Ein weißes Grabkreuz
Die Grabstelle von Irina Pabst auf dem russischen Friedhof in Tegel . Foto: bod

Vom Mord auf dem Funkturm

Historisches Das schillernde Leben der Irina Pabst

Coronabedingt musste die erfolgreiche AIDS-Gala in der Deutschen Oper Berlin drei Jahre pausieren. Am 4. November dieses Jahres konnte sie endlich wieder wie gewohnt über die Bühne gehen, diesmal mit dem Star-Tenor Rolando Villazón, der durch den Abend führte. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung 1994 von Irina Pabst, die einst unter Künstlernamen auch auf der Leinwand glänzte: Mit einem tödlichen Schuss auf dem Funkturm startete die Karriere von Irina Garden. 

Der Film-Mord, in den die Ballettlehrerin verwickelt wird, bringt die Spionagegeschiche in Gang – das große Finale spielt sich nach einer Verfolgungsjagd durchs Nachkriegsberlin in den Ruinen des Reichstags ab. Allein wegen dieser historisch beeindruckenden Aufnahmen des vom Krieg zerstörten Regierungsgebäudes lohnt der Thriller mit dem Titel „Die Spur führt nach Berlin“.

Für Irina Garden blieb das Debüt von 1952 die einzige Hauptrolle ihrer Karriere als Filmschauspielerin. Insgesamt trat sie in einem halben Dutzend Streifen auf, produziert vor allem in den CCC-Studios Berlin Spandau, spielte nun aber eher in zweiter oder dritter Reihe.

Am 2. Dezember 1928 kam sie als Irina von Udinzeff zur Welt. Bereits im Alter von acht Jahren stand sie auf der Bühne des heutigen Berliner Ensembles. Ihr russischer Vater hatte seine Heimat verlassen, um einem Todesurteil wegen seines Widerstands gegen die Bolschewisten zu entgehen. Irina sah sich als Weltbürgerin, die sich dennoch stark ihren Wurzeln verbunden fühlte: „Ich bin eben eine waschechte Russin und die sind manchmal schwermütig.“

Nach ihrer Heirat 1955 mit dem Journalisten Pierre Pabst, der für Axel Springer arbeitete und eng mit ihm befreundet war, hängte sie die Schauspielerei an den Nagel. Zwei Jahrzehnte lang währte die glückliche Zeit an der Seite ihres Mannes, der 1976 starb: „Ich war zerbrochen an seinem Tod.“

In der Hochphase der AIDS-Krise Ende der 1980er Jahre, als viele Kontakt mit Infizierten panisch mieden, entschloss sich Irina zu handeln und machte sich spontan ins Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf: „Ich war ein Leben lang gegen Konventionen. Ich hatte meine eigenen Gesetze.“ Auf ihr Angebot, ihm seelischen Beistand zu leisten, ging ein Patient namens Hans dankbar ein; aus der Begegnung wurde eine dreijährige Freundschaft bis zu seinem Tod. Auch danach kümmerte sich Irina noch um weitere Betroffene. Aus einem zufälligen Gespräch mit Alard von Rohr, Operndirektor der Deutschen Oper Berlin, ergab sich die Zusammenarbeit für eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der AIDS-Stiftung.

Die erste Operngala fand am 21. Oktober 1994 statt. In den Folgejahren waren vor allem die humorvollen Einlagen des Opernfreundes Loriot alias Vicco von Bülow beim Publikum höchst beliebt. Im Laufe der Zeit spielte der Charity-Event mehrere Millionen ein.

Anfang Mai 2004 fand Friede Springer ihre 75-jährige Freundin tot in deren Wohnung auf. Sie war freiwillig aus dem Leben geschieden. Unter großer Anteilnahme wurde Irina Pabst auf dem russischen Friedhof in Berlin-Tegel neben ihrem Mann beigesetzt. Unter jenen, die ihr die letzte Ehre erwiesen, waren First Lady Christina Rau, Loriot, die Schauspielerin Judy Winter und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

In einem Interview hatte die Wohltäterin einmal angemerkt: „Gegen die Einsamkeit gibt es keine Tabletten.“

bod

Astrid Greif

Autor dieses Beitrags