Tegel – Ein Fahrzeug brennt, die Flammen lodern aus den Fenstern, und das Feuer verursacht schon bald einen ex-
tremen Rauch, der die Sicht in Sekundenschnelle verschlechtert. Verletzte liegen am Boden und bewegen sich nicht mehr. All das geschieht mitten im Tunnel Flughafen Tegel in der Tunnelröhre in Richtung Norden. Doch was als schreckliches Feuerinferno aussieht, ist am späten Abend des 10. November Teil einer Übung. Das Feuer kam aus einem zuvor von der Fachgruppe Pyrotechnik präparierten Fahrzeug und der Rauch aus einer Rauchmaschine.
Die großangelegte Notfallübung, die von der Tunnelleitzentrale der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH des Bundes mit der Feuerwehr durchgeführt wurde, ist lebenswichtig, denn im Ernstfall zählt jede Sekunde.
„Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Brand in einem Tunnel“, erklärt Harald Berninghaus, Sprecher der Stadtteilgruppe Reinickendorf des ADFC e.V. Enge, Dunkelheit und Panik könnten im Brandfall schnell in einer großen Katastrophe enden.
Das Fahrzeug stand bereits im Tunnel, Puppen waren in Position gebracht, als die Übung um 22 Uhr begann und der Notruf abgesetzt wurde. Die Tunnelröhre war da schon voller Rauch. „Wir nutzen hier einen für uns unschädlichen weißen Theater-Rauch“, erklärt Berninghaus. „Die Rauchgasentwicklung durch einen Fahrzeugbrand ist immer das schlimmste Szenario, denn die Menschen werden sehr schnell ohnmächtig. Nach der Katastrophe im Gotthardtunnel hat man die Richtlinien entsprechend verschärft“, sagt er. Deswegen würden auch alte Tunnelanlagen umgerüstet, „Dazu gehört auch, die Fluchttüren auszuwechseln, wie das im Beyschlagtunnel zwischen Heiligensee und Tegel geschehen ist.“
Bei der Übung wurden die Notrufstationen, Fluchttüren, das Videoüberwachungssystem, Lüftung und Löschwasserversorgung überprüft.
Aber es ging in erster Linie um die Abläufe der Rettungskräfte. So standen Beobachter der Feuerwehr und des Fernstraßenbundesamtes bereit, um die Rettungsabläufe zu protokollieren. „Die Feuerwehrfahrzeuge kommen von nebenan, von der Tunnelröhre in Richtung Süden, wo es nicht brennt“, erklärt Berninghaus.
Es dauerte allerdings lange, bis man die ersten Feuerwehrleute mit schweren Atemschutzgeräten aus der Nebelwand kommen sah. Doch dann ging alles recht schnell. Schläuche wurden ausgerollt und das brennende Fahrzeug gelöscht. Erst dann widmeten sie sich den am Boden liegenden Personen. „Erkunden, Löschen, Bergen – so ist die Reihenfolge eines Rettungseinsatzes“, erklärt Juliane Windeck. Die Ingenieurin der Tunnelverwaltungsbehörde in Leipzig kennt sich aus – ist sie doch bei nahezu allen Tunnelübungen vor Ort.
Einmal pro Jahr findet in zwei von den elf Berliner Autobahntunneln eine Großübung statt. Damit ist sichergestellt, dass in jedem der elf Tunnel nach spätestens vier Jahren eine Simulation des Ernstfalls stattgefunden hat.
Kommt es zu einem Brand in einem Tunnel, sind nicht die Flammen das Hauptproblem, sondern die starke Rauchentwicklung und der Sauerstoffmangel. Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren, eine Rettungsgasse zu bilden und Abstand zum vorderen Auto zu halten. Autofahrer sollten den Motor abstellen, aus dem Auto steigen, die Tür schließen und den Tunnel – immer weg vom Rauch – in Richtung Notausgang verlassen.
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Ablauf der Übung“, berichtet Ronald Normann, Direktor der Autobahn GmbH der Niederlassung Nordost. „Sowohl die Technik als auch der personelle Einsatz haben gezeigt, dass wir auf solche Notfälle vorbereitet sind.“
Der Tunnel Flughafen Tegel war für die Dauer der Übung in der Nacht von 20 Uhr bis zum nächsten Morgen um 5 Uhr in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt.





![PTT_NSG_Banner_TopMag_300x250px[1]](https://raz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/PTT_NSG_Banner_TopMag_300x250px1.jpg)