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Unterricht im Vorgarten der Familie Horn Foto: kbm

Deutschstunde im Hermsdorfer Vorgarten

Hermsdorf – Das Kriegsleid der Menschen in der Ukraine beschäftigt uns alle. Die Älteren unter uns haben noch Erinnerungen an nächtliche Ausgangssperren, Verdunkelungen, Luftschutzkeller, ausgebombte Wohnungen und Flucht aus der Heimat, die sie an ihre Familien weitergeben. Trotzdem ist das Schicksal der jetzt aus der Ukraine flüchtenden Menschen, die Familienmitglieder zurücklassen – meist Männer und Väter –, kaum vorstellbar.

Nicht jeder kann eine Familie aufnehmen, aber es gibt auch andere Hilfsmöglichkeiten neben Sach- und Geldspenden: Die pensionierte Hermsdorfer Lehrerin Angelika Horn hatte die spontane Idee, Deutsch-Unterricht anzubieten. Schon am nächsten Tag brachten deutsche Gastmütter ihre Gäste, Kinder und auch deren Mütter. Spontan wurde der Vorgarten mit Tafel und Gartenmöbel in ein Open-Air-Klassenzimmer umgewandelt. Der Ehemann verteilt als Assistent Unterrichtsmaterial, Kekse und Getränke. Die Idee sprach sich wie ein Lauffeuer herum und die Nachfrage ist schon so groß, dass Gruppen geteilt werden müssen – denn die ideale Gruppengröße endet bei 12 Personen. In den ersten Tagen hat die März-Sonne in der Mittagszeit Freiluft-Unterricht ermöglicht, aber was ist bei ungemütlicher Witterung?

Da kam der Hinweis an die RAZ für Flüchtlingshilfe aus der Nachbarschaft gerade recht, wonach die zwei Straßen entfernte Jugendherberge wenig ausgelastet sei. Sozialstadträtin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) besuchte nach dem RAZ-Hinweis kurzfristig diese Unterkunft und nahm sie nach einer Führung durch den Hausleiter Thomas Kons in ihr Prüfprogramm für Flüchtlingshilfe auf.

Bei einer möglichen Belegung durch Schulklassen wären die Gäste erfahrungsgemäß ganztägig in der Stadt unterwegs, sodass der großzügige Gemeinschafts-Aufenthaltsraum sporadisch für witterungsunabhängigen Deutsch-Unterricht genutzt werden könnte. Eine wunderbare Idee, die dank der Vermittlung von Sozialstadträtin Emine Demirbüken-Wegner und dem Einverständnis von Hausleiter Thomas Kons sehr schnell umgesetzt werden kann. Seit 28. März können die Räume genutzt und mit dem Unterricht am Fliesstal losgelegt werden, unabhängig von Witterungseinflüssen. Frei nach (dem auch in Hermsdorf lebenden) Erich Kästner im „Fliegendem Klassenzimmer: Die Schule wird zum Erlebnisort“. kbm

In der Eingangshalle der Jugendherberge: Sozialstadträtin Emine Demirbüken-Wegner mit Leiter Thomas Kons Foto: kbm

Inka Thaysen

Ursprünglich beim Radio journalistisch ausgebildet, bin ich seit Ende 2018 für den RAZ Verlag tätig: mit redaktionellen sowie projektkoordinativen Aufgaben für print, online, Social Media und den PR-Bereich.