Reinickendorf – Die Ollenhauerstraße soll ab 2027 zwischen Scharnweber- und Tessenowstraße vier Jahre lang umgebaut werden – mit weitreichenden Änderungen der Wegeführung. Kostenpunkt: 19,5 Millionen Euro. Der Mittelstreifen soll verschmälert sowie die Fahrspuren und die Hochbordradwege versetzt werden. Um das zu realisieren, müssen im Vorfeld 116 Bäume gefällt werden – und das bereits im Oktober.
Am 23. Januar lud die Initiative Ollenhauerstraße zu einer Informationsveranstaltung ins Stadtteilzentrum Ribbeck-Haus unter dem Motto: „Kahlschlag aller 116 Bäume für Luxus-Straßen-Neubau? Nicht mit uns!“ Mit dabei waren auch Vertreter vom BUND Berlin e.V., dem Netzwerk fahrradfreundliches Reinickendorf, des Vereins Changing Cities, des ADFC Reinickendorf und der BaumEntscheid Berlin e.V.
„Uns ärgert, dass im Bezirksamt Reinickendorf schon wieder – nach dem Streit um den Neubau der Senheimer Straße in Frohnau – Bäume als Kann-Weg-Verfügungsmasse gesehen werden, um grundsätzliche Umgestaltungen des Straßenraums vorzunehmen“, sagt Initiator Thomas Rost. „Die Bäume in der Ollenhauerstraße sind knapp 50 Jahre alt. Sie sind für den Klima- und Hitzeschutz notwendig.“
Mathias Adelhoefer, Sprecher des Netzwerks Fahrradfreundliches Reinickendorf, erklärt: „Heutzutage fährt nur noch eine Minderheit, nämlich 22 Prozent, mit dem Auto, sodass der Platzbedarf für die anderen Verkehrsarten – insbesondere für den Radverkehr – steigt.“ Hochbordradwege gehören für ihn der Vergangenheit an, weil sie für Radfahrende unsicher sind. „Aber nicht nur die Hochbordradwege, sondern die gesamte Planung gehört überdacht.“ In weiten Abschnitten der Ollenhauerstraße sei bereits eine sehr gute Alternative als Modell für den gesamten Straßenzug verwirklicht worden, bei der sowohl der Radverkehr sicherer geführt würde, als in den Plänen vorgesehen. Außerdem könnten alle 116 Bäume erhalten werden. Jan Rössler vom BaumEntscheid e.V. fügt hinzu: „Das Abgeordnetenhaus hat im vergangenen November ein Berliner Klimaanpassungsgesetz beschlossen, dass nicht nur den Straßenbaumbestand zur Kühlung der Stadt in Hitzeperioden kräftig ausbaut. Das Gesetz zielt auch darauf ab, Bäume zu erhalten“, sagt er. Die Fällung ausgewachsener, Schatten spendender Bäume sei das falsche Signal. „Was es braucht, ist ein Fällmoratorium, um überaltete Planungen rechtskonform zur neuen Gesetzeslage auszugestalten“, sagt er.
Die Initiative fordert nun einen Aufschub des Straßenneubaus, um bei einer Umplanung alle gesunden Bäume zu erhalten, neue zu pflanzen, einen Hitzeschutz für Fußgänger und Radler zu gewährleisten und eine mögliche zweigleisige Straßenbahntrasse einzubeziehen. Die Grünen haben bereits einen Antrag auf ein Moratorium hinsichtlich der Baumfällungen und Umsetzung der bisherigen Planung eingebracht, der nun die Runde durch die Ausschüsse macht. Auch die SPD hat Anträge zum Baum-Edit eingebracht.
Thomas Rost hat eine Petition ins Leben gerufen, „um politischen Druck aufbauen, damit das Bezirksamt zu einer Umplanung bereit ist.“ Sie wurde bereits von mehr als 2.000 Menschen unterschrieben: Hier ist sie zu finden: www.openpetition.de/petition/online/berlin-reinickendorf-ollenhauerstrasse-kahlschlag-aller-116-strassenbaeume-fuer-luxus-strassen-neubau?





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