Bezirk – Die aktuelle Folge des Podcast „RAZ aus’m Rathaus“ eröffnet unerwartete Perspektiven. Felix Lederle vertritt Die Linke in der Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf (BVV) und erzählt im Podcast von der guten Zusammenarbeit mit dem früheren CDU-Bezirksbürgermeister Frank Balzer bei der Einrichtung von Gebieten mit Milieuschutz im Bezirk.
Auch für die jetzige CDU-Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (EDW) findet Lederle positive Worte. Es sei gut, dass eine „migrantische Frau“ im Rathaus regiere (siehe Kurz-Interview am Ende des Textes). EDW ist in der Türkei geboren und bekennt sich zum islamischen Glauben. Sie repräsentiere eine „moderne Großstadt-CDU“, mit der Die Linke „gut umgehen“ könne.
Von der SPD-geführten Bundesregierung unter Gerhard Schröder war er Ende der 90er Jahre als junger Mann „extrem enttäuscht.“ Lederle meint sogar im Podcast, dass es vielleicht besser gewesen wäre, „wenn Kohl weiter gemacht hätte“. Er fand dann aber den Weg zu der Partei „Die Linke“, für die er seit 2016 in der BVV sitzt. Nach dem Verlust des Fraktionsstatus und dem Parteiaustritt von Kai Bartosch vertritt er dort die Partei allein.
Kaum ein Thema in der BVV, zu dem er nicht wohlvorbereitet ans Mikrofon tritt. Er möchte keine „Fundamentalopposition“ betreiben, sondern will für pragmatische Lösungen im Bezirk eintreten. Im Podcast werden vor allen Dingen die Themen „Sturmschäden in Reinickendorf“ und „Hitzeschutz“ behandelt. An einer Stelle sagt er, er wolle nicht „klugscheisserig“ sein, gibt dann aber einige Tipps, wie es im Bezirk besser laufen könnte.
Wie alle anderen Podcast-Gäste beantwortet der Politiker drei Kurzfragen zur Person und dann Fragen zu Reinickendorf, die hier nachzulesen sind.
Mechanische Zahnbürste oder elektrische?
Ich habe eine mechanische Zahnbürste, aber meine Frau versucht mich schon seit Jahren zu überzeugen, dass es gut wäre, eine elektrische zu benutzen.
Wer war oder ist der oder die bessere CDU-Bürgermeister/in? Frank Balzer oder Emine Demirbüken-Wegner?
Ich habe mit Frank Balzer gut zusammengearbeitet und habe aber auch ein sehr gutes Arbeitsverhältnis mit Emine Demirbüken-Wegner. Für uns als Linke hat es einen Wert an sich, dass wir an der Spitze in Reinickendorf eine migrantische Frau haben.
Morgens Kaffee mit oder ohne Milch?
Unbedingt morgens Kaffee, lieber mit Milch. Und zwar nicht nur einen, ich trinke morgens zwei Kaffee.
Was unterscheidet Reinickendorf vom Rest von Berlin?
Reinickendorf ist sehr vielfältig. Reinickendorf ist so ein bisschen wie Deutschland im Kleinen. Wir haben hier sowohl Großstadt, wir haben dann nur ein paar Kilometer weiter fast eine ländliche Idylle in Alt-Lübars.
Was ist ihr Lieblingsplatz in Reinickendorf?
Ich gehe gerne mit der Familie am Tegeler See spazieren. Ich bin gerne bei der dicken Marie, dem ältesten Baum Berlins und beim Humboldtschloss. Ganz toll und bedeutsam ist auch die weiße Stadt.
Was hat sie im Bezirk zuletzt erfreut?
Ich habe mich sehr gefreut, dass in der vorletzten BVV auf Antrag der Linken beschlossen wurde, dass in den Milieuschutzgebieten in Reinickendorf Wohn-Zeit-Modelle grundsätzlich genehmigungspflichtig sind und grundsätzlich nicht genehmigt werden.
Was hat sie geärgert?
Was mich immer so ein bisschen triggert ist, wenn ich bei sozialen Themen den Eindruck habe, dass Kolleginnen und Kollegen etwas ignorant sind.
Was muss unbedingt besser werden?
Wir müssen mehr in die soziale Infrastruktur investieren. Und genau das kriegen wir im Moment nicht hin, weil die Bezirke unterfinanziert sind.
Beschreiben Sie Reinickendorf in nur 3 Worten.
Natur, Großstadt, Vielfalt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Bertram Schwarz