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„Beisetzung so würdevoll wie möglich“

Bezirk – Sind würdevolle Bestattungen auch in Zeiten von Corona möglich? Harald Dudel befragte dazu Robert Leonhard vom Bestattungshaus Poeschke.

Herr Leonhard, was macht die aktuelle Situation mit Ihrem Gewerbe?

Wir müssen uns auf sich ständig ändernde Situationen einstellen. Einerseits müssen wir unsere Mitarbeiter schützen, andererseits brauchen Angehörige weiterhin unsere Hilfe. Unser Berufszweig wurde bisher aber nicht als systemrelevant eingestuft. Diese Einstufung ist jedoch unverzichtbar, um auch in Zukunft genug Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung parat zu haben. Sonst kann auch das Bestattungsgewerbe einen wichtigen Teil seiner Aufgaben, nämlich die hygienische Gefahrenabwehr, nicht wahrnehmen.

Wie haben sich die Rahmenbedingungen bei Friedhöfen, Kirchen und Krematorien geändert?

Kirchen haben grundsätzlich geschlossen. Friedhofskapellen ebenfalls. Trauerfeiern können nur noch unter freiem Himmel mit maximal zehn Personen stattfinden. Darauf müssen wir flexibel reagieren, um unseren Kunden eine Beisetzung zu bieten, die so würdevoll wie möglich abläuft.

Was können Sie Menschen empfehlen, die derzeit einen Trauerfall haben?

In reduziertem Rahmen eine Trauerfeier vor der Kapelle oder an der Grabstelle abzuhalten. Das Orgelspiel entfällt. Musik kann gespielt werden, wenn der Bestatter mobiles Equipment mitbringen kann und der Friedhof dies erlaubt. Viele Berliner entscheiden sich ohnehin für einen Abschied in aller Stille. Die dritte Möglichkeit ist die Verschiebung von Trauerfeier und Beisetzung der Urne auf unbestimmte Zeit. Eine Erdbestattung lässt sich aber nur in sehr begrenztem Rahmen aufschieben.

Welche Möglichkeiten gibt es für diejenigen, die nicht unter Leute dürfen?

Personen unter Infektionsverdacht müssen in Quarantäne bleiben. „Hochrisikopatienten“ sollen den notwendigen Sicherheitsabstand einhalten, wenn sie an der Beisetzung teilnehmen. Für alle, die nicht kommen können, müssen andere Lösungen gefunden werden. Denkbar ist die Live-Übertragung als Video über das Internet. Alternativ kann die Trauerfeier per Video aufgezeichnet werden. Einfacher ist die Übertragung einer Rede mit passender Musik über ein Smartphone. Möglich wäre auch ein Besuch des Pfarrers bei den Angehörigen. Natürlich sind dabei alle Schutzmaßnahmen zu beachten.

Wie sieht die Live-Übertragung über das Internet konkret aus?

Bei Facebook kann sich eine unbegrenzte Teilnehmerzahl das Video gleichzeitig ansehen. Viele Anbieter von Video-Konferenzen bieten kostenlose Basisvarianten an. Außerdem eignet sich eine solche Software auch gut für ein Beratungsgespräch zwischen Angehörigen und Bestatter, wenn direkter Kontakt vermieden werden soll.

Gerät der Einsatz von Technik in Konflikt mit der Pietät?

Wir stellen schon seit vielen Jahren einen stärkeren Einsatz von Technik in der Bestattungsbranche fest. Angefangen von der Musikanlage in der Kapelle, bis hin zur Beamer-Projektion mit Bildern aus dem Leben des Verstorbenen. Von daher sehe ich keinen Konflikt, wenn die Verstorbenen mit Würde und Anstand behandelt werden und den Gefühlen der Angehörigen Rechnung getragen wird.

Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin ein erfolgreiches Wirken.

Interview Harald Dudel

Inka Thaysen

Ursprünglich beim Radio journalistisch ausgebildet, bin ich seit Ende 2018 für den RAZ Verlag tätig: mit redaktionellen sowie projektkoordinativen Aufgaben für print, online, Social Media und den PR-Bereich.