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ein Mann steht an einem Ufer und zeigt mit der Hand auf etwas
Foto: fle

Havelufer: 80 Bäume weg – warum nur?

Bürgerinitiative „Die Baumretter“ will weiteren Kahlschlag im Herbst verhindern

Am Havelufer sind Bäume in großem Umfang gefällt worden.  Die pink blühenden Rotdorne entlang des Wanderweges an der Havel zwischen der Falkenhorststraße und dem Schwarzspechtweg am Liegeplatz des Dampfers Feengrotte fielen Anfang 2025 als erste den Kettensägen zum Opfer. 

Die Abholzung der Rotdorne und weiterer Bäume hatte das Bezirks-amt zu verantworten. Begründung: Von den 16 Bäumen im Bereich der Feengrotte sei bei neun Stammfäule festgestellt worden. „Diese Bäume mussten aus Gründen der Verkehrssicherheit entnommen werden“, erklärte die damals zuständige Bezirksstadträtin Julia Schrod-Thiel. Die Bäume wären außerdem zu klein gewachsen, da sie für den wassernahen Standort nicht geeignet seien. So wurden sie gefällt, um als Ersatz  zwölf Kopfweiden zu pflanzen – doch das ist bisher nicht geschehen. 

Und der Kahlschlag ging weiter: Als die Menschen am späten Nachmittag des 23. November 2025 von der Arbeit nach Hause kamen, trauten sie ihren Augen nicht: Am Bärbelweg in Tegelort an der direkten Wasserlinie des Havelufers waren alle 80 Bäume gefällt worden. „Die Bäume hatten teilweise einen Durchmesser von über 50 Zentimetern“, sagt Christoph Pewesin (Foto) von der Initiative „Die Baumretter“. „Auch jeder bodennahe Bewuchs – Efeu, Büsche, Unterholz, die Vegetation direkt am Ufer und im Wasser – wurden entfernt, die Biotope dem Erdboden gleichgemacht“, ist Pewesin  schockiert. Im Januar gründeten sich deshalb „Die Baumretter“, ein nachbarschaftlicher Zusammenschluss von Bürgern aus Konradshöhe, Tegelort und Heiligensee. „Uns geht es um den Erhalt der Natur“, sagt Pewesin. „Und gerade in Zeiten des Klimawandels ist jeder Baum und jedes Stückchen Schilf absolut schützenswert.“ 

Im Frühjahr 2026 kam der nächste Schock: Mit schwerem Gerät wurde im März das gesamte Erdreich mit Stubben, ufernahen Pflanzen sowie Schilfbeständen wasserseitig der Uferbefestigung radikal entfernt. 

„Es war und ist nach wie vor unerträglich, wie die Bagger dort Rückzugsräume für Biber, Amphibien, Fische und Insekten, aber auch Brutplätze für Vögel zerstörten – und das mitten in der Brutzeit.“ 

Die Initiative hakte mehrmals bei den Behörden nach, doch es war kompliziert herauszufinden, wer die Fällungen in Auftrag gegeben hat. „Für die Maßnahmen am Havelufer in Tegelort ist eine Bundesbehörde, das Wasser- und Schifffahrtsamt in Bonn, zuständig“, erklärt Pewesin. „Interessant ist jedoch, dass das Amt nicht selbst gehandelt hat, sondern von der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt darum gebeten wurde.“ Warum? fragen sich die Bürger. Eine Erklärung der Senatsverwaltung blieb bis zum Redaktionsschluss aus.  

Eine Begründung der Behörden für die Fällungen wurde indess gegeben: Die gemauerten Uferbefestigungen sollen erhalten und die Verkehrssicherheit hergestellt werden. Doch nun – ohne den Schutz des Schilfs – ist die Mauer noch mehr der Erosion und den Wellen ausgesetzt …

„Eine eingehende Prüfung der uns vorliegenden Akten hat uns zudem deutlich gemacht, dass die massiven Fällungen nicht nach ökologischen Gesichtspunkten erfolgten, sondern lediglich nach angeblich technischen Maßnahmen“, erklärt Pewesin und fügt hinzu: „Außerdem ist es fatal, dass Ersatzpflanzungen an der direkten Wasserlinie gesetzlich nicht vorgeschrieben sind. Und für die übrigen Standorte fehlen die Mittel.“

Die Anwohner befürchten weiteren Kahlschlag, denn für den Herbst 2026 sind nach ihrem Kenntnisstand weitere Arbeiten an rund 300 Metern Uferbefestigung angekündigt. „Das wollen wir unbedingt verhindern“, sagt Pewesin, „und setzen uns vehement für eine Ufer-unterhaltung ein, die auch die Anforderung an den Naturschutz, Gewässerschutz und Klimaschutz am Havelufer sicherstellt.“ Sie laden deshalb am Donnerstag, 27. August, 19 Uhr, Politiker und Bürger ein, mit ihnen zum Thema „Wer gestaltet die Zukunft unseres Havelufers?“ zu diskutieren. Ort ist der  Joersfelder Segelclub, Marlenestraße 19. Interessierte sind willkommen.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.