RAZ – Das Leitmedium für Reinickendorf.

ein Raum mit vielen technischen Geräten
Foto: mvo

Upgrade!

Ich habe es lange vor mir her geschoben, doch nachdem ich wieder mal mehrere Minuten warten musste, bis mein altes Notebook sich bequemt hatte, den Inhalt der Festplatte auf den Bildschirm zu zaubern, war der Geduldsfaden gerissen: Ein neuer Rechner muss her! Ein gelegentlich auftretender Bluescreen, der sporadisch das Ergebnis stundenlanger Computerarbeit mit in den digitalen Tod riss, bestärkte mich nur in dieser Entscheidung.

Es ist nun fast 11 Jahre her seit meinem letzten PC-Kauf und mit Schaudern erinnere ich mich an die letzten digitalen Umzüge: geliebte Software, die sich leider inkompatibel mit dem neuen Rechner zeigte, Datenschwund, Software-Keys und Zugänge, die man nur für die Neuinstallation braucht und danach verloren gingen. 

Und dann diese endlose Auswahl an Systemen und Komponenten! Meine jugendliche Begeisterung für Hardware hat sich schon lange verflüchtigt, funktionieren soll es nur und seinen Job machen. Also das Projekt kurzerhand zum IT-affinen Nachwuchs verschoben, der mir den Selbstbau wie ein Ü-Ei-Projekt als „kinderleicht“ verkaufte und zielsicher aus gefühlt 256 verschiedenen Motherboards, CPUs, RAM und anderen Kürzeln eine Einkaufsliste zusammenstellte. Nachhaltiger solle der Selbstbau sein, denn man könne ihn später „nachrüsten“. Daran habe ich gelinden Zweifel, denn mein Keller ist inzwischen voll mit nicht mehr verwertbaren Lüftern, Festplatten und anderem Gedöns, weil sich die Anschlussstandards „nachhaltig“ geändert haben. 

Einzig beim Gehäuse durfte ich mitreden und fiel natürlich auf bunte Lämpchen auf der Abbildung im Shop herein. Das Gehäuse erwies sich als überdimensionierter Midi-Tower und könnte vermutlich zwei Rechner sowie einen Kaffeevollautomaten locker aufnehmen. Es war viel zu fett für die diskrete PC-Halterung am Schreibtisch und das soll auch so sein: Ich wurde von der Jugend belehrt, dass man das Gerät natürlich prominent auf dem Schreibtisch zu platzieren hat und es keinesfalls zur Ablage verwenden darf. Über eine Glasscheibe soll ich der CPU später beim Denken zuschauen können – wenn sie denn denkt: Die Inbetriebnahme erwies sich nämlich als etwas tückisch. Krude Fehlermeldungen über Festplatten-Partitionen tauchten auf, die ich dann in Eigenregie mit Hilfe diverser Foren-
einträge lösen konnte. Nur so hübsch leuchten wollte er nicht.

Da sich der Nachwuchs leider an solchen Details aus Zeitmangel nicht mehr versuchen konnte, musste ich nun ran. Mit Hilfe von Google Lens wurden die kryptischen Anschlüsse auf Motherboard und Hub identifiziert und schnell zeigte sich, dass in den Unmengen der beim Gehäuse mitgelieferten Kabel ein Teil der Lösung lag. Denn ohne Strom leuchtet auch in der Neuzeit kein PC und so lag es nur am fehlenden Anschluss am Netzteil. Nun tut er leise summend und blitzschnell seinen Job, denn auch der gefürchtete Software-Umzug erwies sich als gänzlich unproblematisch. Analog zu Handys, die sich über Benutzerkonten spiegeln lassen, ist das auch bei PCs nun kein Hexenwerk mehr.Hübsch sieht er auch aus, selbst wenn er den halben Schreibtisch unter sich begräbt – nur sein Kaffee schmeckt sch…

Melanie von Orlow

Melanie von Orlow ist als Autorin, Biologin und Imkerin Teil des RAZ-Teams. Beim NABU Berlin engagiert sie sich für den Natur- und Artenschutz in der Stadt.