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Ein belgischer Schäferhund an der Leine
Foto: fle

Kommissarin Elli, die Handy-Schnüfflerin

Datenträgerspürhündin erriecht verbotene Gegenstände im Justizvollzug

Ob Mobiltelefone, USB-Sticks oder Festplatten: Zwei Belgische Schäferhündinnen, Elli und Limited, haben den richtigen Riecher, wenn es um das Erschnüffeln von verbotenen Gegenständen geht! Sie sind hochspezialisiert und für den Einsatz im Justizvollzug ausgebildet. Und sie sind  die beiden ersten Datenträgerspürhunde Berlins. Ihren ersten Auftritt vor der Presse hatten sie am vergangenen Donnerstag in der JVA Tegel. 

„Die Diensthundestaffel des Berliner Justizvollzugs wächst, und sie tut das aus gutem Grund“, sagte Dr. Felor Badenberg, Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz. „Handys und Datenträger sind im Justizvollzug verboten – gleichwohl finden wir immer wieder vieles davon in den Zellen. Allein im vergangenen Jahr haben wir über 1.000 Mobilfunktelefone im Berliner Justizvollzug sichergestellt.“ Hinter dieser Zahl stehe ein konkretes Sicherheitsproblem: Durch das Einschmuggeln von Handys könne der Kontakt ins kriminelle Milieu aufrechterhalten, Absprachen getroffen und illegale Geschäfte weitergeführt werden – alles aus der Haftanstalt heraus. „Das ist der Grund, warum wir diese Diensthundestaffel einrichten. Viele Datenträger sind so winzig, dass man sie gut in anderen Gegenständen verstecken kann“, erklärt Badenberg. „Sie werden zum Teil regelrecht verbaut – sei es in Schuhen, Kleidung oder sonstigen Alltagsgegenständen. Es gibt regelmäßige Haftraumkontrollen, aber wenn es um solche kleinen Gegenstände geht, stoßen die Kollegen an praktische Grenzen – im Gegensatz zu den tierischen Kollegen, die diese teils winzigen Datenträger erschnüffeln können. Die Hunde erkennen die Datenträger am Geruch, unabhängig davon, wie sie verbaut oder versteckt wurden.“ 

Kurzfristig, unauffällig und ohne Vorwarnung können die Spürnasen eingesetzt werden – vor allem, wenn ein konkreter Verdacht besteht und schnelles Handeln gefragt ist. Das gibt den Insassen dann keine Zeit mehr, die Gegenstände rechtzeitig beiseite zu schaffen.

Datenträger ohne Geruch

Bereits im Oktober 2024 hat die Diensthundestaffel ihre Arbeit mit den beiden sogenannten Betäubungsmittelspürhunden Ria und Tara begonnen. Und nun sind seit Anfang Januar Elli und Limited als Datenträgerspürhunde im Einsatz. Sie wurden im Vorfeld von September bis Dezember 2025 im Ausbildungszentrum Schalksmühle in Nordrhein-Westfalen ausgebildet und als Datenträgerspürhunde zertifiziert. 

Eine Frau steht vor einem Mikrofon
Senatorin Felor Badenberg steht in der JVA Tegel der Presse Rede und Antwort. Foto: fle

Hunde können etwa eine Million Mal besser riechen als Menschen. Auch deshalb werden sie sehr erfolgreich eingesetzt, unter anderem als Personenspürhunde oder Rettungshunde. Dabei verfolgen sie ausschließlich den Geruch des Menschen und nutzen dabei die Tatsache, dass der Mensch ständig Hautzellen verliert, die für den Hund als Duftspur verfolgbar sind. Hunde werden sogar als Krebs-Spürhunde ausgebildet, denn sie besitzen die Fähigkeit, Krebszellen von gesunden Zellen zu unterscheiden. Sie können daher über ihre Nase erschnüffeln, ob ein Mensch die Krankheit in sich trägt und damit eine Früherkennung von Krebs anzeigen. Im Fall von Elli und Limited geht es um das Erschnüffeln von Datenträgern. 

Datenträgerspürhunde können im Vergleich zu Betäubungsmittelspürhunden  nicht so häufig und auch nicht so lange eingesetzt werden: Datenträger sind für die Hunde nicht so intensiv wahrnehmbar sind wie beispielsweise Kokain oder Cannabis. Datenträger haben keinen Eigengeruch. Noch weiß man auch nicht, ob die Hunde die chemischen Verbindungen oder die seltenen Erden, die bei der Herstellung verwendet werden, anzeigen.

Elli und Limited haben viel zu tun: Schließlich gilt es an ihrem „Arbeitsplatz“, unter anderem in der JVA Tegel, die Zellen von knapp 900 Insassen zu beschnüffeln. Ob Betten,  Schränke, Stühle oder Mülleimer – alles wird von den Vierbeinern nach SD-Karten, Handys oder USB-Sticks untersucht. 

Ihre Probezeit werden die beiden erfolgreich abschließen, denn sie machen ihren Job gut: In bisher 84 Einsätzen sind sie durch ihre hervorragende Nasenarbeit neun Mal fündig geworden. „Darüber freuen wir uns sehr“, erklärt Martin Riemer, Anstaltsleiter der JVA Tegel. „Es geht allerdings nicht allein um das Aufspüren, sondern auch um Abschreckung. Denn wer die Befürchtung haben muss, dass zu jeder Zeit eine Schnüffelnase zum Durchsuchen kommen könnte, geht lieber erst gar kein Risiko ein.“

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.