Menschen auf einer Bühne bei einer Podiumsdiskussion
Moderator Kilian Eckle, Prof. Philipp Misselwitz, Prof. Galina Churkina, Prof. Alexander Rudolphi und Lewin Fricke (v. l.) Foto: bs

Wie klimafreundlich bauen?

Studie stützt geplante Holzbauweise im Schumacher Quartier

Tegel – „Bauen ist der Klimakiller an sich“, sagt Professor Philipp Misselwitz in der abschließenden Podiumsdiskussion nach der Vorstellung einer Studie über den Holzbau im Vergleich zur Nutzung von Stahl und Beton. Zuvor hatte Ben Haacke von der Technischen Universität die Ergebnisse der Studie im Infocenter Berlin TXL erklärt. Danach sei die Massivholzbauweise die klimafreundlichste Art, mit der zunehmenden Urbanisierung und dem Bedarf nach städtischem Wohnraum umzugehen.

Gudrun Sack, Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH, schreibt im Vorwort der etwa 50 Seiten umfassenden Studie von dem geplanten Schumacher Quartier „als einem der größten urbanen Holzbauprojekte Europas“. In den kommenden 15 Jahren sollen „auf 46 Hektar über 5.000 Wohnungen entstehen, die mehr als 10.000 Menschen komfortables, bezahlbares und nachhaltiges Wohnen versprechen.“ Die vorgestellte Studie ist dem Aspekt der Nachhaltigkeit gewidmet. Beim Bauen entstehen klimaschädliche Kohlenstoffemissionen zuallererst beim Produzieren und dann beim Transport der Baustoffe. Darüber hinaus müsse noch betrachtet werden, welche Baustoffe am wirkungsvollsten Kohlenstoffe speichern. 

Die Studie führt aus, dass die „holzbasierten Arten der Baukonstruktion in der Produktion rund 40 Prozent weniger Kohlenstoffemissionen als mineralbasierte Arten der Baukonstruktion“ erzeugen. Letztere Art des Bauens sei die mit „Kalkstein, Stahlbeton und Ziegel“. Diese Bauweise binde auch am wenigsten Kohlenstoff. Das alles ist nicht ganz neu, wird aber in der Studie ausführlich mit Zahlen an einem Beispiel unterlegt. Auch die kurzen Transportwege von Holz aus den Wäldern in Berlin und Brandenburg bis zur Baustelle in Tegel zahle positiv auf die Klimabilanz ein. Während der Podiumsdiskussion brach wieder der Streit aus, ob die Leichtbauweise oder die Massivholzbauweise umwelttechnisch günstiger sei.

Sack schreibt, dass diese „akademische Diskussion“ um die richtige Holzbauweise auch dazu geführt habe, diese Untersuchung zu unterstützen. Die Studie spricht sich klar für die massive Holzbauweise aus. Sie speichere am meisten Kohlenstoff und das Material könne am besten wiederverwendet werden. Über die Bezahlbarkeit solcher Häuser aus Holz wurde an dem Abend wenig gesagt. Es gibt in Berlin mittlerweile eine ausgiebige Diskussion darüber, ob die Mieten für Wohnungen in Holzhäusern überhaupt noch erschwinglich seien. Zunächst war davon ausgegangen worden, dass die Baukosten etwa 20 Prozent teurer als die der konventionellen Bauweise sein würden. 

Simon Wimmer, zuständig bei der Tegel Projekt GmbH für das Schumacher Quartier, hatte kürzlich bei anderer Gelegenheit versprochen, der Holzbau werde „null Euro teurer“ werden. Das gilt es neben den Aspekten der Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren unter Beweis zu stellen. Die ersten Wohnungen des Schumacher Quartiers sollen Ende des Jahrzehnts bezogen werden. Zu berücksichtigen ist, dass das Gelände, entgegen den Zusagen des Senats, für immer mehr Flüchtlinge in immer mehr Leichtbauhallen genutzt wird. Eine langfristige Baulösung für dieses Thema zeichnet sich nicht ab. Zuvor muss auch noch das Problem des vorgeschriebenen Abstands der geplanten Gebäude zum Autobahntunnel aus dem Weg geräumt werden. Im Ganzen ein ziemlich dickes Holzbrett.

Bertram Schwarz

Meine erste journalistische Station war die Schülerzeitung meiner Schule, später war ich für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten als freier Mitarbeiter tätig, nach dem Studium als politischer Redakteur beim NDR und später als Geschäftsführer verschiedener Medienfirmen. Seit 2019 arbeite ich als freier Autor für die RAZ.

Autor dieses Beitrags

Meine erste journalistische Station war die Schülerzeitung meiner Schule, später war ich für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten als freier Mitarbeiter tätig, nach dem Studium als politischer Redakteur beim NDR und später als Geschäftsführer verschiedener Medienfirmen. Seit 2019 arbeite ich als freier Autor für die RAZ.