Bezirk – Das war die beste Werbung, die die Initiatoren der „Kaffeewette“ bekommen konnten: Das Hin und Her bezüglich der Genehmigung dieses Wettbewerbs zwischen den Bezirken zugunsten der Kältehilfe brachte die Aktion berlinweit in die Medien – und erlangte somit eine unerwartete Aufmerksamkeit. Der Regierende Bürgermeister hatte zunächst die Kaffeewette verboten – zumindest den zweiten Teil – nachdem das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg den Verdacht der Korruption und Vorteilsnahme gegen die Unternehmer hegte, die für 500 gesammelte Kaffeepäckchen 2.500 Euro obendrauf legen wollten. Die Korruptionsstelle des Senats wurde einschaltet und Wegner verbot die Aktion.
Darüber war nicht nur Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) schockiert: „Wenn eine solch gute, gemeinnützige Aktion, die seit Jahren die Not auf den Straßen Berlins lindert, angeblich nicht gesetzeskonform sein könnte, wäre es dann nicht die Aufgabe des Gesetzgebers, hier des Landes, dies zu ändern?“, fragte sie in Richtung ihres Parteikollegen im Roten Rathaus. Auch Bezirksverordneter Norbert Raeder (für CDU) empörte sich öffentlich: „Ich bin tief bestürzt, dass eine engagierte Initiative […] seitens der Politik untersagt wurde […], während Parteispenden in Millionenhöhe für Parteiwahlkämpfe mit Freuden angenommen werden.“ Zum Glück nahm die Angelegenheit eine positive Wende: Wegner nahm sein Verbot einen Tag später zurück.
Bis zum 5. Februar können die Reinickendorfer mithelfen, den Titel zu verteidigen: In den vergangenen zwei Jahren ging jedesmal der Fuchsbezirk als Sieger hervor. In diesem Jahr wetteifern das erste Mal alle zwölf Berliner Bezirke mit. Nicht nur die leeren Regale der Einrichtungen für obdachlose Menschen werden mit dem gespendeten Kaffee aufgefüllt: Jeder Bezirk, der mindestens 500 Päckchen sammelt, erhält von den vier teilnehmenden Unternehmern 2.500 Euro zusätzlich für die Kältehilfeeinrichtungen im Bezirk.
Einer, der sich als Privatperson besonders engagiert, ist der Reinickendorfer Peter Bartel (Foto). Dass der 82-Jährige ein Herz für die Schwächsten der Gesellschaft hat, stellte er immer wieder mit eigenen Aktionen unter Beweis, etwa mit dem Sammeln von Sportschuhen zugunsten von Flüchtenden aus der Ukraine.
Kaffee für bedürftige Reinickendorfer
Nun hat Peter Bartel 100 Kaffeepäckchen, also einen glatten Zentner, geordert und bringt diese in die Wette ein. „Als alter Reinickendorfer wollte ich meinen Anteil beisteuern. Ich hatte dann bei meinem REWE-Markt um die Ecke angefragt, aber da wurde abgewunken. Eine solche Menge auf einen Schlag konnte man mir nicht besorgen“, erzählt der Frohnauer Das Internet musste helfen, Bartel wurde auf einen Händler in den Niederlanden aufmerksam. Der Frohnauer gab die Großbestellung auf, am Freitag der Vorwoche kamen zwei große und jeweils 25 Kilogramm schweren Pakete bei ihm an. Der Senior packte die Päckchen in „tragbare Portionen“ um und verlud sie in sein Auto. In dieser Woche brachte er die Fuhre mit den 100 Päckchen Jacobs-Kaffee an den Zielort, das Rathaus.

Die 500-Gramm-Kaffeepakete können abgegeben werden im Rathaus, Eichborndamm 215, in allen Seniorenfreizeitstätten und Bürgerämtern, dem Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, der Jugendkunstschule Atrium, Senftenberger Ring 97, der Humboldt-Bibliothek, Karolinenstraße 19, den Stadtteilbibliotheken Renickendorf West, Frohnau und Märkisches Viertel, beim Quartiersmanagement Letteplatz, Mickestraße 14 und Graf-Haeseler-Straße 17 sowie dem Stadtteilzentrum Rollberge, Zabel-Krüger-Damm 52.
Kältehilfe in Reinickendorf:
Notübernachtung „Kopenhagener Straße“ für wohnungslose Männer, Kopenhagener Straße 29, täglich 20 bis 8 Uhr
Notübernachtung „Home & Care“ für Frauen und Kinder, Finsterwalder Straße 64, täglich 20 bis 8 Uhr
Notübernachtung „Am Bärensprung“ für wohnungslose Familien, Am Bärensprung 52/56, ganzjährig 0 bis 24 Uhr
Kältestuben der Kath. Pfarrei St. Klara, Gemeinderäume General-Woyna-Straße 55: montags 9 bis 12 Uhr, Gemeindesaal Bernauer Straße 66–68: mittwochs 12 bis 15 Uhr





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