Reinickendorf – In der Nähe der Sitzbank an der Lindauer Allee auf einer Grünfläche nahe der Hausnummer 36 soll eine Spritzenbox aufgestellt werden, damit Drogensüchtige ihre Utensilien sicher entsorgen können.
Die Reinickendorfer Bündnisgrünen hatten einen diesbezüglichen Antrag im Bezirksparlament eingebracht. Die Begründung: Dort würden seit längerem Drogen konsumiert, und die benutzte Spritzen lägen auf der Wiese herum. „Eine Spritzenbox ist eine einfache und kostengünstige Maßnahme, um Risiken für Anwohnende, Kinder und Tiere zu reduzieren“, erklärt Fraktionsvorsitzende Güneş Keskin. Das Bezirksparlament (BVV) stimmte dem Antrag zu.
Burkard Dregger (CDU), der mit der Drogenproblematik vor Ort vertraut ist, sieht das allerdings skeptisch: Ihm lägen keine Anwohner-Beschwerden vor, dass an diesem Ort vermehrt Drogen konsumiert würden. „Ich wüsste also gerne, welche belastbaren Erkenntnisse hierzu bestehen?“, fragt er. Wenn dem dennoch so sei, empfiehlt er, als erste Maßnahme die Polizei zu informieren. Denn: „Wir haben kein Interesse, dass sich Drogenkonsumräume in Reinickendorf-Ost entwickeln. Deshalb muss der Einsatz der Polizei immer die erste Option sein“, so der Politiker, der auch Innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus ist. Die Drogenszene dürfe sich nicht festsetzen – so wie im Sommer 2024 am Schäfersee.
Damals kamen täglich bis zu 80 Drogenhändler und Abhängige mit der U8 vom Leopoldplatz zum Schäfersee an den Kiosk. „Die Menschen haben den öffentlichen Raum übernommen und völlig offen und hemmungslos gedealt und konsumiert. Darunter waren auch schwer Süchtige, die konsumbedingt erkennbar psychisch angeschlagen waren, nicht wenige aggressiv“, erläutert Dregger.
Die Polizei habe durch Dauerpräsenz und Platzverweise dafür gesorgt, dass die gesamte Szene wieder verschwand. Das Ordnungsamt habe ebenfalls Präsenz gezeigt, das Grünflächenamt die Büsche zurückgeschnitten. Die Toilette wurde verschlossen, damit sie nicht als Drogenkonsumraum missbraucht wird. Dregger: „Einzelne Bezirksakteure wollten Drogenberatung und sauberes Drogenbesteck anbieten. Dagegen habe ich mich energisch positioniert. Denn mein erstes Ziel war es, der Szene keine Infrastruktur anzubieten, die sie zum Bleiben veranlasst.“ Er habe die Polizei gewonnen, die die sich anbahnende „Verfestigung der Verhältnisse“ sofort im Keim erstickte und die Personen an die legalisierten Drogenkonsumräume im Wedding verwiesen. Dort, beispielsweise am Leopoldplatz, gibt es Räume, in denen Süchtige ohne Zuschauer und unter Verwendung von sauberem Drogenbesteck konsumieren können.
Ohne Frage gäbe es weiterhin vereinzelten Drogenhandel in Reinickendorf-Ost, beispielsweise im Bereich Paracelsusbad, aber das Massenphänomen von 2024 sei erfolgreich bekämpft worden, so Dregger. Deshalb ist es für ihn erst der zweite Schritt, eine Spritzenbox an der Lindauer Allee aufzustellen. Und auch nur dann „wenn die Dinge sich nicht bessern lassen.“





![PTT_NSG_Banner_TopMag_300x250px[1]](https://raz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/PTT_NSG_Banner_TopMag_300x250px1.jpg)