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Eine junge Frau lehnt an einem Essenstresen
Einrichtungsleiterin Fabienne Wölki zeigt die Lebensmittel, die täglich aus der Zentrale der Stadtmission in die Notunterkunft in der Kopenhagener Straße geliefert wird. Foto: ks

Warme Plätze heiß begehrt

Notunterkunft Kopenhagener Straße leistet Hilfe

Reinickendorf – Wärme braucht bekanntermaßen jeder Mensch. Eine warme Dusche, eine warme Mahlzeit und ein wärmendes Bett sind für die Mehrzahl der Berliner und der Reinickendorfer eine Selbstverständlichkeit. Für Menschen ohne festen Wohnsitz, im Sprachgebrauch als Obdachlose bezeichnet, gehören diese Dinge zu Luxusgütern. Jede Hilfe ist daher stets und gern willkommen, erst recht in der kalten Jahreszeit.

Hilfe in derartigen Situationen leistet etwa die Notunterkunft in der Kopenhagener Straße 29. Die Einrichtung wird von der Berliner Stadtmission betrieben. 52 Schlafplätze stehen dort in einem großen Gemeinschaftssaal zur Verfügung, außerdem gibt es drei Not-Betten. Die somit 55 Übernachtungsmöglichkeiten sind heiß begehrt. Bereits ab 17 Uhr warten die ersten Betroffenen vor dem Eingang, der über Wertmarken organisiert ist. Ab 20 Uhr wird Einlass gewährt. Dann gibt es eine warme Suppe, belegte Brote, Salat oder Obst, am nächsten Morgen ein Frühstück. Aufgenommen werden hier allerdings nur Männer.

„Unser Job ist es, die Menschen aus dem Kiez vor dem Erfrieren zu bewahren“, erzählt Einrichtungsleiterin Fabienne Wölki. Ihr helfen allnächtlich drei ehrenamtliche Unterstützer. Sie machen diese Arbeit zusätzlich zu ihrem Berufs- und Privatleben. Rund 40 sind es in der Summe. „Solidarität funktioniert in unserer Gesellschaft“, kann Wölki aus ihrer Erfahrung nicht ganz ohne Stolz berichten.

Das Klientel der Nutzer ist ganz unterschiedlich, die meisten aber kommen aus dem Ausland. Ihre Biographien gestalten sich divers. Viele sind durch Alkohol oder anderen Drogen in Schieflage geraten, auch psychische Erkrankungen spielen oftmals eine Rolle. Persönliche Schicksalsschläge, beispielsweise Verluste in der Familie, zählen ebenfalls zu den Ursachen. Nicht wenige der Betroffenen besitzen keine Krankenversicherung.

Eine nicht alltägliche Unterstützung erhielt die Kältehilfe nun im Rahmen der „Berliner Kaffeewette“. Sie wird seit 2019 von dem Reinickendorfer Unternehmer Michael Lind mittlerweile in ganz Berlin organisiert. In diesem Jahr kamen 18.847 Kaffeepakete zusammen, davon die meisten im Fuchsbezirk: 5.822 waren es. Nicht wenige davon gingen an die Notübernachtung Kopenhagener Straße. Das Streetworker-Projekt „Teen Challenge“ vom Franz-Neumann-Platz erhielt 1.000 Päckchen. Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) freute sich über die Aktion und sagte im Rahmen der Bekanntgabe des Sammelergebnisses: „Mein Dank gilt allen Reinickendorferinnen, Reinickendorfern, den Unternehmen, Initiativen und Engagierten, die wieder einmal bewiesen haben, dass wir gemeinsam Großes bewegen können“.

Notübernachtungen für Frauen und Familien bieten übrigens die Home & Care Wohnungslosenhilfe, Finsterwalder Straße 64, sowie das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk, Am Bärensprung 52/56, an.

Karsten Schmidt

Schon in jungen Jahren hat sich Karsten Schmidt journalistisch engagiert: für Schülerzeitungen und Studentenmagazine. Seit rund 30 Jahren ist er freiberuflich tätig – als bekennender Nordberliner von der ersten Stunde an beim RAZ Verlag dabei, außerdem als Berliner Korrespondent für mehrere Fachzeitschriften aus den Bereichen Mode, Wirtschaft und Gastronomie.