Wittenau – Fünf der neun jungen Menschen, die mit ihrem Druckgrafiklehrer Ingo Grollmus fünf Tage in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück verbracht haben, trifft die RAZ zu einem Gespräch. In der letzten Novemberwoche haben sie in der Jugendherberge gewohnt, die ehemals das Haus der Aufseherinnen in Ravensbrück war. Sie haben sich insbesondere mit dem damaligen Verhältnis der Stadt Fürstenberg zum Frauenkonzentrationslager Ravensbrück befasst, die nur durch den Schwedtsee voneinander getrennt sind.
Entstanden sind außerordentliche Druckgrafiken, die jeweils einen Aspekt dieses Verhältnisses zeigen. Noch bis zum 30. März sind sie in der Sonderausstellung der Gedenkstätte unter dem Titel „‚Gegenüber‘ Fürstenberg – Ravensbrück“ zu sehen. Auf ihre individuellen Motive sind die Schülerinnen und Schüler durch ihre Eindrücke und durch Gespräche mit der Historikerin Dr. Annette Leo gekommen. Michelle erläutert ihre Druckgrafik: „Eine Zwangsarbeiterin streckt ihre Hand nach einer Fürstenbergerin aus. Doch diese wendet sich ab.“ Nhat-Khanhs Werk ist noch beklemmender: „Die Aufseherin rechts schiebt einen Wagen mit toten Häftlingsfrauen. Die Menschen links sind Ärzte, die Experimente gemacht haben. Ich habe für sie rot gewählt, weil an ihren Händen Blut klebt“, erläutert der Schüler. Besonders ist auch der aufgedruckte Streifen am unteren Bildrand. Nhat-Khanh hat authentischen Lagergeländeboden verwendet, um etwas Historisches auf seinem Werk zu verwenden. Als Gemeinsamkeit haben die mehrfarbigen Grafiken jeweils als blass unterlegten Hintergrund entweder eine Karte oder eine Luftaufnahme von Fürstenberg im Jahr 1938.
Gefördert werden solche Aufenthalte von der Dr. Hildegard Hansche-Stiftung und dem Freundeskreis der Gedenkstätte Ravensbrück. Druckgrafiklehrer Ingo Grollmus war bereits zum siebten Mal mit einer Gruppe in Ravensbrück und ist dankbar für diese Förderung. Durch sein Engagement und dasjenige der Schülerinnen und Schüler erhielt die Ernst-Litfaß-Schule im April 2018 den Franz-Bobzien-Preis (die RAZ berichtete). Dieser Preis wird für Projekte verliehen, die den Nationalsozialismus historisch aufarbeiten und mit dem Engagement für eine demokratische Gesellschaft verknüpfen.
Auf Davids Grafik wäscht eine ehemalige Lagerinsassin ein Kleidungsstück im See und denkt zurück an ihre Zeit im Lager. „Der See ist für sie ein Symbol für die Grausamkeit“, interpretiert er. Die ganze Gruppe hat das Gefühl, dass die Fürstenberger mit dem größten deutschen Frauen-Konzentrationslager verbunden sind und bleiben. Dass sie das einerseits traurig oder ärgerlich mache, sie aber andererseits auch durch die vielen Besucherinnen und Besucher profitierten. „Nee, als Berliner möchte keiner da wohnen“, sagt David. „Aber wir hatten trotz der Themas eine gute Atmosphäre“, erinnert sich Mahmoud.
Die Sonderausstellung ist noch bis zum 30. März zu sehen. Adresse: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg/Havel, www. ravensbrueck-sbg.de mfk





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