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Vorsicht! Glatt! Foto: hb

Berlin ist spiegelglatt, aber die Hauseigentümer streuen nicht

Tausalz-Allgemeinverfügung und kostenloser Split sollen Abhilfe schaffen

Die Berliner rutschen reihenweise auf den teils spiegelglatten Gehwegen aus und brechen sich die Knochen. Das ist nun auch dem Senat aufgefallen. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) hat vergangenen Freitag eine Allgemeinverfügung erlassen, die den Einsatz von Streusalz auf Gehwegen gestattet. Aus Umweltgründen ist Streusalz in Berlin verboten. Jetzt wird eine Ausnahme wegen extremer Glätte gemacht.

Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) eine entsprechende Gesetzesänderung auf X gefordert. „Wir erleben in Berlin extreme Wetterbedingungen – mit Eisregen und anhaltendem Frost. Ich appelliere an das Abgeordnetenhaus, den Einsatz von Tausalz in Berlin in Ausnahme möglich zu machen“, postete er.

Das kam nicht überall gut an. Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident, Hubert Aiwanger (Freie Wähler), schrieb auf Social Media: „Wenn das wirklich der Regierende Bürgermeister von Berlin geschrieben hat, dann ist das die totale Kapitulation. Berlin braucht einen Beschluss des Abgeordnetenhauses, um Salz streuen zu dürfen?“ Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki legte nach: „Ein Regierungschef, der über X um Mehrheiten für Selbstverständlichkeiten bettelt, ist politisch am Ende“.

Ob der Einsatz von Salz das Problem löst, ist indes fraglich. Denn die Gehweg sind oftmals gefährlich glatt, weil viele Eigentümer nicht streuen, wie es ihre Pflicht wäre. Der Berliner Grünen-Fraktionschef Werner Graf äußerte sich dazu wie folgt: Es sei bereits seit längerer Zeit klar, dass bestehenden Regelungen zum Winterdienst nicht funktionierten. „Wir haben bereits vor einem Monat gefordert, dass die Geh- und Radwege bei Schnee und Glatteis künftig zentral geräumt werden müssen.“

Der Naturschutzbund Nabu kündigte eine juristische Prüfung der Tausalz-Allgemeinverfügung an. Wegen seiner umweltschädlichen Wirkungen durfte bislang nur die Berliner Stadtreinigung (BSR) das Taumittel sparsam einsetzen. Denn es gefährdet das Trinkwasser, schädigt die Stadtbäume, verätzt die Pfoten von Haustieren und beschleunigt die Korrosion an Gebäuden.

Kostenloser Splitt bei der Stadtreinigung

Seit Samstag, 31. Januar, stellen zehn BSR-Reinigungshöfe samstags von 8 bis 13 Uhr und werktags von 8 bis 16 Uhr kostenlos Splitt für Privatpersonen zur Verfügung. Bis zu zehn Liter Streugut können Berliner, solange der Vorrat reicht, in eigenen Gefäßen an folgenden BSR-Höfen abholen.

  • Mühlenstraße 8
  • Ilsenburger Str. 29a
  • Lengeder Str. 6-18
  • Brunsbütteler Damm 43
  • Forckenbeckstraße 2
  • Kniprodestr. 62
  • Treffurter Straße 38-40
  • Nordring 5
  • Nobelstraße 59-61
  • Ostpreußendamm 1-2

Tipp: Auch Geschirrspülsalz oder Speisesalz darf ausnahmsweise verwendet werden.

Heidrun Berger

Seit Gründung des RAZ Verlags im Jahr 2015 bin ich Mitglied des Teams und heute Chefredakteurin für Reinickendorfer Allgemeine Zeitung und Weddinger Allgemeine Zeitung.