Ein Mann lehnt in der offenen Tür einer Bäckerei. Im Hintergrund ist ein Tresen mit Backwaren zu sehen.
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Geschäfte kämpfen ums Überleben

Bauarbeiten entlang der U-Bahnlinie 8 verzögern sich noch bis Ende 2025

Reinickendorf/Wittenau – „U-Bahnhof Residenzstraße: Jetzt geht es los mit dem Umbau“, war am 10. Februar 2021 im Tagesspiegel zu lesen. Alle Berliner U-Bahnhöfe sollen endlich barrierefrei werden – darunter auch die Bahnhöfe im Fuchsbezirk. Damals nannte die BVG das 4. Quartal 2022 als Fertigstellungstermin. Das ist nun lange her. Die beiden Eingänge des U-Bahnhofs Residenzstraße an der Emmentaler Straße sind gesperrt – seit nunmehr drei Jahren. Und das Datum der Wiedereröffnung wurde immer wieder verschoben. Von den Verzögerungen erfuhren Anwohner und Geschäftsleute nur durch einen kleines Plastikschild, montiert am Bauzaun. Bauarbeiter sahen sie so gut wie nie. Auf Nachfrage bei der BVG-Pressestelle heißt es nun: Fertigstellung Ende 2025. 

Leidtragende sind vor allem Geschäftsleute. Seitdem die Zugänge geschlossen sind, bleiben viele Kunden aus. Die Einbußen sind riesig, und jeder weitere Monat der Bauverzögerung schmerzt in der Kasse. So auch im Back-Corner an der Ecke Resi/Emmentaler Straße. „Der geschlossene Zugang ist schlimm für uns“, sagt Inhaber Mehmet Ali Günes (Foto). „Die Schüler der umliegenden Schulen wie Friedrich-Engels- oder Bertha-von-Suttner-Gymnasium, die bei uns einkauften, nehmen nun notgedrungen andere Wege.“ Er habe Einbußen von 20 Prozent. „Aber unsere Ausgaben bleiben, vieles ist sogar teurer geworden“, sagt er.

Auch die gegenüberliegende Neue Apotheke an der Residenzstraße 137 hat mit der Situation zu kämpfen. Sie feiert Ende dieses Jahres 30-jähriges Bestehen, hat Höhen und Tiefen erlebt und immer noch mit den Corona-Folgen zu tun. Doch die U-Bahn-Baustelle treibt die Probleme auf die Spitze. Vor allem die Laufkundschaft ist existenziell, die im Vorbeigehen Kopfschmerztabletten oder Nasentropfen kauft. 

„Ich musste zwei Mitarbeiter entlassen, ich war monatelang fast zahlungsunfähig“, klagt Inhaberin Carola Reckter. Eine weitere Mitarbeiterin habe selbst gekündigt, da sie nur über Umwege zu ihrem Arbeitsplatz kommt. Bei der BVG jemanden zu erreichen und an brauchbare Informationen zu kommen, sei nahezu unmöglich gewesen. Auch ein Anruf bei der Bezirksbürgermeisterin verlief ins Leere. „Dort hat man mich leider schon im Büro abgewimmelt.“

BVG-Pressereferent Nils Kremmin erläutert die Herausforderungen bei der Berliner U-Bahn, deren Bahnhöfe teils über 100 Jahre alt sind: „Die Sanierungsarbeiten an denkmalgeschützten Bauwerken wie die meisten unserer U-Bahnhöfe sind eine große Herausforderung und im Vorfeld nie exakt planbar“, sagt er. „Gerade, weil die einzelnen Sanierungsschritte mit den entsprechenden Behörden abgestimmt und dann europaweit ausgeschrieben und vergeben werden müssen.“

Zugang verrammelt. Das wird sich am U-Bahnhof Residenzstraße so schnell nicht ändern. Foto: fle

Zwei separate Aufzüge werden am U-Bahnhof Residenzstraße im Bereich der südlichen Verteilerhalle eingebaut. „Um dies zu realisieren, mussten die vorhandenen festen Treppen sowie eine Fahrtreppe komplett ausgebaut und die Treppenhäuser in den Rohbauzustand zurückversetzt werden. Zuvor liefen dazu die entsprechenden baustatischen Untersuchungen und Rohbauarbeiten“, erklärt er. Ebenfalls zum Instandsetzungsprogramm gehören neue Bodenfliesen im kompletten Bahnhofsbereich und die Sanierung der südlichen Zugangstreppen. 

„Derzeit arbeiten sieben Fachgewerke parallel auf diesem U-Bahnhof. Aktuell zum Beispiel Tag und Nacht an der Bahnsteigsanierung, um das jeweils enge Zeitfenster der halbseitigen Sperrung zu nutzen. Nach aktueller Planung sollen die Aufzüge Ende 2025 in Betrieb gehen. Die Zugänge werden je nach baulicher sowie betrieblicher Möglichkeit bereits vorher wieder für Fahrgäste geöffnet“, fügt er hinzu.

Die größte Kritik, die Carola Reckter in Richtung BVG sendet: „Dass die Daten der Bauarbeiten nicht eingehalten werden, die anfangs kommuniziert wurden. Wenn ich gewusst hätte, dass die Bauarbeiten fünf Jahre dauern, hätten wir in der Apotheke anders geplant und gehandelt – und möglicherweise nicht erneut ausgebildet.“ 

Doch nicht nur der U-Bahnhof Residenzstraße ist eine Baustelle. Auch an den Bahnhöfen Franz-Neumann-Platz und Rathaus Reinickendorf wird gebaut – und auch hier dauert es länger als ursprünglich geplant:  Am U-Bahnhof Franz-Neumann-Platz sind aktuell zwei Ausgänge gesperrt. Diese werden saniert, bekommen neue Treppenläufe und Fahrtreppen. Info der BVG: Nach aktuellem Stand werden die Zugänge im Frühling 2025 wieder geöffnet. Für den U-Bahnhof ist der Einbau eines neuen Aufzugs sowie eine umfassende Grundinstandsetzung vorgesehen (ab 2026). In diesem Zuge wird auch die Decke in der Verteilerhalle neu gestaltet. Der Ausgang Pankower Allee soll Mitte 2026 eröffnet und der neue Aufzug voraussichtlich Ende 2027 in Betrieb genommen werden.

 „Am Bahnhof Rathaus Reinickendorf wurden aufgrund des Zustands der Bausubstanz am südlichen Zugangsgebäude erhebliche Umplanungen erforderlich. Die aktuell noch länger laufende Sanierung wird voraussichtlich Ende 2025 fertiggestellt. Witterungsbedingt können die Dacharbeiten jedoch nur bei gutem Wetter erfolgen“, sagt Kremmin.

Stadtentwicklungs-Stadträtin Korinna Stephan und das Team der Wirtschaftsförderung kamen zum Händlerstammtisch, zu dem das Geschäftsstraßenmanagement Residenzstraße und die Standortgemeinschaft „Zukunft Resi Rundherum e.V.“ eingeladen hatten. „Da einzelne Ausgänge des U-Bahnhofs leider weiterhin geschlossen bleiben, haben wir mit dem Geschäftsstraßenmanagement beschlossen, verstärkt für die Unternehmen im Rahmen des Förderprogramms ,Lebendiges Zentrum Residenzstraße‘ zu werben. Hier werden wir in enger Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung, den Gewerbetreiben und der BVG Maßnahmen ausarbeiten, die allen Gewerbetreibenden zugutekommen sollen, die wohnortnahen Angebote zu unterstützen und möglichst zu erhalten“, sagt Stephan.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.

Autor dieses Beitrags

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.