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Ein Plakat mit Filmfotos
In Edgar-Wallace-Filmen war Kinski Stammgast. Foto: Goldmann_Wallace Filme

Der Wahnsinnige des deutschen Films

Klaus Kinski und der Skandal um die Akten der Bonhoeffer-Klinik

In der Bundesrepublik war Klaus Kinski mehr als ein Schauspieler, er war ein Medienphänomen. Vor 100 Jahren kam Klaus Günter Karl Nakszynski am 18. Oktober 1926 im Städtchen Zoppot bei Danzig zur Welt. Wenige Jahre später zog die Familie nach Berlin. Im Zweiten Weltkrieg geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, wo er das Theaterspielen für sich entdeckte. 

Schon zu Beginn seiner Filmkarriere gab er den Wahnsinnigen: In dem aufwendigen Kostümfilm „Ludwig II. – Glanz und Ende eine Königs“ von 1955 stellte er Otto I., den psychisch kranken Bruder Ludwigs dar. In den Sechziger Jahren glänzte er dann in einigen der ungemein erfolgreichen Edgar–Wallace-Streifen als gefährlicher Bösewicht – unter anderem in „Die toten Augen von London“, „Die seltsame Gräfin“ oder „Das indische Tuch“. Über die farbigen Karl-May-Filme landete er beim Italo-Western – so in „Für ein paar Dollar mehr“ an der Seite von Clint Eastwood. 

Es folgten so viele weitere italienische Produktionen, dass er für eine Zeit nach Rom zog. Aber auch im Hollywood-Klassiker „Dr. Schiwago“ von 1965 war er zu sehen. Vor Live-Publikum machte er mit der Lesung „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ Furore. Legendär war der Tumult, den Kinski mit seiner „Jesus Christus Erlöser“-Performance von 1971 in der Berliner Deutschlandhalle durch sein aggressives Verhalten dem Publikum gegenüber auslöste. Als er sich einmal über störende Zuschauer erboste, sagte er: „Jemand, der eine Show macht, ist der Boss.“ 

Der Regisseur Werner Herzog inszenierte Kinski mit großem Erfolg in exzentrischen Hauptrollen – in „Fitzcarraldo“ etwa lässt der Protagonist ein Opernhaus im Urwald errichten. Bei seinem letzten Film „Kinski Paganini“ führte der Star selbst Regie. Noch nach seinem Tod am 23. November 1991 machte -Kins-ki Schlagzeilen, vor allem als 2008 eine Patientenakte von ihm veröffentlicht wurde. Der Vivantes-Konzern hatte dem Berliner Landesarchiv 90.000 historische Dokumente überlassen, die bis 1960 reichten. Darunter war auch jene Akte über Kinskis dreitägigen Aufenthalt in der Karl-Bonhoeffer-Klinik im Jahr 1950, die damals noch Wittenauer Heilstätten hieß. Die Zeitungen schrieben über eine Attacke auf eine Ärztin. Gegen die Veröffentlichung klagte seine Witwe Minhoi Loanic. Ihr Anwalt damals war der heute als Schriftsteller bekannte Ferdinand von Schirach. Das Gericht gab ihr recht und die Krankenakte darf nur noch mit Zustimmung seines Sohnes Nikolai eingesehen werden.

Als Enfant terrible war er ein gern gesehener Gast in Talkshows, denn mit ihm versprach es immer, spannend zu werden. Weit kritischer muss man „das Phänomen Kinski“ spätestens nach Erscheinen der Autobiographie seiner Tochter Pola sehen, in der sie über sexuellen Missbrauch durch ihren Vater berichtet. Ebenso wie ihre Halbgeschwister Nikolai und Nasta-ssja ist auch sie Schauspielerin geworden. Klaus Kinskis Tod kommentierte Werner Herzog so: „1991 starb er dann in seinem Haus nördlich von San Francisco. Er hatte sich vergeudet. Es war, als wäre er verglüht.“

Boris Dammer