Bezirk – Innerhalb nur einer Woche im Januar verlor die Reinickendorfer CDU-Fraktion und der Kreisverband zwei ihrer wichtigsten Köpfe: Stadträtin Julia Schrod-Thiel und Fraktionschefin Sylvia Schmidt. Die zwei Frauen legten ihre Parteiämter aus Protest gegen die aktuelle Führung der Reinickendorfer CDU nieder. Der Protest richtet sich vor allem, aber nicht nur, gegen Marvin Schulz (30), Bundestagsabgeordneter und CDU-Kreisvorsitzender.

Nachdem er im Mai 2025 den Vorsitz übernommen hatte, ging er direkt daran, seine Partei in Reinickendorf komplett auf den Kopf zu stellen. Junge CDU-Mitglieder wurden gefördert und langgediente Kräfte rausgedrängt. Das stieß vielen in der Partei sauer auf, die das Vorgehen von Schulz als „Mobbing“ ansehen. Manche zogen die Konsequenzen und verließen die Partei.
Nur einer von „den Alten“ ist weiter im Spiel: Burkard Dregger (61) tritt bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus und Bezirksparlament im September wieder in Reinickendorf-Ost an. Gegenüber der RAZ gab sich Dregger versöhnlich: „Die Neuaufstellung eines Kreisverbandes erfordert manchmal harte Entscheidungen“. Über das „Wie“ lasse sich trefflich streiten.
Sylvia Schmidt und Julia Schrod-Thiel sind nun raus aus dem politischen Geschäft. In ihrem Rücktrittsschreiben stellte Schmidt unmissverständlich klar: „Die Basis für ein vertrauensvolles Miteinander ist hier nicht mehr gegeben.“
Deutliche Worte, die selbst die Bündnisgrünen überraschten: „Insbesondere der Zeitpunkt ein Dreivierteljahr vor den Wahlen im Bezirk zeigt das Ausmaß der Zerrüttung, sowohl im Verhältnis zur Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner wie auch in der Partei.“
Nachfolgerin von Sylvia Schmidt wird nun wohl die BVV-Verordnete Cassandra Hoffmann aus Reinickendorf-West, neuer Stadtrat Sebastian Pieper, der Bezirksbürgermeisterkandidat der CDU. „So kann er sich schon einmal ins Bezirksamt und in den Bezirk einfinden“, kann Dregger dem ganzen Hickhack noch etwas Positives abgewinnen. Er danke Julia Schrod-Thiel für ihre Arbeit, besonders für den Kiez um die Residenzstraße. Man habe im Sommer 2024 bei der Bekämpfung der Drogenszene am Schäfersee „sehr gut zusammengearbeitet.“
Natürlich ist eine vollständige Aufarbeitung der Grabenkämpfe in der Reinickendorfer CDU nicht möglich, ohne den Vorsitzenden selbst zu den Vorwürfen zu hören. Marvin Schulz aber antwortete weder auf Anfrage der RAZ noch anderer Medien. Mit solch unprofessionellem Wegtauchen aber wird er seine Partei sicher nicht befrieden.





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