Tegel – Vor nunmehr fast 25 Jahren, am 8. November 2000, trat in Deutschland das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung in Kraft. Die Botschaft ist unmissverständlich: Gewalt ist kein Mittel der Erziehung. Kinder zu schlagen, sie körperlich oder seelisch zu verletzen, ist gesetzlich verboten. Doch was verboten ist, ist nicht unbedingt aus der Welt. Trotz dieser positiven Entwicklung sehen viele Menschen in Deutschland körperliche Bestrafung weiter als angebracht an – und der Spruch „Ein Klaps auf den Po hat noch keinem Kind geschadet“ gilt in vielen Familien auch heute noch.
Umso wichtiger ist es, dass es Institutionen gibt, die sich für Kinder einsetzt – dazu gehört auch ein neues Bildungs- und Kinderschutzinstitut: die Bundeszentrale für Gewaltfreie Kindheit 365 UG. Sie ist vor einigen Monaten in die ehemaligen Räume des Antiquariats in die Brunowstraße 18 eingezogen und feiert am 16. September ihre offizielle Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür.
„Viele kennen uns bereits in Tegel von der Bilderkraft ein paar Häuser weiter in der Brunowstraße“, erklärt Birger Holz, Gründer von Bilderkraft, Spieletherapeut und Pädagoge und gleichzeitig Geschäftsführer der Bundeszentrale gewaltfreie Kindheit 365 UG. „Daraus ist 2023 der Fachtag zur Gewaltfreien Kindheit mit rund 140 Teilnehmern entstanden, der dann 2024 sogar als zweitägige Veranstaltung im Palais am See mit mehr als 400 Menschen stattfand“, erinnert er sich.
„Gewalt passiert immer noch jeden Tag. Kinder erleben Gewalt – körperlich und seelisch, im Elternhaus und in Kindertageseinrichtungen oder Schulen. Und es beginnt bereits mit der Kommunikation,“ fügt Kollegin Marissa Klitzing hinzu. „Hier muss noch ganz viel geschehen, damit Kinder gewaltfrei und respektvoll aufwachsen – und auch Schule muss sich wandeln – weg vom entwürdigenden Bewerten, Bestrafen und Belohnen und hin zu einem respektvolleren Umgang.“
Auf einer Tafel steht in großen Lettern „Tagesmenü“, und darunter ein paar wichtige Hinweise: „Gib zu allererst auf dich Acht“ und „Es ist in Ordnung, sich zu irren“ und „Hol dein inneres Kind zum Spazieren heraus“. Es sei von enormer Bedeutung, für gesellschaftliche Aufklärung zu sorgen und ganz konkrete Angebote zu machen, wie Erziehung ohne Gewalt gelingen kann: Sowohl in Institutionen als auch in der Familie. „Und genau hier setzen wir an“, sagt Holz. Das fünfköpfige Team und ihre drei Dozentinnen bietet neben Beratung ein Netzwerk zum Kinderschutz in Punkto Ausbildung bietet eine Weiterbildung zu Kinderschutz-Multiplikatoren.
Er weiß: Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut. Wichtig sei, dass sie mehr mit ihren Kindern in Verbindung treten müssen, sich mehr Zeit nehmen, gemeinsam mehr unternehmen, mehr zuhören. Es ist von großer Bedeutung, Kinder nicht zu erziehen, sondern auf ihrem Weg zu begleiten.“
So hat die Bundeszentrale für Gewaltfreie Kindheit in seinem Seminar- und Bewegungsraum verschiedene Angebote an: Eltern-Seminare, Zumba-Kurse und Fortbildungen stehen ebenso auf dem Programm wie Cantiencia-Training.
„Wer uns kennenlernen möchte, kann gern zur offiziellen Eröffnung kommen. Wir freuen uns auf interessierte Besucher“, sagt Birger Holz. Ab 15 Uhr findet der Tag der offenen Tür mit Hüpfburg und Programm für die Nachbarschaft statt. Weitere Infos unter www.gewaltfreie-kindheit.de