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Alexander Kaczmarek informierte über die S-Bahn-Pläne Foto: fle

Knackpunkt Bahnübergang

Zweigleisiger Ausbau der S25 lässt auf sich warten

Bezirk/Oberhavel – Die Berliner S-Bahn ist die „Mutter aller S-Bahnen“. Sie ist nicht nur die älteste in Deutschland, sondern auch das S-Bahn-System mit dem größten Streckennetz und den meisten Fahrgästen. Im Vergleich zu anderen S-Bahnnetzen hat sie die meisten eingleisigen Strecken – mit der längsten auf der Linie S25 zwischen Hennigsdorf und dem S-Bahnhof Schönholz.

Um diese eingleisige Strecke ging es auch bei der Diskussionsveranstaltung, zu der die SPD-Fraktion Reinickendorf ins „Beydes“, dem alten Postamt, in die Grußdorfstraße lud. Unter dem Titel „S25 in Tegel – Bessere Anbindung für den Berliner Norden“ informierte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, über den Umsteigepunkt Tegel, der möglichen Verlängerung der S-Bahnlinie nach Velten und den Wunsch nach einem Zehn-Minuten-Takt. 

„Reinickendorf wächst, vor allem rund um die S-Bahnlinie S25“, erklärte Horst Mentz, Verkehrsexperte für nachhaltige städtische Mobilität.Es gäbe verschiedenste Bauvorhaben entlang der Strecke, unter anderem auf dem ehemaligen Tetra-Pak-Gelände in Heiligensee mit rund 600 neuen Wohnungen, im Ziekowkiez mit rund 400 Wohneinheiten und auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik mit über 500 Wohnungen. „Siedlungsbauentwicklung und Mobilität gehören zwingend zusammen. Auch deshalb wäre ein Zehn-Minuten-Takt der S25 wichtig.“

„Doch so einfach ist das nicht“, dämpfte der Bahn-Konzernbevollmächtigte Kaczmarek die optimistische Stimmung. „Wir stehen in unserem großen Infrastrukturprogramm i2030 für mehr Schiene in Berlin und Brandenburg und wollen mit einer Investitionssumme von 10,6 Milliarden Euro bis zu 200 Kilometer Strecke reaktivieren, 100 Stationen um-, neu- oder ausbauen und deutlich mehr 10-Minuten-Takte einsetzen, aber auf der S25 ist die Situation etwas komplizierter.“

Positiv sei, dass die S25 Bestandteil vom Projekt i2030 sei und dass die Strecke schon einmal durchgehend zweigleisig war – bis nach dem Zweiten Weltkrieg Reparationszahlen fällig wurden und viele Gleise verschwanden. Seit 1984 lag sie still und wurde 1995 bis Tegel und 1998 bis Hennigsdorf wiedereröffnet. 

Das zweite Gleis wieder flott zu machen, sei nicht das Problem. „Der Knackpunkt für den Zehn-Minuten-Takt ist der Bahnübergang über die Gorkistraße“, erklärte Kaczmarek. Aus diesem Grund werde auch der Prignitz-Express von Velten nicht nach Tegel weitergeführt. „Dann würde die Schranke noch öfter unten sein“, sagte er. 

Der Bahnübergang ist auch der Grund, dass die Zweigleisigkeit keine Priorität erhält. „Es müsste eine Brücke oder Unterführung gebaut werden, um den Verkehrsfluss zu sichern. Dann sind die Kosten höher als der Nutzen.“ Die Idee, die Gorkistraße für den Verkehr zu schließen, sei auch keine Alternative und stoße bei der Verkehrspolitik auf Kritik. „Eine Schließung wird nicht geschehen“, ist sich Kaczmarek deshalb sicher.

Leichter sei die Verlängerung der S25 nach Velten zu realisieren: „Das kriegen wir Anfang der 2030er Jahre hin.“ Eine durchgängige Zweigleisigkeit und der damit verbundene 10-Minuten-Takt von Schönholz bis Hennigsdorf könnte dann in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre kommen. „Dann wird es auch einen neuen S-Bahnhof geben – den S-Bahnhof Borsigwalde.“

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.