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Ein Mann mit Mitarbeitern auf einem Schiff
Raeder mit Crewmitgliedern auf dem Kreuzfahrtschiff Foto: privat

Das Kriegsgeschehen hautnah gespürt

Der Bezirksverordnete Norbert Raeder steckte auf dem Kreuzfahrtschiff vor Abu Dhabi fest

Reinickendorf/Bezirk – Es sollte eine Traumreise werden, doch die wurde zum Albtraum: Norbert Raeder, Bezirksverordneter und Wirt des Füchse-Wäldchens, buchte eine Kreuzfahrt auf der „Mein Schiff 4“ und wollte von Abu Dhabi aus durch den Persischen Golf fahren. „Auf andere Gedanken kommen und etwas ausspannen“, war sein Wunsch. Doch daraus wurde nichts. Denn plötzlich befand er sich mitten in einer der größten Krisen der Welt. 

„Wir wären eigentlich jetzt in Dubai, aber daraus wird nichts“, schrieb er per WhatsApp am 1. März. „Alle Außenbereiche sind gesperrt und wir können nicht runter vom Schiff. US-Basis unter Beschuss. Raketen schlagen in der Nähe ein. Wir stehen zurzeit laut Aussage des Kapitäns unter US-Raketen-Abwehrschutz. Keine Rückflüge möglich. Erholung sieht anders aus. Aber der Hafen brennt glücklicherweise nicht mehr.“ Das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ lag wegen Explosionen in der Nähe in Abu Dhabi fest – mit 900 Crewmitglieder und rund 2.500 Passagieren – darunter auch Norbert Raeder. 

Doch so groß die Angst und Ungewissheit auch war, so beeindruckt war er von der Crew an Bord: „Das ganze Personal sorgte durch ihre tolle und ruhige Arbeit für Entspannung. Was sie – trotz ihrer eigenen Ängste oder Besorgnisse leisteten, ist echt unfassbar“, sagt er.  

Eine Woche später, am 7. März, landete er ermüdet, erschöpft und erleichtert auf dem Frankfurter Flughafen. Doch bis dahin hatten er und andere Kreuzfahrtreisende noch eine 45-stündige strapaziöse Reise zurückzulegen: „Das Schiffsteam mobilisierte eine Fluchtroute mit Bussen von Abu Dhabi in den Oman“, erinnert er sich. „Zwölf Reisebusse für rund 550 Menschen standen bereit – und sie setzten sich zielstrebig in Bewegung.“

Am Grenzübergang dauerte es mehr als fünf Stunden, doch dann setzte sich der Konvoi wieder in Bewegung – bis zum Flughafen in Maskat“, sagt er. Großes Aufatmen bei allen, als der Flieger in Richtung Frankfurt abhob. „Ich bin sehr erleichtert. Unsere Heimat hat uns wieder – und meine nächste Reise werde ich in der Nähe planen, vielleicht nach Norderney oder nach Rügen.“

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.