Vor 100 Jahren am Heiligabend des Jahres 1925 verstarb der Architekt Hugo Schneider – Fachmann für Sakralbauten. Eines seiner Werke ist die Herz Jesu Kirche in Tegel, deren Einweihung sich im Mai des vergangenen Jahres zum 120. Mal jährte.
Der 1841 in Kassel zur Welt gekommene Hugo Schneider hatte an der dortigen Polytechnischen sein Studium aufgenommen. Einer seiner Lehrer war der Architekt mit dem klingenden Namen Georg Gottlob Ungewitter, der früh an der architektonischen Auferstehung der Gotik hierzulande mitgewirkt hat. Ein Paradebeispiel für die Neugotik ist die Heimat des britischen Parlaments im Londoner Westminster-Palast. Auch ein weiterer Experte dieses Baustils, Friedrich von Schmidt, der das Wiener Rathaus am Ring entworfen hatte, war ein Lehrmeister Hugo Schneiders. In London arbeitete Schneider unter Sir Gilbert Scott, von dem das ikonische Albert Memorial am Hyde Park stammt.
Direkt nach seiner Ausbildung konnte der junge Maler und Architekt an Deutschlands bedeutendstem Kirchenbau mitwirken, als er eine Stellung an der Dombauhütte in Köln antrat. Zwei Jahrzehnte später gehörte er zu den Siegern eines 1886 ins Leben gerufenen Wettbewerbs, der ihm die Ehre einbrachte, vier Bronzetüren der West- und Südseite des Kölner Doms gestalten zu dürfen. An der Neuausstattung des Altarraums im Aachener Dom hat Schneider ebenfalls mitgewirkt. Als Professor an der Akademie in Kassel konnte er seine Kenntnisse über das Bauwesen an seine Studenten weitergeben. Zahlreiche seiner Skizzen von einer Studienreise nach Italien, die sich im Besitz der mhk – Museumslandschaft Hessen Kassel – befinden, belegen seine Begeisterung fürs architektonische Detail.
Der 1898 gegründete „Katholische Verein Tegel“ konnte sich glücklich schätzen, diesen erfahrenen Baumeister für sein Projekt eines Kirchenbaus zu gewinnen. Die erste heilige Messe musste 1897 noch in der Wohnung eines Volksschullehrers abgehalten werden. Zwischenzeitlich wurde sie sogar in einem Tanzsaal des „Dorfkrugs“ zelebriert, was der Poet des eigens für die Grundsteinlegung im August 1904 verfassten Gedichts ironisch aufgriff: „Dann wird auch der Hohn verstummen – der uns hier entgegen hallt, wo zum Tanz die Bässe brummen – Bachus mit dem Pfropfen knallt.“
Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude relativ unbeschadet. Die Fenster waren jedoch nicht mehr zu retten und erstrahlten ab 1958 in neuem Glanz durch farbintensive Entwürfe von Ludwig Peter Kowalski, der auch die Glasfront im Hauptfoyer des Schiller-Theaters schuf.
Im Januar 2011 zerstörte ein Brand die Weihnachtskrippe, hinterließ aber keine Schäden am Mauerwerk. Dennoch war das Gotteshaus durch die erforderliche Renovierung über ein halbes Jahr nicht mehr nutzbar, da „der gesamte Kirchenraum bei der Löschaktion in Mitleidenschaft geraten ist“.
Das bereits zitierte Gedicht endet mit den tröstlichen Zeilen: „Große Freude soll uns werden – Gottes Sohn kehrt bei uns ein! Seine Wohnung soll auf Erden – die ,Herz-Jesu-Kirche‘ sein.“






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