Reinickendorf – Wenn Amtsarzt Patrick Larscheid an die Zeit der Corona-Pandemie zurückdenkt, sieht er Licht, aber auch viel Schatten. Dass die Behörden von Anfang an versucht haben, die Verbreitung des Virus einzudämmen, sei richtig gewesen. Doch wenn er es heute auf den Straßen überall schniefen und husten hört, denkt er daran, was damals schiefgelaufen ist. Dass man damals die Schulen und Kitas über Monate hinweg geschlossen hat, hält der Leiter des Reinickendorfer Gesundheitsamtes auch heute noch für einen schweren Fehler.
Drei Jahre dauerte die Pandemie, die Anfang 2020 begann. Im Bezirk wurden mehr als 86.000 Ansteckungen mit dem SARS-CoV-2 registriert, 563 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion erfasst, so das COVID-Statistik-Portal, das seine Daten unter anderem aus den Meldungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und den Gesundheitsämtern bezieht.
Kinder im Vorschulalter besonders betroffen

Amtsarzt Patrick Larscheid war damals einer der Experten, der immer wieder für die RAZ und andere Medien fachkundig Rede und Antwort stand.
Bis heute beklagt die Beratungsstelle für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die ein Teil des von Larscheid geführten Gesundheitsamtes ist, dass Kindern mit den Schließungen die „normale Kindheit genommen“ worden sei. Sie stellt noch heute eine „höhere Zahl an psychisch Erkrankten bis hin zur Suizidalität“ fest. Vor allem den Kindern im damaligen Vorschulalter sei mit den Kita-Schließungen geschadet worden. Sie seien dadurch häufig nicht „rechtzeitig schulfähig“ gewesen und mit „komplexen Schwierigkeiten“ belastet. Diese Generation „Corona-Kinder“ ist jetzt in der Grundschule.
Keine Erwartungen an Enquete-Kommission
Beim Blick auf die Gegenwart streift Larscheid die derzeitigen Bemühungen der Bundestags-Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“. Er sagt, dass er von dieser Kommission „gar nichts“ erwarte, da sie von den „falschen Leuten gefordert“ worden sei und „nicht Aufarbeitung, sondern Anklage“ zum Ziel habe. Für die nächste Pandemie erhebe er für den Bezirk Reinickendorf ganz einfache Forderungen und arbeite auch intensive daran, diese umzusetzen. Für ihn gehe es heute in erster Linie darum, bei einer erneuten Pandemie schnell genügend Mitarbeiter zur Verfügung zu haben, die das epidemische Geschehen nachvollziehen können. Auf den Einsatz von Bundeswehrsoldaten bei Nachverfolgungsrecherchen – wie damals die Praxis – will er zukünftig verzichten und lieber auf eigene Fachkräfte zurückgreifen. In normalen Zeiten habe sein Gesundheitsamt etwa 140 Mitarbeiter. Diese Zahl möchte er schnell verdoppeln.
Larscheid vertraut auf ein geplantes, neues Gesetz des Landes Berlin, das den Gesundheitsämtern in den zwölf Bezirken die Kompetenz geben soll, die benötigten Fachkräfte ohne lange Diskussionen aus den anderen Verwaltungsstellen zusammenzuziehen und einzusetzen. Er habe für Reinickendorf bereits „einen Pool von etwa 150 geeigneten Mitarbeitern in der Schublade“.
Denn eins ist für Larscheid klar: Die nächste Epidemie komme bestimmt und sei höchstwahrscheinlich wieder ein „Erreger von Atemwegsinfektionen“, der relativ leicht von Mensch zu Mensch auf dem Luftweg übertragen werde. Und er gibt zu bedenken, dass das nächste Virus sehr viel gefährlicher sein könne als der Corona-Erreger.





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