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Eine Gruppe von Menschen steht hinter einer roten Bank
Stefan Valentin (8.v.l.) freut sich, dass Reinickendorf nun eine rote Bank hat. Er war der Initiator der Spendenaktion. Foto: fle

„La Panchina Rossa“: Mehr als nur ein Sitzmöbel

Die erste rote Bank in Reinickendorf wurde nach langen Debatten schließlich über Spenden finanziert

Wittenau – Eine Bank ist ein besonderes Möbelstück: Man kann auf ihr Platz nehmen, innehalten und verweilen. Sie ist auch ein Ort der Begegnung. Doch die rote Bank, die nun vor dem Centre Talma, dem Mädchen- und JungenSportZentrum des VSJ & GSJ an der Hermsdorfer Straße 18 steht, ist viel mehr: Sie ist ein Symbol – ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Erschreckende Zahlen zu geschlechtsspezifischer Gewalt

Das Thema ist ein sehr ernstes, denn das aktuelle Bundeslagebild zu geschlechtsspezifischer Gewalt des Bundeskriminalamtes (BKA) zeigt ein erschreckendes Ausmaß von Gewalt gegen Frauen. In allen Bereichen ist die Zahl der Straftaten gestiegen, bei der häuslichen und sexualisierten Gewalt um rund fünf beziehungsweise sechs Prozent. Besonders erschreckend ist die Zahl der Femizide, also die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts: In Deutschland wurde im Jahr 2023 fast jeden Tag eine Frau Opfer eines Femizides. In 155 von insgesamt 360 Fällen war der Täter der Partner oder Ex-Partner. Die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt in Berlin steigt rasant – allein im vergangenen Jahr um fast neun Prozent.

Ursprung des Projekts in Italien

Die Idee für die rote Bank stammt aus Italien. Dort wurde 2016 das Projekt „La Panchina Rossa“ ins Leben gerufen, um für das Thema zu sensibilisieren und der Opfer zu gedenken. Die rote Farbe und der Schriftzug „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“ sollen öffentlich auf geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam machen.

Spendenaktion machte die Umsetzung möglich

Die Farbe symbolisiert dabei das Blut der Betroffenen. Nach dieser Idee stehen bereits unter anderem in Tempelhof-Schöneberg, Treptow-Köpenick, Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf rote Bänke. Nachdem ein Antrag der SPD mit der Fraktion der Grünen, den beiden Verordneten der FDP-Gruppe und Felix Lederle (Linke) im vergangenen Jahr für die Aufstellung einer Bank gegen Gewalt an Frauen und Mädchen in der Bezirksverordnetenversammlung abgelehnt worden war, haben Bezirksverordnete unter der Leitung von Stefan Valentin eine Spendenaktion gestartet, um das Projekt „Rote Bank“ auf diese Weise realisieren zu können. „Wir freuen uns, dass sie nun endlich aufgestellt wurde“, erklärt Valentin, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion.

Weitere Bank wird in Alt-Wittenau folgen

„Die Zahlen sprechen für sich, Gewalt an Mädchen und Frauen findet tagtäglich statt“, sagt Bettina Lutze-Luis Fernández, Leiterin des Centre Talma. „Umso wichtiger ist dieses Zeichen in Reinickendorf“, fügt sie hinzu.

Es konnte sogar eine zweite Bank angeschafft werden. Sie wird schon bald vor dem Hermann-Ehlers-Haus, Alt-Wittenau 71-72, aufgestellt. Der Termin steht noch nicht fest.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.