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Eine Frau und ein Kind mit Taschenlampen vor einem Dinosaurier-Skelett
Nachts im Museum: Leyla macht dem brüllenden T-Rex Konkurrenz. Franziska Clauss setzt die Szene ins richtige Licht. Foto: fle

Skelette im Lichtkegel

Taschenlampen-Führungen mit Franziska Clauss

Frohnau/Mitte – Es ist fast ganz dunkel, nur durch die hohe Museumsdecke scheint ein wenig Licht. Riesige Skelette ragen wie aus dem Nichts auf – und es reicht die Vorstellungskraft, dass sie ihre steifen Knochen in Bewegung setzen und loslaufen. Nachdem die Tore des Museums geschlossen wurden, schleicht eine kleine Gruppe durch die leeren Räume. Im Lichtkegel ihrer Taschenlampen türmt sich ein meterhoher Hals vor ihnen auf. 

Es ist Sonntagabend, und im Naturkundemuseum an der Invalidenstraße führt Franziska Clauss eine der beliebten Taschenlampen-Führungen durch. Die Frohnauerin, die seit nunmehr 18 Jahren in diesem Museum als freiberuflicher Guide neben den normalen Führungen zu Evolution, Artenschutz, Biodiversität oder Dinosauriern auch die Taschenlampen-Führungen durchführt, beginnt immer in der Welt der Dinos im ersten Saal. Das Staunen ist groß, als das Licht der Taschenlampen die Kolosse sichtbar macht. „Und was, wenn sie jetzt lebendig werden, wie im Film?“ spricht ein Junge auf das Kinderbuch und den Kinofilm an, in dem Nachwächter Larry alias Ben Stiller erlebt, wie die prähistorischen Biester auf magische Weise nachts zum Leben erwachen. 

Aber zum Glück geschieht es an diesem Abend nicht. Die Saurier bleiben starr. Und so leitet Clauss die kleine Gruppe, punktuell leuchtend, durch die Museumsräume. Sie erzählt ihnen von der Großtrappe, einem der schwersten flugfähigen Vögel der Welt – und verrät, dass die Männchen bei der Brautwerbung pupsen. Sie präsentiert, wie geräuschlos Schleiereulen fliegen können, und führt die Besucher zum Aye-Aye, um anhand dieses Fingertiers Madagaskars die Evolution und stetige Veränderung der Welt zu erklären. Anschließend streifen die Besucher die Nass-Sammlung – Tiere, die in Alkohol konserviert wurden. 276.000 Gläser stehen dicht an dicht. Zum Abschluss gibt es noch ein Erinnerungsfoto mit dem T-Rex. „Das war toll“, sagte die fünfjährige Leyla, die mit dem T-Rex um die Wette brüllte.

Auch für die Frohnauerin sind die nächtlichen Führungen ein besonderes Erlebnis: „So wie Naturpädagoge Joseph Cornell sagte, dass man nur das schützt, was man kennt und liebt, ist es für mich wichtig, die Begeisterung bei den Besuchern zu wecken“, sagt Clauss. Das ist ihr bei der Taschenlampenführung gelungen.

Weitere Führungen finden am 20., 21. und 28. Februar statt. Sollten sie bereits ausgebucht sein, gibt es bald die nächsten Termine auf der Museumswebsite (www.museumfuernaturkunde.berlin/de/mitmachen/veranstaltungen/taschenlampenfuehrung) für den nächsten Winter.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.