Katrin Schultze-Berndt lacht gern, und sie lacht oft. Das ist der ehemaligen Kommunalpolitikerin vor ein paar Jahren im beruflichen Leben etwas verloren gegangen, der Abschied von der politischen Bühne war begleitet von unangenehmen Nebengeräuschen. Schon vor 30 Jahren wurde sie im zarten Alter von 25 Jahren Bezirksverordnete in Reinickendorf, von 1999 bis 2002 und dann wieder als Nachrückerin ab 2003 war sie Mitglied im Abgeordnetenhaus und schließlich schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. 2006 kehrte sie in ihren Heimatbezirk zurück, sie war als Bezirksstadträtin für das Ressort Schule, Bildung und Kultur, später für Bauen, Bildung und Kultur zuständig. Und 20 Jahre lang war Schultze-Berndt Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Frohnau. Aber im August 2020 wandte sie sich nach großen Differenzen innerhalb der Reinickendorfer CDU von der Politik ab. Auch ihr Ehemann und Parteikollege Jürn Jakob Schultze-Berndt zog sich zurück und kandidierte nicht mehr für das Abgeordnetenhaus.
Neue Aufgabe bei den Füchsen Berlin
Und heute? Treffen wir die blonde Frau in der Geschäftsstelle der Füchse Berlin am Freiheitsweg. Katrin Schultze-Berndt hat die Seiten gewechselt, ist von der Politik in den Sport gegangen und beim mit fast 5.000 Mitgliedern größten Sportverein im Bezirk zuständig für Infrastruktur und Projektentwicklung. Hier bringt die Diplom-Verwaltungswirtin, die nach einem Deutsch- und Mathematik-Studium an der TU auch als Lehrerin gearbeitet hat, ihr Knowhow ein – und hier kehrte auch das Lachen zurück. „Das ist eine ganz tolle Verknüpfung, ich bin an einem Ort tätig, wo Menschen ihre Freizeit verbringen. Und ich arbeite mit jungen Menschen zusammen, duale Studentinnen und Studenten, die so alt sind wie meine Kinder. Das macht riesigen Spaß“, sprudelt es aus der inzwischen 55-Jährigen heraus. Ihr Parteifreund Frank Steffel, der seit vielen Jahren Füchse-Präsident ist, hatte bei ihr angefragt, im April 2023 trat sie die Stelle an.
Breites Aufgabenspektrum im Sportverein
Ihr Aufgabengebiet ist umfangreich. Ob die Koordination der Termine beim Bau der zweiten Traglufthalle für die Tennisspieler, die Vorbereitungen für das große Sportfest am 5. und 6. Juli oder die Besorgung einer Scheuersaugmaschine für die neue Halle an der Kopenhagener Straße, die Kleberreste vom Boden entfernt und so ein Handballtraining mit Kleber möglich macht – Schultze-Berndt kümmert sich. „Da sind oftmals bürokratische Hürden zu überwinden. Beim Bau der Tennishalle etwa musste eine Spezialfirma her, die uns bescheinigte, dass das Areal frei von Kampfmitteln ist“, nennt sie ein Beispiel. Bestimmte Wege seien aufwändig, aber damit kennt sich die Verwaltungswirtin aus, ihr in der politischen Zeit aufgebautes Netzwerk kommt ihr dabei zugute. Und der Draht zum Bezirksamt ist nach wie vor gut.
Sportbegeistert seit Kindertagen
Mit Vereinssport kam sie früh in Kontakt. Die kleine Katrin schloss sich einer Turngruppe beim TSV Wittenau an, später spielte sie Tennis. Mit dem Papa ging sie zu Hertha BSC ins Olympiastadion. „Und bei den Handball-Füchsen war ich schon zu Stochl-Zeiten oft dabei.“ Heute radelt sie gern („aber kein E-Bike“), im Urlaub in Dänemark liegt das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Und für eine zünftige Bergwanderung ist sie auch immer zu haben. „Der Weg von Ehrwald zum Seebensee und zur Coburger Hütte in Tirol ist wunderschön“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.
Politik bleibt im Hinterkopf
Ihre Zeit in der Politik liegt nun einige Jahre zurück, das kommunalpolitische Denken aber bleibt. „Leider sind Diskussionen beispielweise in der Verkehrspolitik immer gleich so aufgeheizt, das wird immer heftiger“, sagt Katrin Schultze-Berndt, die als Stadträtin fünf Jahre auch für das Verkehrsressort zuständig war. „Ein konstruktives Miteinander bleibt da oft außen vor, dabei sollte man immer im Gespräch bleiben.“ Das sei im Sportverein anders. „Ich bin immer wieder fasziniert, wie sich so viele Mitglieder ehrenamtlich einbringen.“ Es gibt ja auch eine Menge zu tun. „Wir haben zu wenige Sportflächen, vor allem gedeckte“, spricht sie ein großes Problem an, das sich vielen Vereinen stellt. An Arbeit herrscht also kein Mangel, aber die geht Katrin Schultze-Berndt mit Schwung und Optimismus an: „Ich bin ein Mensch, der immer zuversichtlich nach vorn schaut.“ Und das mit einem Lächeln.
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Beitrag aus dem neuen RAZ Magazin (Ausgabe 01/25).
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