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Bild mit einer Welle
Nicht allen gefällt das neue Klebe-Wandbild am Kiosk in Alt-Tegel. Foto: fle

„Kritik gehört zu lebendigem Stadtbild“

Ein Wandbild in knalligen Farben ist Teil eines Konzepts für ein neues Alt-Tegel

Tegel – Knallige Farben, eine hohe Welle: Seit Mitte November ziert ein besonderes Kunstwerk den Kiosk in Alt-Tegel – und nicht jedem gefällt es. Die Stimmen auf der Straße reichen von „erinnert an einen Tsunami“ über „verfehltes Thema“ bis hin zu „schöner als der graue Beton“.

Das Kunstwerk aus einzelnen Klebestreifen ist Teil eines Maßnahmenkonzepts zur Qualifizierung der Straße Alt-Tegel – mit dem Ziel, Stärken und Schwächen der in die Jahre gekommenen Einkaufsstraße zu benennen, ein Leitbild zu entwickeln und Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität zu definieren.

Das Konzept wurde durch das Stadtentwicklungsamt an das Berliner Büro Lokatio:s in Auftrag gegeben und vom Sommer 2024 bis November 2025 durchgeführt. 

„Die Kosten für das Maßnahmenkonzept zur Qualifizierung der Straße Alt-Tegel beliefen sich auf 54.710,26 Euro“, erklärt Korinna Stephan, Stadträtin für Stadtentwicklung in Reinickendorf. „Es handelt sich um ein integriertes Planungskonzept, in dem, aufbauend auf einer gründlichen Analyse, Handlungsfelder und Maßnahmen erarbeitet und abgestimmt worden sind.“

Die Beteiligung erfolgte über mehrere Kanäle: Unter anderem gab es eine Online-Befragung mit rund 1.800 Teilnehmenden, zwei Vor-Ort-Befragungen, unter anderem beim Tegeler Hafenfest und an einem regulären Wochentag, eine Verteilung von Postkarten mit QR-Code zur Online-Umfrage und Hinweise über mein.berlin.de.

Auch wurden für die Studie mehr als 100 Gewerbetreibende kontaktiert und zu zwei Gewerbefrühstücken eingeladen. Einbezogen waren Unternehmen in der Straße Alt-Tegel sowie in den angrenzenden Bereichen des Projektgebiets. Zusätzlich sei die Studie den in Reinickendorf aktiven Handels-, Gastronomie- und Gewerbe-/Handwerksverbänden vorgestellt und mit diesen diskutiert worden.

Aus der Umfrage geht hervor: Verbesserungsbedarf besteht unter anderem bei der Platzgestaltung rund um den historischen Schinkelbrunnen, bei den Sitzgelegenheiten und Bepflanzung, der Barrierefreiheit, der Beleuchtung sowie im Hinblick auf die Förderung des Radtourismus.

Das Wandbild sei nun ein erster sichtbarer Baustein zur Steigerung der Attraktivität der Fußgängerzone: „Kritik gehört ebenso wie positive Rückmeldungen zu einem lebendigen Stadtbild dazu – gerade, wenn es um Kunst im öffentlichen Raum geht, die bewusst Impulse setzt und zur Auseinandersetzung anregen soll“, sagt Stephan. Sie erklärt die künstlerische Idee: „Die farbintensive Welle von Tape-Over wurde bewusst als Motiv gewählt. Sie bringt in der dunkleren Jahreszeit Farbe und Energie an einen derzeit durch die BVG-Baustelle und den Leerstand des C&A-Gebäudes belasteten Ort.“ Die Wellenform nehme den Wasserbezug des Hauptzentrums auf. Schließlich präge der Tegeler See den Stadtteil in besonderem Maße und symbolisiere gleichzeitig Dynamik, Bewegung und Aufbruch. „Mit der Gestaltung möchten wir darauf aufmerksam machen, dass der wichtige Standort Alt-Tegel nicht in Vergessenheit geraten ist, sondern im Gegenteil hier ein Fokus des Stadtentwicklungsamts liegt und etwas passiert“, fügt sie hinzu.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.