Wittenau – Noch hängen die Bilder in den Räumen, noch gehen Frauen und Männer durch die Zimmer der kleinen Wohnung im Erdgeschoss Alt-Wittenau 41b und sehen sich jedes Bild an. Eine Aquarell-Landschaft und das Gesicht eines Mädchens, gemalt von Irina Volkland. Von der Frohnauerin Galina Sittner sind die blau-türkise Welle mit weißleuchtender Gischt in Acrylfarben und ein Diptychon mit Kornähren – das eine in Blau-Gelb und das andere in Blutrot. Beide repräsentieren die Ukraine, die Kornkammer Europas einmal vor dem Krieg und einmal während des Krieges.
Ein Abschied nach 16 Jahren
Es ist die 86. Ausstellung in diesen Räumen und wird die letzte sein. „Leider müssen wir Euch/Ihnen mitteilen, dass der Schollen-Treff-Wittenau“ zum letzten Mal am kommenden Sonntag zu einem Besuch einlädt. Mit der Ausstellung von Irina Volkland und Galina Sittner enden 16 Jahre Schollen-Treff-Wittenau“, hieß es in der Einladung zur Finissage am 2. März.
Der Beginn: Ein Treffpunkt für Kultur und Gemeinschaft
Angefangen hat alles vor 16 Jahren: Mit der ersten Ausstellung im Juli 2009 unter der Ausstellungskoordination von Ulrich Rohmann startete der Schollen-Treff-Wittenau. „Von der Baugenossenschaft Freie Scholle wurde die Wohnung zur Verfügung gestellt, damit hier Freizeitaktivitäten stattfinden können“, erklärt Harald Heier vom Ausstellungsteam. „Und das wurde auch gut angenommen“, fügt er hinzu. Von Gymnastikgruppen über regelmäßige Skattreffen, Handarbeitskurse bis hin zu Malunterricht war die Liste der Angebote, die von zugehörigen Baugenossen ins Leben gerufen und betreut wurden, lang. „Und dann hat man festgestellt, dass die Wände so kahl aussehen“, erinnert er sich. So reifte die Idee in Ulrich Rohmann, hier auch Ausstellungen zu realisieren. Gesagt, getan – und auch die Ausstellungen waren erfolgreich, wurden vor allem an den Sonntagen gut besucht.
Wechsel im Ausstellungsteam
Nach zehn Jahren kam ein Wechsel: Nach unermüdlichem Engagement – und die Koordination ist nicht nur Freude, sondern sehr viel Arbeit – beendete Ulrich Rohmann diese erfolgreiche Arbeit im Juli 2019. Doch es gab Nachfolger: das sogenannte A-Team, ein Ausstellungsteam mit Harald Heier, Gisela Grundmann und Prof. Dr. Udo Kraft, das den Schollen-Treff hochmotiviert weiterführte.
Pandemie als Wendepunkt
Der Treff musste durch schwierige Zeiten: „Die vollständige Sperrung der Räume – wir hatten uns alle Corona nicht gewünscht und nicht ausgesucht – brachte uns 2020 eine lange Ausstellungspause“, erinnert sich der Organisator. „Und nach der Wiederöffnung der Räume hatten wir trotz erheblicher Anstrengungen einen Einbruch bei den Besucherzahlen für unsere Ausstellungen. Corona hat uns den Garaus gemacht“, sagt Heier. Diese Zwangspause sei dem Schollen-Treff Wittenau sehr schlecht bekommen – und nach der Pandemie seien auch viele Angebote nicht mehr fortgesetzt worden. Nun gäbe es seitens der Baugenossen keine Unterstützung mehr: „Es interessiert sich leider keiner mehr so richtig für diesen Treffpunkt und niemand möchte Zeit investieren.“
Wehmut bei Künstlerinnen und Gästen
Die beiden Künstlerinnen und auch die rund 50 anwesenden Gäste betrachten die Schließung des Treffs mit Wehmut. „Die Atmosphäre hier ist nicht so anonym wie in anderen Ausstellungsorten im Bezirk“, sagt Galina Sittner, die Kunst studiert hat und nun als Lehrerin an der Renée-Sintenis-Grundschule tätig ist. „Es war eine herzliche, warme Atmosphäre, und hierher kommen Menschen, die sich wirklich für unsere Bilder interessieren.“ Das empfindet auch Irina Volkland so, die eine Leidenschaft für die Malerei bereits in ihrer Jugend entwickelt hat. Ihre Aquarelle zeigen nicht nur Landschaften, sondern auch Menschen. „Ich habe die Malerei im Selbststudium und in der Nordberliner Malschule erlernt“, sagt sie. Ihre Bilder waren zuvor auch schon im Rathaus Reinickendorf und in der Kirche in Velten zu sehen.
Ein letzter Hoffnungsschimmer?
Sie beide würden sich sehr wünschen, dass der Schollen-Treff weiter besteht. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt: „Wir würden uns freuen, wenn es von den rund 4.000 Genossinnen und Genossen jemanden gäbe, der den Schollen-Treff weiterführen würde“, sagt auch Harald Heier. Interessierte können sich an den Vorstand der Freien Scholle wenden.