfahrt von London nach Brighton.

Nationale und internationale Ereignisse bestimmen den Terminkalender. Zuletzt Anfang des Monats in Magdeburg, im Juni letzten Jahres die „FIVA World Motorcycle Rallye“ mit 160 Maschinen durch Kroatien, Slowenien und Italien, drei Tage mit Etappen zwischen 120 und 150 km mit vielen Serpentinen und Haarnadelkurven bis 1400 Meter hoch bei Temperaturen von 38 bis 40 Grad Celsius. Seit zehn Jahren gehört die zuverlässige „Victoria KR 6 A“ zum Fuhrpark, bei der in 5000 Kilometern Fahrtleistung lediglich eine defekte Glühbirne auszutauschen war. Erfolgreich im Dauertest war die fast „Hundertjährige“ vor fünf Jahren bei der „Milano-Taranto-Fahrt“, 1900 Kilometer in nur fünf Tagen, oder am Stilfser Joch mit 2757 Höhenmetern im Schnee.

Der größte Erfolg des Lobbyisten Götze war die Einführung eines einheitlichen kleinen Nummernschildes in ganz Deutschland, das besser zu den schmalen Maschinen passt als das frühere schlecht montierbare „Kuchenblech“. Zu den Gästen des Museums gehört auch Staatssekretär Carsten Müller, um zum Erfolg zu gratulieren oder politische Ambitionen zu erörtern, demnächst den Antrag zur Aufnahme der Veteranen als „Immaterielles Kulturgut“ in das UNESCO-Weltkulturerbe mit dem Slogan: „Fahrzeuge von gestern auf die Straßen von morgen“. kbm

Inka Thaysen

Ursprünglich beim Radio journalistisch ausgebildet, bin ich seit Ende 2018 für den RAZ Verlag tätig: mit redaktionellen sowie projektkoordinativen Aufgaben für print, online, Social Media und den PR-Bereich.