RAZ – Das Leitmedium für Reinickendorf.

Nur die Richtigen ins Körbchen

Bezirk – In den Wäldern in Nordberlin und im nahen Umland hat die Pilzsaison begonnen. Unter Bäumen und auf Wiesen sprießen jetzt wieder leckere Speisepilze – aber auch unbekömmliche Schwammerl. Die RAZ befragte Lars Lachmann, Ornithologe und Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie aus Reinickendorf.

Herr Lachmann, waren Sie in jüngster Zeit „in den Pilzen“?

Ja, ich freue mich sehr, dass ich in diesem Herbst besonders oft die Gelegenheit habe, mich draußen auf die Spur der Pilze zu begeben.

Was haben Sie gefunden, und was kam bei Ihnen auf den Tisch?

Als Biologe interessiert mich besonders die große Vielfalt der Pilze. Da kommen derzeit schnell 80 oder mehr Arten bei wenigen Stunden im Wald zusammen. Besonders leckere Speisepilze nehme ich dabei trotzdem gerne mit nach Hause. Derzeit sind das vor allem die beliebten Maronenröhrlinge. In den Sommermonaten hatte der Pfifferling eine besonders gute Saison, und auch jetzt findet man noch deutlich mehr von diesen Pilzen als in den vergangenen Jahren. Wer sich gut auskennt, kann außerdem ebenso gute, aber weniger bekannte Speisepilze sammeln, die andere stehen lassen. Persönlich schmecken mir einige Arten aus der Gruppe der Täublinge sehr gut.

Ihre Familie freut sich über die Funde?

Von anderen gesammelte Wildpilze sind nicht jedermanns Sache. Es gehört eine große Portion Vertrauen in die Kenntnisse des Sammlers dazu, um sie wirklich genießen zu können. Selbst innerhalb der Familie hilft es dabei, wenn man offiziell geprüfter Pilzkenner ist. Meine Familie schätzt vor allem getrocknete Röhrlinge, also Maronen, Steinpilze und Verwandte. Andere Arten esse ich eher alleine – und das auch nur in kleinen Mengen.

Was ist in den umliegenden Forsten an essbaren Pilzen zu finden?

In Reinickendorf gibt es sehr vielfältige und gut erforschte Pilzwälder wie den Tegeler Forst. Gleich am ehemaligen Mauerstreifen und in den Brandenburger Wäldern nördlich von Berlin sind die vier klassischen Speisepilze gut vertreten: Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge und Parasolpilze. Aber natürlich nur, wenn die Bedingungen gerade passen. Und das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Die Trockenheit im Sommer bekommen die Wälder stark zu spüren. Hat das Folgen für die Pilze?

Grundsätzlich gibt es wie bei vielen anderen Lebewesen den Trend, dass mit der Erwärmung des Klimas wärmeliebende Arten aus dem Süden häufiger werden und eher nördlich verbreitete Arten abnehmen. Der Pilzsammler bemerkt aber zunächst einmal lediglich, dass bei anhaltender Trockenheit so gut wie keine Pilze zu finden sind. Je trockener es ist, desto länger dauern diese Zeiten der Pilzflaute. Dafür verlängert sich die Pilzsaison nach hinten. Weil der erste Frost oft lange auf sich warten lässt, findet man nun auch im November noch gut Pilze.

Es gibt auch neue Arten wie die Falsche Rotkappe, dieser neue Pilz breitet sich in Brandenburgs Wäldern immer mehr aus, die Sorte ist leicht mit der Marone oder dem Steinpilz zu verwechseln. Worauf muss der Sammler achten?

Die Falsche Rotkappe wurde aus Nordamerika nach Osteuropa eingeschleppt und wandert gerade – unabhängig vom Klimawandel – von Polen aus in die sandigen Kiefernwälder Brandenburgs ein. Es handelt sich um einen Röhrling mit rotem Hut und einer auffälligen besonders langgestreckten Netzzeichnung auf dem Stiel. Eine Verwechslung wäre in diesem Fall nicht tragisch, da die Art offensichtlich gut schmeckt und bekömmlich ist. So oder so darf man nur sammeln, was man zweifelsfrei als Speisepilz bestimmen kann oder von Pilzberatern bestimmen lässt. Sonst ist der Weg in den Supermarkt die bessere Alternative.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Anja Jönsson

Jessie begleitet Herrchen Lars auf der Pilzsuche. Und wird ebenfalls fündig! Foto: privat

Inka Thaysen

Ursprünglich beim Radio journalistisch ausgebildet, bin ich seit Ende 2018 für den RAZ Verlag tätig: mit redaktionellen sowie projektkoordinativen Aufgaben für print, online, Social Media und den PR-Bereich.