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Ein Reiter mit Führungsperson auf einem Reitplatz
Beim Reitturnier konnten sich die Vereinsmitglieder entspannen. Denn sie können vorerst auf ihrem Gelände bleiben. Foto: fle

Bezirksamt erleidet Schlappe vor Gericht

Kündigung des Pachtvertrages des Reitvereins war „handwerklich mangelhaft, politisch schlecht vorbereitet“

Tegel – Der Ländliche Reitverein Tegel (LRV Tegel) kann vorerst auf seinem Gelände am Waidmannsluster Damm 10 bleiben. Die außerordentliche Kündigung des Pachtvertrages durch das Bezirksamt wurde vom Gericht gekippt. „Die Kündigung ist aus Sicht des Gerichts nicht begründet und somit nicht wirksam“, sagt Sandra Ehlers, die Schatzmeisterin des kleinen Sportvereins, erleichtert.

Der Bezirk möchte ab 2027 auf dem Areal ein Förderzentrum mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ bauen (die RAZ berichtete). Und dafür müssen der Reitverein und sein Nachbar, der Campingplatz, das Gelände räumen.   

Zwar ist eine Schule an diesem Standort genehmigt, doch um dem Verein außerordentlich kündigen zu können (der Pachtvertrag läuft regulär bis Dezember 2027), müsste das Gelände, das derzeit noch als Sportfläche ausgewiesen ist, entwidmet und das Vergabeverfahren bereits erfolgt sein. „Beides ist noch nicht geschehen – und somit können wir erst einmal bleiben“, sagt Ehlers.

Eine außerordentliche Kündigung des Mietvertrages zwischen dem Bezirksamt und dem Verein wäre nur denkbar, wenn schon ein Bebauungsplan beschlossen wäre. Den gibt es allerdings nicht.

Auf Unverständnis stößt bei Ehlers, dass man nicht plante, den den Reitverein in den Schulstandort zu integrieren: „Die Fläche wäre ausreichend, würde man die Schule vom Platz her nicht so verschwenderisch planen – und sie vier- anstatt zweigeschossig bauen.“ Für ein Förderzentrum wäre therapeutisches Reiten ein sinnvolles Angebot. „Uns allen ist unverständlich, warum man nie über eine Kooperation mit uns nachgedacht hat. Es ging immer um ein Entweder-Oder.“  

Ehlers erklärt, dass sowohl der Bezirkssportbund als auch der Landessportbund eine Stellungnahme abgegeben haben, in der sie den Reitverein an diesem Standort befürworten. „Mit diesen Gremien stehen wir nun in intensivem Austausch.“ Auch die Politik äußert Unverständnis über das Vorgehen des Bezirksamtes. Sven Meyer (SPD) ist überzeugt, dass Schulneubau und inklusiver Reitsport kein Widerspruch sein müssen. „Der LRV Tegel ist weit mehr als nur ein Vereinsstandort“, sagt er. „Sein integratives Angebot macht diesen Standort für Berlin besonders wertvoll. Deshalb muss das Bezirksamt jetzt noch einmal ernsthaft nach einer gemeinsamen Lösung suchen.“

Kritisch bewertet Meyer zudem das bisherige Vorgehen des Bezirksamtes: „Das war in Teilen handwerklich mangelhaft und politisch nicht ausreichend vorbereitet. Dass das in einer gerichtlichen Niederlage mündete, zeigt, dass hier zu früh auf Konfrontation statt auf Kooperation gesetzt wurde.“ 

Die Frist für eine außerordentliche Kündigung zum 31. Dezember 2026 läuft am 30. Juni ab. Wenn der Bezirk bis dahin nicht kündigt, läuft der Vertrag mindestens bis Ende 2027, denn der Vertrag verlängert sich ohne Kündigung jährlich. „Somit haben wir nun bis Ende 2027 erst einmal Ruhe“, sagt Ehrlers. Doch ohne die Gewissheit, dass der kleine Verein auf dem Gelände bleiben kann, kann er nicht in die Zukunft planen. Er kann die Reithalle  nicht renovieren,  keine neuen Pferde anschaffen und einen Ersatzstandort wird er im Umkreis auch nicht finden. „Wenn wir dieses Areal letztendlich doch verlassen müssen, ist unser Verein Geschichte.“ 

Der Reitverein ist am 4. Juli beim Familiensportfest des Bezirkssportbundes unter dem Motto „Sport für Alle – Mit Herz für Inklusion“ mit dabei. An diesem Tag präsentieren sich von 11 bis 17 Uhr auf der Sportanlage Reginhardstraße 169 Sportvereine und -verbände mit inklusiven Sportangeboten, die zu Spiel-, Sport- und Bewegungsangebote kostenfrei einladen. 

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.