RAZ – Das Leitmedium für Reinickendorf.

„Es geht voran, aber es ist noch ein langer Weg“

Bezirk – Ulf Wilhelm (SPD) ist Vorsitzender des Ausschusses für Stadtplanung und -entwicklung. Noch immer beschäftigen ihn die Hinterlassenschaften der Franzosen in Reinickendorf, besonders die in die Jahre gekommenen Wasserleitungen in der Cité Guynemer. Ein Zwischenstand.

Sind die Wasserprobleme mittlerweile behoben?

Nein, sie sind noch nicht behoben, aber es gibt Fortschritte. Die Berliner Wasserbetriebe haben Kontakt mit der Gesellschaft aufgenommen, die die Leitungen besitzt und unterstützen beratend an einigen Stellen. Es geht voran, aber es ist noch ein langer Weg.

Was haben die Wasserbetriebe in den vergangenen Monaten getan?

Sie haben sich unter anderem das Leitungsnetz angeschaut, weil es immer wieder zu Recht Klagen über Rückschläge von Wasser in die Keller gab. Ein weiteres Problem ist das Pumpwerk, über das das Abwasser in die Kanalisation der Seidelstraße gepumpt wird. Sie haben dem privaten Eigentümer des Leitungsnetzes Vorschläge unterbreitet, was gemacht werden muss, damit das Hebewerk besser funktioniert, bis die Perspektive da ist, dass die Wasserbetriebe es eines Tages übernehmen können.

Auf der letzten öffentlichen Versammlung wurde der mangelhafte Notdienst stark kritisiert. Hat der sich inzwischen verbessert?

Nach den Erkenntnissen, die ich habe, hat der sich verbessert, nachdem eine zuverlässige Firma verpflichtet wurde. Neue Beschwerden sind mir nicht bekannt. Es ist nicht auszuschließen, dass immer mal wieder eine Störung entsteht, aber dann muss innerhalb von 24 Stunden gehandelt werden und die Anwohner dürfen nicht – wie früher – über fünf, sechs Tage im Stich gelassen werden.

Ein RAZ-Leser befürchtet, dass die alten Frischwasserleitungen durch den Druck zum Platzen gebracht werden und seinen Keller unter Wasser setzen. Was wissen Sie darüber?

Dieses Thema wurde so bei uns nicht angesprochen. Aber die Leitungen sind 1953/54 gelegt worden. Je nach Material können sie jetzt am Ende ihrer technischen Nutzungsdauer sein. Dazu kann ich keine weitere Aussage treffen.

Wenn etwas erneuert werden muss, muss das auch bezahlt werden. Wer wird für die Kosten aufkommen?

Bisher ist es so, dass die Anwohner ein Wassernetz nutzen, dass den Berliner Wasserbetrieben nicht gehört. Wenn Investitionen am Privatnetz getätigt werden, werden diese auf die Nutzer umgelegt. So ist es bei jedem Mietshaus bei Modernisierungen. Ausschlaggebend sind die vertraglichen Regelungen zwischen den Parteien.

Nun ist es aber so, dass zwischen dem Netz der Berliner Wasserbetriebe und den Leitungen im Privathaus die alten Leitungen der Franzosen liegen. Sollen die Bewohner Reparaturen und Erneuerungen an diesem Zwischennetz auch zahlen?

Das muss man jetzt unterschiedlich betrachten. Der aktuelle Zustand ist der, dass es Verträge gibt über die Nutzungen dieser Leitungen. Was in diesen Verträgen rechtlich geregelt ist, müssen sie tragen. Ansonsten wohl eher nicht.

Am einfachsten wäre es ja, wenn die Wasserbetriebe die Leitungen bis an die Häuser betreiben würden. Das geht offensichtlich nicht, solange die Straßen noch nicht in öffentlicher Hand sind. Wann wird das geschehen?

Wir haben derzeit die Situation, dass der Bezirk Reinickendorf die Straßen übernehmen müsste. Der Bezirksbürgermeister Balzer (CDU) hat in einer der letzten Ausschusssitzungen gesagt, dass dafür geklärte Rechtsverhältnisse zwischen den früheren Verkäufern und Käufern geschaffen werden müssten. Außerdem muss ein gewisser technischer Zustand vorhanden sein, hat er allgemein erklärt. Wir als SPD-Fraktion sehen den Bezirksbürgermeister in der Pflicht, sich mit den Verhältnissen vor Ort vertraut zu machen und im Interesse der Bürger einen Weg zu finden, die Straßen in die öffentliche Hand zu übernehmen. Das Bezirksamt ist hier bisher sehr abwartend und zögerlich aufgetreten.

Sie kritisieren, dass sich Balzer zu wenig mit den Bewohnern auseinandergesetzt hat. Wird es bald ein direktes Gespräch geben?

Das hat Herr Balzer in der Ausschusssitzung im Februar so mitgeteilt. Dann kam die Corona-Krise, so dass ich nicht sagen kann, wie schnell er dies umsetzen wird.

Danke für das Gespräch.

Interview Bertram Schwarz

Inka Thaysen

Ursprünglich beim Radio journalistisch ausgebildet, bin ich seit Ende 2018 für den RAZ Verlag tätig: mit redaktionellen sowie projektkoordinativen Aufgaben für print, online, Social Media und den PR-Bereich.