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Eine Frau geht mit Leine und Greifzange an einem Teich entlang
Die Hundeleine in der rechten, die Greifzange in der linken Hand: Vanessa Laenens kann Müll einfach nicht leiden. Foto: lt

Spaziergänge mit Greifzange

Vanessa Laenens hat dem Müll in Frohnau den Kampf angesagt

Frohnau – Hündchen Jimmy ist immer dabei, wenn Vanessa Laenens ihre Runde macht. Ihr Ziel ist stets dasselbe: der Teich am Fürstendamm, nur einige Schritte vom Zeltinger Platz entfernt. Dass es hier so schön aussieht, ist zu einem guten Teil ihr Werk, denn neben der Hundeleine, die sie in der einen Hand hält, führt Vanessa Laenens in der anderen auch immer eine Greifzange mit sich. „Ich kann das einfach nicht sehen, wenn hier Müll herumliegt“, sagt sie und liest eine achtlos weggeworfene Kekstüte auf. Das macht sie immer wieder so, ohne einen Auftrag dazu erhalten zu haben, geschweige denn eine Entschädigung in Geld dafür zu bekommen.

Vor 14 Jahren war die jung gebliebene Frau, eigentlich gebürtige Spandauerin, mit ihrem Mann nach Frohnau gekommen. „Wir haben uns in diesen Ort verliebt“, erzählt sie und schwärmt vom Leben am Rande der Hauptstadt. Die Entfernung zum Nachbarland Brandenburg ist in Metern zu messen. Die Begeisterung für den Stadtteil teilt sie mit ihren regen Mitstreitern aus dem „Bürgerverein in der Gartenstadt Frohnau“.

„Manchmal frage ich mich, was hier nachts los ist“, erzählt die Sammlerin und weiß von Unmengen leergetrunkener Schnapsflaschen jeder Größe zu berichten. Auch Zigarettenkippen, ja selbst die Überbleibsel des Konsums unerlaubter Drogen, ganze Getränkekästen oder auch mal eine Automatte sammelte sie schon auf. Bisher größtes Fundstück war eine rot-weiß gestreifte Bake, die eigentlich zur Absperrung im Straßenverkehr diesen sollte. 

Was Vanessa Laenens bei ihrem guten Werk sehr helfen würde und vielleicht auch den einen oder anderen Zeitgenossen davon abhielte, seinen Dreck in der Umwelt zu hinterlassen, wäre die Wiederaufstellung von Papierkörben. Früher gab es zwei davon. „Ich habe mich schon an das Grünflächenamt gewandt, aber noch keine Antwort bekommen“, berichtet die Frau, die nun jedes Mal den ziemlichen Umweg zum nächstgelegenen Müllbehälter nehmen muss, „Jimmy hat schon gar keine Lust mehr, da immer mitzukommen.“

Dabei ist es überhaupt nicht so, dass Vanessa nichts weiter zu tun hätte. Die gelernte Arzthelferin bildet sich neben der Arbeit derzeit weiter, um selbst therapeutische Angebote machen zu können.  Der 13-jährige Sohn, eigentlich ein Fußballtorwarttalent, plagt sich mit einer chronischen Krankheit und überhaupt fordert die Familie ihr Recht. Aber ist sie mal länger nicht daheim, kann man das am Teich recht bald sehen. „Und ich kann gar nicht anders, als alles wieder schön zu machen“, erzählt Vanessa Laenens.

Und da sie sehr kommunikativ ist, bleibt sie in ihrem Tun nicht allein. Gerade mit den jungen Leuten kommt sie in der Regel gut klar. „Wenn man die anspricht, sind sie ganz anders, als so mancher meint. Und wenn sie versprechen, alles aufzuräumen, ist es dann auch später blitzblank. Die jungen Menschen sind doch unsere Hoffnung“, erzählt Vanessa Laenens. Und manchmal erzählen ihr die Jugendlichen auch von ihren eigenen Wünschen, etwa der Einrichtung einer Ausleihstation für E-Roller, damit diese nicht mehr kreuz und quer in der Landschaft rumliegen.

Der Teich ist nur eines der insgesamt 21 Blauen Augen von Frohnau. So nennt man diese ganz speziellen Gewässer, die im Zuge der Entstehung der Gartenstadt vor 100 Jahren angelegt wurden, um anfallendes Regenwasser zu sammeln. „Ich erfreue mich immer wieder daran, und wenn es auch noch schönes Wetter ist wie heute und das Schilf so gut steht, die Enten wieder Kleine haben… Schöner geht es ja gar nicht“, freut sich Vanessa Laenens. Und dass es dann auch noch sauber und ordentlich ist, das haben alle Besucher vor allem ihr zu danken.

Lutz Teiche

Redaktion