Reinickendorf – Und plötzlich ist alles anders. Die Arche im Romanshorner Weg 113 ist geschlossen. Die rund 200 Mädchen und Jungen, die regelmäßig die Einrichtung besuchten, verlieren durch die Corona-Pandemie einen wichtigen Lebensmittelpunkt. Nun sind sie gezwungen, zu Hause zu bleiben. Doch das kann für einige von ihnen die Hölle bedeuten. Ununterbrochen in einer kleinen Wohnung, in der die Stimmung plötzlich kippen kann. Langeweile, Verzweiflung, Einsamkeit.
„Wir schicken unsere Kinder auf eine Weltreise und wissen nicht, ob sie heil zurückkommen“, sagt Bernd Siggelkow. In vielen Familien gäbe es keine Umarmung, kein liebes Wort. Doch der ehemalige Pastor, auf dessen Initiative die Arche 1995 in Hellersdorf und 2010 in Reinickendorf ins Leben gerufen wurde, will das nicht einfach so hinnehmen. Er versucht mit seinem Arche-Team, in dieser schwierigen Zeit so nah wie möglich an „seinen“ Kids und deren Familien zu sein.
So fahren Siggelkow und sein Team tagtäglich los, um Familien einerseits mit dem Nötigsten zu versorgen und andererseits mit eigenen Augen zu sehen, wie es den Kindern geht. Allein in Reinickendorf sind es rund 70 Familien, die Hilfe brauchen.
„Die ersten Tage waren besonders schlimm“, erinnert sich der engagierte Hellersdorfer. „Wenn wir vor der Tür standen und die Kinder uns um den Hals gefallen sind, durften wir die Umarmung nicht erwidern, sondern mussten ihnen sagen, dass sie uns nicht anfassen dürfen. Da sind auf beiden Seiten die Tränen geflossen.“
Ein Plan B auf digitaler Ebene wurde realisiert, um den Kindern nah zu sein: Über Chat- und WhatsApp-Gruppen für Kinder und Eltern können sich alle mit den Arche-Mitarbeitern austauschen. „Unsere virtuelle Arche hat nahezu rund um die Uhr geöffnet. Kinder können mich auch nachts erreichen, mein Handy ist immer an“, sagt der engagierte Archegründer.
Es gibt Tages- und Wochen-Challenges über Youtube, damit Familien in ihrem Zuhause zusammenwachsen. So sollen die Kinder zum Beispiel Fotos posten, wo sie zu Hause helfen – beim Abwasch oder beim Müll-Rausbringen. Eine andere Challenge ist das gemeinsame Kochen oder Kuchenbacken, für das notfalls die Lebensmittel oder Backformen geliefert werden.
Auch Hunger ist nun mehr denn je Thema vieler Familien – schließlich fehlt auch das Geld für die nötigsten Lebensmittel. „Die billigen Lebensmittel sind ausverkauft und die teureren können sich die Familien nicht leisten“, sagt Siggelkow. Auch hier greift die Arche den Familien unter die Arme, bringt Konserven, Klopapier, Windeln und andere notwendige Dinge zu ihnen.
Durch diese Besuche erhalten Arche-Mitarbeiter auch andere Einblicke in die persönlichen Lebenssituationen. Siggelkow ist sich sicher: „Nach der Krise müssen wir mehr tun, als die Kinder in der Arche willkommen zu heißen. So muss ich Möbel für einige Familien besorgen. Das kommt auf meine Liste für die Zeit nach Corona.“ Nun müsse erst einmal Priorität darauf gelenkt werden, dass Gewalt nicht eskaliere. „Für einige Kinder wäre es im Moment sicherer, allein durch einen dunklen Park zu laufen, als zu Hause zu sein“, sagt Siggelkow.
Die Coronakrise macht auch die Feierlichkeiten der Arche zunichte: In Marzahn-Hellersdorf feiert die Einrichtung in diesem Jahr 25. Geburtstag, in Reinickendorf war eine Feier zum zehnjährigen Bestehen am 29. Mai geplant. All das ist nun erst einmal auf Eis gelegt. Andere Dinge haben Vorrang.fle
Spenden können wochentags zwischen 10 und 16 Uhr im Büro am Romanshorner Weg abgegeben werden. Wichtig sind haltbare Lebensmittel, Klopapier und gebrauchte Smartphones, um mit den Kindern weiterhin kommunizieren zu können. Spenden speziell für die Arche in Reinickendorf gehen an: Die Arche, IBAN: DE13 1002 0500 0003 0301 06, BIC: BFSWDE33BER, Bank für Sozialwirtschaft





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