RAZ – Das Leitmedium für Reinickendorf.

zwei Frauen halten Plakate und Flyer hoch
Foto: fle

Ein großes Herz für Kids im Kiez

Audrey und Madlyn rufen Pop-up-Aktion „Kinderkleidung für alle“ ins Leben

Märkisches Viertel – Ein wenig stolz, ein breites Lächeln im Gesicht und das selbst gestaltete Logo in der Hand, stehen Audrey Jim-Onougou und Madlyn Marzahn vor der Viertelbox auf dem Stadtplatz am Wilhelmsruher Damm. Diese wird ab 2. März für die Pop-up-Aktion „Kinderkleidung für alle“ einen ganzen Monat lang geöffnet.  

Unter dem Motto „Herz im Kiez“ werden Second-Hand-Hosen, -Shirts, -Schuhe und mehr für Mädchen und Jungen kostenlos angeboten – um einerseits nachhaltig mit Kleidung umzugehen und andererseits mit der passenden Kleidung die Kinder zu bestücken, deren Familien es selbst nicht können.

Die beiden Frauen lernten sich früh kennen und drückten gemeinsam auf der Johannes-Lindhorst-Schule die Schulbank. Mittlerweile wohnen beide im Märkischen Viertel und haben selbst Kinder. „Und wir sehen tagtäglich im Kiez und auch in unserem Umfeld, dass der Bedarf vor allem an Kinderkleidung groß ist“, sagt die 35-jährige Madlyn. „Es fällt uns auf, dass viele Kinder nicht der Witterung entsprechend bekleidet sind. Einige Familien haben eben nicht das Geld, um am Ende des Monats Winterschuhe zu kaufen oder eine warme Jacke.“ Dabei seien Bürgergeldempfänger ebenso betroffen wie berufstätige Menschen. „Es ist halt so, dass das Geld oft nicht reicht, denn alles wird teurer“, fügt Audrey hinzu. 

Die beiden Frauen legen den Fokus auch auf Nachhaltigkeit: Denn andere wiederum hätten die Keller und Schränke voller Kinderkleidung, die nicht mehr passt und aussortiert wurde. „Auch wir haben Kinderkleidung, die nicht mehr passt. Warum also nicht eine Plattform schaffen, wo Kleidung hingebracht und neu verteilt werden kann?“, sagt Madlyn.

Und so wurden die beiden Frauen vor acht Monaten aktiv: Audrey schrieb ein Konzept für ihr Projekt – und brachte damit den Stein ins Rollen: Denn das Konzept landete auf dem Schreibtisch von Sarah Krüger, Mitarbeiterin bei „BENN – Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“ im MV. Es handelt sich dabei um ein Programm des Senats. 

Stempeln in der Viertelbox

„Wir haben uns sehr gefreut, dass eine solch tolle Idee in der Nachbarschaft entstanden ist und waren sofort bereit, die beiden Frauen zu unterstützen“, sagt Krüger. Sie holte in einem Gespräch die Gesobau mit ihrem Sozial- und Quartiersmanagement und das FACE Familienzentrum mit ins Boot – und „Herz im Kiez“ nahm Gestalt an. Die Gesobau unterstützt das Projekt nicht nur finanziell, sondern stellt auch die Viertelbox einen Monat lang kostenlos zur Verfügung. Weitere Unterstützung kommt von BENN, vom Stadtteilzentrum im Ribbeck-Haus und dem Bezirksamt.

Mittlerweile haben Audrey und Madlyn ein 20-köpfiges Team hinter sich, das sie unterstützt. Nach einem Aufruf, dass Kleidung benötigt wird, kamen Kinderkleider-Spenden aus ganz Berlin, dem Umland und sogar aus Bayern. „Das Ribbeck-Haus stellte uns an vier Tagen Räume zur Verfügung, um Spenden entgegenzunehmen“, sagt Madlyn. „Und was dort ankam, war wirklich überwältigend.“ Alles wurde gesichtet, sortiert, gewaschen und zusammengelegt. Ab 2. März „warten“ nun mehr als 1.500 Hosen, rund 550 Jacken, 800 T-Shirts, 700 Pullis, 250 Paar Schuhe, Sportsachen, Schals, Mützen darauf, angezogen und getragen zu werden. 

Damit die Verteilung gerecht zugeht, erhält jeder Besucher eine Stempelkarte mit einem Punktekontingent, das er gegen Kleidung einlösen kann. „Mir geht wirklich das Herz auf, dass dieses Projekt so großartig geworden ist und nun realisiert werden kann, weil sich so viele Menschen engagieren“, sagt Madlyn.  

Die Viertelbox auf dem Stadtplatz ist vom 2. bis 31. März montags und mittwochs von 9 bis 14 Uhr, dienstags und donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Mehr auf Instagram unter @herzimkiez

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.