Wilhelmsruh – Die Heidekrautbahn von Wilhelmsruh nach Basdorf sollte längst schon wieder „reaktiviert“ worden sein. Zuletzt hieß es, 2024 werde der regelmäßige Personennahverkehr aufgenommen. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Doch aufmerksame S-Bahnreisende sehen am Bahnhof Wilhelmsruh Fortschritte, die zunächst optimistisch stimmen. Der Bahnsteig mit neuen Bahngleisen für die Heidekrautbahn ist fast fertig. Gibt es einen neuen Termin, wann endlich die Züge über die restlichen, weitgehend erhaltenen Gleise wieder fahren dürfen?
„Nein“, sagt Holger Reimann von der Pressestelle der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) und schiebt hinterher: „Aufgrund des Umfangs der erforderlichen Überarbeitungen sowie der Durchführung zusätzlicher Verfahrensschritte ergibt sich eine Verschiebung im Projektablauf.“ Und spricht von „Komplexität planungsrechtlicher und genehmigungsseitiger Prozesse“.
Geplant wird seit vielen Jahren, die 14 Kilometer lange „Stammstrecke“ wieder in Betrieb zu nehmen. Zurzeit dürfen nur ab und zu neugebaute Schienenfahrzeuge der Firma Stadler über die alten Gleise im Schritttempo vom Werk den Märkten in ganz Europa zugeführt werden. Ansonsten fehlt es an der Finalisierung von Planfeststellungsverfahren, an neuen Bahnhöfen und sicheren Bahnübergängen. Vieles musste nach Einwendungen neu geplant werden.
Termine und Jahreszahlen in Stein gehauen oder in Beton gegossen findet man bei der Geschichte der Heidekrautbahn nach der Wende mit den vielen Wirrungen und Irrungen nur selten. Aber die Zahl „2025“ ist deutlich in der neuen Betonwand für den höher gelegten Bahnsteig in Wilhelmsruh zu lesen. Die Zahl erstaunt. Was will sie uns sagen? Der offizielle Spatenstich für diesen Bahnsteig mit der damaligen Verkehrssenatorin war im Dezember 2020.
Danach passierte einige Jahre nichts. 2025 wuchs dann die Betonwand für den höher gelegenen Bahnsteig heran und auch neue Gleise wurden auf dem Mauerweg verlegt. Das reicht aber nicht, dass ein Zug losfahren kann. Der Bahnsteig werde zwar im Jahr 2026 fertiggestellt, sagt Reimann, aber „der Anschluss kann noch Jahre dauern“.
Was in der Kaiserzeit zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert mit dem Bau der Eisenbahnstrecke eine Sache von einigen Monaten war, zieht sich nun nach der Wende von 1989 schon Jahrzehnte hin. Die NEB zeigte gleich in den 90er Jahren Interesse, die Gleise zu „ertüchtigen“ und wieder Passagiere zu transportieren, wo zuvor die Mauer verlief. Dieses Bauwerk war auch der Grund für die Unterbrechung der bei den Berlinern so populären Bahn, die sie aus der Stadt „ins Heidekraut“ nach Brandenburg brachte.
Immer neue Vorbehalte wegen Umwelt- und Sicherheitsbedenken sowie Lärmschutzverordnungen führten zu Verzögerungen. An der NEB liegt es laut Reimann nicht, sie würde gern schneller vorankommen. Er zeigt den nahen ersten fast fertigen Bahnübergang. Nur die sogenannten „Drängelgitter“ zum Schutz vor leichtfertigem Überqueren der Bahngleise fehlen noch.
Ein junger Fuchs macht es sich auf den noch nicht genutzten Gleisen bequem. Ob er es noch erlebt, dass er wegen eines heraneilenden Zuges schnell zur Seite springen muss? Wenn das Leben es gut mit ihm meint, kann er bis zu 12 Jahre alt werden.




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