RAZ – Das Leitmedium für Reinickendorf.

Ein Mann in einem Geschäft
Frieder Söling, NochMall-Geschäftsführer seit der Gründung. Foto: du

Das Mallen ist des Müllers Lust

Fünf Jahre NochMall statt Müll – Stehrümli und Staubeinchen wird ein zweites Leben geschenkt

Bezirk – Anfang August feierte die NochMall als Gebrauchtwaren-Kaufhaus der Berliner Stadtreinigung ihr fünfjähriges Bestehen. Eine Foto-Gelegenheit, die sich auch lokale Prominenz wie Bezirksbürgermeisterin und Ordnungs-Stadträtin nicht entgehen ließen.

Selbstredend präsentierte sich der Fuchsbezirk aber nicht nur mit fotogenen Würden-Trägerinnen, sondern auch mit eigenen Aktiv-Beiträgen: So warben Kerstin Hanke von der bezirklichen Wirtschaftsförderung sowie Jane Krüger, die Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik (KePol), mit einem Stand für fairen Handel. Interessierte konnten sich hier über zertifizierte Produkte sowie deren Herkunft schlau machen. 

Immerhin trägt Reinickendorf seit 2024 den Titel „Fairtrade Town“ und setzt sich für Aufklärung über fair gehandelte Produkte ein. So erfuhr man, dass in einem ersten Schritt alle Gastronomie-Betriebe zertifiziert werden, die mindestens zwei Fairtrade Produkte im Sortiment haben. Dazu gehören schon mal das Café in der NochMall selbst sowie die „üblichen Gute-Tat-Verdächtigen“, wie beispielsweise die Bäckerei/Konditorei Laufer, Norbert Raeders Füchse-Wäldchen Club Lounge, alle Steinecke-Brotmeistereien sowie alle Tchibo-Filialen, um hier nur einige wenige aus der langen Liste zu benennen. „Das Engagement der Verwaltung“ so Hanke „vernetzt sich mit Zivilgesellschaft, Schulen, Kirchen und Unternehmen.“ Eine gute Gelegenheit, vielleicht auch mal das eigene Müllvermeidungs-Verhalten zu hinterfragen. 

Zur Erinnerung: Das BSR-Gebrauchtwaren-Kaufhaus wurde im Pandemie-August 2020 in der Filiale eines ehemaligen Baumarkts zwischen Ollenhauer und Auguste- Viktoria-Allee eröffnet. Fortan konnten und können Interessierte auf mehr als 2000 Quadratmetern in zwei Geschossen Verkaufsfläche aus einem Sortiment von rund 30.000 Artikeln – von der Stehlampe über Möbel bis hin zu Spielsachen wählen.

Aber wie gelangen die Objekte in die Regale? Gut erhaltene Gebrauchtgegenstände können direkt in der „NochMall“ abgegeben werden oder werden auf drei Berliner Recyclinghöfen, beispielsweise in der Lengeder Straße, gesammelt. 

Doch das Spektrum dieses Recycling-Marktes reicht über gut erhaltene Gegenstände weit hinaus: So haben die NochMaller diverse Angebote mit Kooperationspartnern erprobt. 

Immer wieder geht es darum, Produkte länger im Kreislauf zu halten, Ressourcen zu schonen und somit das Klima zu schützen. Dafür erhalten Kunden Gelegenheit, an diversen Workshops und Reparatur Cafés rund um das Thema Kreislaufwirtschaft teilzunehmen. Die Steuerungsgruppe, die bisher den Fairtrade-Town-Prozess im Bezirk betreut, richtet ihren Blick nun breiter auf die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030.

Neben fairen Handelsbeziehungen werden künftig auch Themen wie globale Gerechtigkeit, Ressourcenschonung und regionale Kreislaufwirtschaft angepackt. Engagierte Bürger, Initiativen, Vereine, Bildungseinrichtungen und Unternehmen sind herzlich eingeladen, sich dort einzubringen. Ein pralles Programm für mindestens fünf weitere Jahre.

Harald Dudel