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Zuschauer sehen auf der Bühne Hologrammfiguren
Schüler verfolgten das Hologramm-Projekt in der Turnhalle. Foto: fle

Projekt „Nie wieder ist jetzt“ zu Haltung im Alltag

Veranstaltung zu Demokratiebildung mit Hologrammtechnik im Humboldt-Gymnasium

Tegel – Wie können junge Menschen ermutigt werden, im Alltag Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und Zivilcourage zu leben? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Pilotprojekt zur Demokratiebildung, das in Zusammenarbeit mit dem Verein „Nie wieder ist jetzt“ am 20. Januar am Humboldt-Gymnasium in Tegel durchgeführt wurde.

„Unter dem Titel ‚Zivilcourage sichtbar machen‘ erleben heute zwei unserer neunten Klassen ein innovatives Bildungsformat, das klassische Projektarbeit mit moderner Hologrammtechnik verbindet“, erklärt Geschichts- und Politiklehrer Martin Klingenfuß. „Es läuft in dieser Woche an fünf Schulen, darunter ist auch das Evangelische Gymnasium Frohnau.“  

An zwei intensiven Drehtagen entstand in Berlin dieses Projektergebnis. Im Studio traten die Politiker, Prominenten sowie Schülerinnen und Schüler gemeinsam vor die Kamera – um Demokratie, Toleranz und Antisemitismusprävention anschaulich, interaktiv und nachhaltig in den Schulunterricht zu bringen. Und natürlich ist auch Raúl Erdossy, Regisseur und Produzent der „Hologramm-Experience, bei dem die Schüler auch interagieren können, vor Ort. 

Es ist dunkel in der Sporthalle des Humboldt-Gymnasiums an der Hatzfeldtallee. Vier große zusammenhängende Bildschirme sind direkt unter dem Basketballkorb aufgebaut. Davor sitzen Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen – und ihre Neugier auf das, was gleich passieren wird, ist groß. 

Dann tauchen auf den Bildschirmen verschiedene Menschen auf. Der Rapper Eko Fresh zum Beispiel, der als Kind von Gastarbeitern mit 15 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam und Diskriminierung bei der Job-Bewerbung erfuhr. Oder der Schüler Ben Kowalski, der sich gern feminin kleidet und sich nicht mehr traut, hohe Schuhe zu tragen. Da ist der Hertha-Fußballer John Anthony Brooks zu sehen, der bei der Weltmeisterschaft 2014 für Deutschland spielte – und der im Stadion mit Affengeräuschen von Stadionbesuchern konfrontiert wurde. Und da ist die Zeitzeugin Ruth Winkelmann, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat.

Sie alle erzählen davon, wie es ihnen im Leben ergangen ist. Wie sie Deutschland erleben und wie sie auch Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Hass erleben.

Aber es kommen auch der Regierende Berliner Bürgermeister Kai Wegner, Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas und Moderator Klaas Heufer-Umlauf zu Wort. Und für alle ist eines klar: „Nie wieder ist jetzt“.

Die verschiedenen Biografien, Erfahrungsberichte und Entscheidungssituationen von eben jenen Menschen, die Zivilcourage gezeigt haben, werden in dieser dreidimensionalen Darstellung besonders erlebbar gemacht. „Wir brauchen Euch“, sagt Ministerin Bas in Richtung der Schüler. „Unsere Demokratie ist bedroht. Und wir müssen uns gemeinsam einsetzen – für Freiheit und Vielfalt.“ Und Zeitzeugin Ruth Winkelmann plädiert dafür, „alle Menschen als Menschen zu betrachten“.  

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.