Bezirk – Am 13. Februar ist Weltradiotag! Die UNESCO hat ihn 2012 eingeführt. Dank zwei historisch interessanter Sendemasten, die einstmals in Reinickendorf ihren Dienst taten, ist auch der Bezirk Teil der Geschichte dieses Mediums, das sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.
Der erste Sendeturm im Berliner Norden stand in Tegel; der 100-kW-Mittelwellensender übertrug ab Dezember 1933 die „Funkstunde“, die zuvor der 1926 eingeweihte Funkturm ausgestrahlt hatte. Der zunächst 165 Meter hohe Holzbau in der Seidelstraße wurde bereits wenige Jahre später auf rund die Hälfte gekappt, um die Konstruktion sicherer zu machen. Den Krieg überstand er unbeschadet – bereits fünf Tage nach der Kapitulation des Deutschen Reichs ging der Sendebetrieb am 13. Mai 1945 auf Betreiben der Sowjets wieder los. Zwei Wochen später rief der neue Intendant die Hörer zur Mitarbeit auf: „Der Berliner Rundfunk braucht dringend Schallplatten, Noten, russische Literatur, Werke Nazi-verpönter deutscher Schriftsteller.“ Zwar wurde nicht rund um die Uhr gesendet, aber bald immerhin 19 Stunden täglich – mit „Frühmusik und Frühgymnastik“ zum schwungvollen Start in den Morgen.
Nicht nur im besetzten Deutschland arbeiteten die Großmächte damals noch zusammen – so beschlossen die Vereinten Nationen am 13. Februar 1946 die Gründung eines gemeinsamen Rundfunksenders. Daher wurde dieses Datum später für den Weltradiotag gewählt. Vor genau 80 Jahren hieß es in der Erklärung von United Nations Radio :„Die Vereinten Nationen können die Ziele, zu deren Verwirklichung sie geschaffen wurden, nicht erreichen, wenn die Völker der Welt nicht umfassend über ihre Zielsetzungen und ihre Tätigkeit unterrichtet sind.“
Während das United Nations Radio noch mit einem Programm in verschiedenen Sprachen wie Portugiesisch, Arabisch und Hindi besteht, war die enge Kooperation der Westmächte mit der Sowjetunion im besetzten Berlin nur von kurzer Dauer – als zu unterschiedlich erwiesen sich die Ideologien. Die Alliierten gründeten jeweils eigene Radiosender.
Den Sendemast in Tegel, von dem aus immer noch das Programm der sowjetischen Alliierten übertragen wurde, sprengten die französischen Streitkräfte 1948 während der Blockade mit der Begründung, er gefährde den Flugverkehr der Luftbrücke.
In Waidmannslust errichteten die Franzosen 1957 einen Stahlfachwerkturm als Sender für ihr „Radio Forces Françaises de Berlin“ (FFB) . Mit seinem rot-weiß gestreiften Anstrich bildete er einen markanten Punkt in der für die Angehörigen der französischen Streitkräfte erbauten Cité Foche. Das Radioprogramm war zwar in erster Linie zur Unterhaltung der in Wedding und Reinickendorf stationierten Soldaten gedacht, aber ab Mitte der Sechziger Jahre gab es von 18 bis 19 Uhr eine deutschsprachige Stunde. An den großen kulturellen Einfluss, den AFN dank der immer beliebteren amerikanischen Popmusik hatte, konnte FFB jedoch nie heranreichen. Nach dem Abzug der Besatzungsmächte ging das Grundstück an den Bundesnachrichtendienst. Als man den Mast 2003 schließlich abmontierte, verschwand mit ihm auch ein Stück Rundfunkgeschichte.





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