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Eingang U8 Rathaus Reinickendorf: Der Zugang ist offen, aber die Sanierung des Eingangsgebäudes beginnt erst jetzt. Foto: fle

Fahrgäste und Geschäftsleute sind genervt

Bauarbeiten an den U-Bahnlinien U8 und U6 dauern viel länger als geplant und forden weiter Geduld

Tegel/Reinickendorf – Eingerüstete U-Bahneingänge, Zäune und Vollsperrungen: Bei den U-Bahnlinien U8 und U6 dauern die Bauarbeiten viel länger als geplant – nicht Wochen oder Monate, sondern Jahre länger. Das macht vor allem den Geschäftsleuten Probleme, die von den Baumaßnahmen unmittelbar betroffen sind. Aber auch die Fahrgäste sind genervt. Denn Umwege und Schienenersatzverkehr gehören zum Alltag.

Eine der Problem-Linien ist die U-Bahnlinie U6. Die Bauarbeiten dauern viel länger als ursprünglich geplant. Die nördliche Strecke der U6 wird unter Vollsperrung saniert, und seit November 2022 rollen die Schienenersatzbusse über die Berliner, Seidel- und Scharnweberstraße von Tegel bis zum „Kutschi“. Der Bahnhof ist eingerüstet und großräumig abgesperrt.

Eigentlich sollten die Bauarbeiten im Mai 2025 beendet sein, doch die Maßnahmen verzögern sich. Man darf nicht vergessen: Die Sanierung des nördlichen Abschnitts der U6 zwischen Alt-Tegel und Kurt-Schumacher-Platz, umfasst eine grundlegende Erneuerung der rund drei Kilometer langen Dammstrecke, die über 60 Jahre in Betrieb war. Darüber hinaus wurden während der laufenden Baumaßnahmen an den alten Betonbauwerken neue Schadensbilder festgestellt, die zusätzliche Sanierungsarbeiten erforderlich machen. 

Diese Faktoren, zusammen mit der angespannten Marktsituation und längeren Materiallieferzeiten, führen zu dieser erheblich längeren Bauzeit. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass die Strecke zwischen Tegel und Kutschi im zweiten Halbjahr 2026 wieder freigegeben werden kann. 

Geduldig müssen auch die Geschäftsleute entlang der U-Bahnlinie U8 sein, denn die Bauarbeiten an den U-Bahnhöfen Franz-Neumann-Platz und Residenzstraße verlängern sich immer wieder. Der Ärger ist groß – vor allem bei den Ladeninhabern. Denn seitdem die Zugänge geschlossen sind, bleiben viele Kunden aus. Fahrgäste steigen notgedrungen woanders aus der U-Bahn, suchen sich neue Wege oder nehmen die S-Bahn. Eins ist für jeden klar: Es ist eine bauliche Herausforderung, einen U-Bahnhof nachträglich mit einem Aufzug auszustatten – und bei teils über 120 Jahre alten und denkmalgeschützten Bahnhöfen ist es zudem schwer vorherzusehen, welche Herausforderungen sich beim Öffnen der Wände und Tunneldecken ergeben.

Kabelsalat: Der Eingang zur U-Bahn vom Franz-Neumann-Platz ist zwar offen, aber an der Decke hängen die Kabel alle offen. Das Verkleiden der Decke soll erst 2027 beginnen.  Foto: fle

Die Sperrungen und Umbaumaßnahmen zu barrierefreien U-Bahnhöfen haben im Februar 2021 begonnen und sollten im zweiten Quartal 2022 abgeschlossen sein. Ein Ende der Bauarbeiten wurde immer wieder nach hinten verschoben.  Nun heißt es seitens der BVG, dass die Fertigstellung des U-Bahnhofs Residenzstraße für Mitte 2026 geplant ist. 

Am Franz-Neumann-Platz ist die U-Bahn zwar über die Eingänge erreichbar, aber trotzdem ist noch nicht alles fertig. So ziehen sich hunderte Kabel offen die Decke entlang. Die Bauarbeiten für das Schließen der Decke wird voraussichtlich erst Anfang 2027 beginnen. „Bleibt zu hoffen, dass da Jugendliche nicht dran ziehen oder Kabel zerstören“, sagt eine Passantin.

Auch der hintere Zugang zum U-Bahnhof Rathaus Reinickendorf in der Straße Am Nordgraben ist wieder geöffnet, doch ist das Gebäude noch immer eine Baustelle: Bei der Baumaßnahme handelt es sich um die Komplettsanierung des Eingangsgebäudes. Die Bauarbeiten starten in wenigen Wochen und sollen noch 2026 beendet sein. Auch eine Dachsanierung ist Bestandteil des Maßnahmepakets. Vor Beginn dieser Teilmaßnahme muss zunächst das Oberlicht durch eine Stahl-Glas-Konstruktion ersetzt werden – deshalb sind dort bereits Bauwände zu sehen.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.