Was ist ein Schutzgebiet wert, wenn man es nicht schützt? Am Flughafensee ist das traurige Realität – und zwar seit zehn Jahren. Während an Land durch Zäune und Schilder die Grenzen des NABU-Vogelschutzreservates genau zu erkennen sind, ist das vom Wasser aus nicht so. Denn die Bojenkette, die jahrelang das Schutzgebiet markierte, gammelt seit 2016 an Land vor sich hin (RAZ berichtete).
Und das wird sich nach Aussage des Bezirksamtes auch in diesem Jahr nicht ändern. Für die Sommersaison 2026 seien keine entsprechenden Maßnahmen vorgesehen, heißt es. „Eine Entscheidung über die konkrete Umsetzung steht noch aus – ebenso ein Zeitplan, belastbare Kostenschätzungen oder die Beauftragung eines Dienstleisters“, sagt CDU-Bezirksstadtrat Sebastian Pieper.
Dabei wurde ein Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Ende 2025 einstimmig angenommen. Er sieht vor, dass die Bojen-
kette zur Badesaison 2026 installiert sein soll. „Dass die Bojenkette nun nicht schon in dieser Saison das Schutzgebiet begrenzt, ist schade. Dennoch bin ich optimistisch, dass es spätestens im nächsten Jahr passieren wird“, sagt der CDU-Verordnete Felix Schönebeck, der sich für das Thema stark machte.
2016 löste sich die Bojen-kette aus ihrer Unterwasser-Verankerung, wurde geborgen und liegt seitdem am Ufer. Mahnungen seitens des NABU und der AG Flughafensee an das Bezirksamt, sie wieder zu installieren, verhallten ungehört. „Seit die Bojen weg sind, haben wir jeden Sommer das gleiche Problem, dass Schwimmer, Stand-up-Paddler und Schlauchbootfahrer in das sensible Schilfgebiet eindringen“, sagt Frank Sieste, Leiter der AG (Foto). Sie stören dadurch die sensible Tier- und Pflanzenwelt.
„Viele wissen gar nicht, dass es sich um ein Schutzgebiet handelt“, zeigt sich der Naturschützer verständnisvoll. Deshalb sei es so wichtig, die Bojen-Wassergrenze wieder zu ziehen, damit auch vom Wasser aus der Schutz des Gebietes gewährleistet ist.
Schutz für die Wiedehopfe
26 Hektar ist das Reservat insgesamt groß und ein wahrer Hotspot für Biodiversität. Mehr als 200 verschiedene Käfer- und Libellenarten sowie Amphibien wie Knoblauchkröte, Wasser- und Grasfrosch, Teichmolche und natürlich unzählige Vogelarten – sogar der seltene Wiedehopf – sind am Flughafensee beheimatet.
Um das Gebiet zu schützen, muss sichergestellt sein, dass es von Land und auch vom Wasser aus als solches erkennbar ist und nicht betreten oder befahren wird. Beispielsweise fahren immer wieder Boote durch das Schilf und stören die Brutvögel.
Um sich ein Bild von der Verankerung zu machen, tauchten im August 2023 Taucher des NABU auf den Grund und fanden heraus, dass sowohl die Ketten als auch die Verankerungen noch intakt sind.
„Damit war klar, dass die Reparatur der Bojenkette keine Unsummen kosten wird. Und der Bezirk wurde erneut aufgefordert, die Reparatur durchzuführen“, sagt Sieste. Denn es müssen seiner Meinung nach nur die großen, grünen Bojen wieder am Grund festgemacht werden.
Aktuell läuft ein Ausschreibungsverfahren für die „seeseitige Kennzeichnung des Landschaftsschutzgebietes“. „Das Bezirksamt Reinickendorf prüft derzeit, welche Maßnahmen zur Abgrenzung geeignet sind – darunter auch den Einsatz einer Bojenkette. In die Bewertung fließen neben der grundsätzlichen Eignung insbesondere Investitions- und Folgekosten, Fragen der Nachhaltigkeit sowie mögliche Alternativen ein“, sagt Umweltstadtrat Sebastian Pieper der RAZ.





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