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Ein Tisch mit Politikern am Tisch
Was Baumfällungen angeht, scheint über Parteigrenzen hinweg weitgehend Einigkeit bei Felix Schönebeck, Günes Keskin, Samuel Märkt und Robert Irmscher zu herrschen. Foto: fle

Natur zerstört, Bürger empört

Vier Parteien fordern mehr Transparenz bei Baumfällungen

Tegelort – Die Fällungen von Bäumen am Havelufer beim Bärbelweg sorgen weiter für Diskussionen. Zu einer Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative „Baumretter“ im Joersfelder Segelclub kamen rund 50 Bürger. Mit dabei waren die Politiker Felix Schönebeck (CDU), Samuel Märkt (SPD), Robert Irmscher (Die Linke) und Güneş Keskin (Grüne). Einigkeit bestand darin, dass weitere Fällungen verhindert werden sollen.

Die Folgen für die Natur seien jetzt schon fatal. Laut Baumrettern wurden Auswirkungen auf die Biotope von der Umweltverwaltung nicht einmal geprüft. Die Fällungen wurden allein mit Gründen des Verkehrsschutzes gerechtfertigt. „Es ist schlicht unplausibel, warum alle 80 Bäume gleichzeitig in einem so schlechten Zustand gewesen sein sollen, dass die Fällung aller Bäume verhältnismäßig war“, sagt Keskin. Märkt forderte von den Umweltverwaltungen im Land und Bezirk „endlich Transparenz, aus welchen Gründen es zu den Fällungen gekommen ist und welche Erwägungen dieser Verwaltungsentscheidung zugrunde lagen.“ Gemeinsam wollen die drei Politiker die Baumretter bei der Aufklärung der Vorgänge unterstützen. Dabei gehe es darum, Bäume nicht leichtfertig zu fällen, den Umwelt- und Naturschutz stärker zu berücksichtigen und Verwaltungsentscheidungen gegenüber der Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen. 

Die RAZ fragte beim Senat nach: „Wir sind verpflichtet, die Verkehrs- und Standsicherheit der Uferbefestigungen sicherzustellen – dauerhaft und für Jahrzehnte. Daher müssen wir immer wieder neu abwägen zwischen dem Erhalt der Bäume und der Sicherung des Ufers“, sagte Pressesprecherin Petra Nelken. Im Bereich der Havel-Oder-Wasserstraße seien die Uferbefestigungen am linken Ufer zwischen Kilometer 5,3 bis 4,9 (Bärbelweg) in die Schadensklasse 4 eingestuft worden. Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit seien nicht mehr gegeben gewesen. „Bereichsweise werden deshalb Befestigungen repariert, und 27 Bäume – zum Teil mehrstämmig – gefällt“, erklärt sie.

Die Uferbefestigungen seien durch das Wurzelwerk der Bäume beschädigt worden. Auch weil viele Bäume sehr schief standen, sei die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben gewesen. Die Fällung sei zudem eine Voraussetzung, für die Reparatur der Uferbefestigung. Und „Eingriffe in den Schilfbestand durch Zurückschneiden waren erforderlich, um am Ufer arbeiten zu können.“ Die Maßnahme hat 100.000 Euro gekostet. 

Kritik, die Arbeiten seien während der Brut- und Laichzeit erfolgt, weist der Senat zurück. Die Fällungen und Rückschnittarbeiten hätten im November bis Anfang Dezember 2025 stattgefunden, also außerhalb der Brutzeit. Verbliebene Baumstubben und Vegetation auf der Uferbefestigung seien im Mai 2026 entfernt worden. Untersuchungen zu Amphibien und Fröschen seien nicht Gegenstand vorlaufender Leistungen gewesen. Die Auflagen – artenschutzrechtliche Begutachtung sowie Schaffung von Ersatzhabitaten – seien erfüllt, die Maßnahmen ohne grundsätzliche Bedenken des Umwelt- und Naturschutzamtes des Bezirksamtes freigegeben worden, sagt sie. Weitere Fällungen seien am Bärbelweg nicht geplant, Reparaturarbeiten an der Uferbefestigung stünden aber noch aus.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.