Hermsdorf/Lübars – Latif Schneider tut es wieder: Der 17-Jährige bringt Spaziergänger mit seiner Rikscha über die überdimensionale Pfütze, die sie auf dem 13. Grünen Hauptweg in Lübars am Weitergehen hindert. Immer an den Wochenenden tritt Schneider ehrenamtlich in die Pedale – seit Himmelfahrt mit einer neuen Rikscha.
Er hat kleine Bushaltestellen auf beiden Seiten des überschwemmten Weges eingerichtet und wenn die Spaziergänger die Klingel benutzen, kommt Schneider und „holt über“. „Die neue Rikscha ist viel leichter als die, die ich vorher hatte, und erfüllt die Anforderungen an Gewichts und Wendekreis.“ Der Jugendliche wurde nämlich bei seinem ersten Einsatz Anfang des Jahres nach nur vier Einsatztagen ausgebremst: Ordnungsamtsmitarbeiter drohten mit Strafe, weil die Rikscha zu schwer war und einen zu großen Wendekreis hatte (die RAZ berichtete). Schneider musste seinen ehrenamtlichen Betrieb einstellen.
Diese Argumente zählen nun mit dem neuen, wesentlich leichteren Gefährt nicht mehr. Auch der Wendekreis ist kleiner und die Randstreifen werden nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen.
Der überschwemmte Weg im Lübarser Naturschutzgebiet ist als 13. Grüner Hauptweg bekannt und Teil des Barnimer Dörferweges. Er ist mit einer Länge von 34 Kilometern einer der wichtigsten Naturwege im Bezirk.
Viele Reinickendorfer haben sich wegen des überschwemmten Weges die Finger wundgeschrieben, um das Bezirksamt dazu zu bewegen, Abhilfe zu schaffen und den Weg ganzjährig begehbar zu machen. Es passierte – nichts.
Seit Himmelfahrt ist Latif also wieder am Start – diesmal mit seinem 13-jährigen Cousin John als Helfer. Ein Spaziergänger aus Pankow ist begeistert: „Eine tolle Idee und ein tolles Engagement dieses jungen Mannes“, schwärmt er. Auch eine dreiköpfige Familie aus Tegel nutzt die Fahrrad-Rikscha – und hat einen riesigen Spaß bei der kurzen Überfahrt. Strahlende Gesichter, ein nettes Wort und ab und an auch eine kleine Spende gibt es für die beiden Rikscha-Fahrer.
An einem kleinen Stand bieten sie Getränke, Erdbeeren und selbstgedruckte Postkarten an. „Am Wochenende nach Himmelfahrt war die Hölle los“, sagt Schneider. „Mehr als 500 Leute habe ich rübergefahren; sie standen regelrecht Schlange. Dafür war es am Pfingstsamstag etwas ruhiger.“
Bleibt zu hoffen, dass er nicht wieder ausgebremst wird. Denn die nötige Brücke, für deren Bau die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt zuständig ist, wird wohl in absehbarer Zeit nicht gebaut werden.





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