Hermsdorf – Noch stehen Bauzäune und schweres Gerät in der Schildower Straße. Seit Juli 2024 wird die Straße von der Marthastraße bis zur Berliner Landesgrenze saniert. Die Löcher im Asphalt sind mittlerweile verschwunden, die Straße wurde – überwiegend mit schallminderndem Belag – von Grund auf saniert. Die Kreuzungsbereiche sind rund fünf Zentimeter aufgepflastert. Dadurch wird der Verkehr in der 30er-Zone beruhigt, und die Kreuzungen werden wesentlich übersichtlicher und sicherer als zuvor. Auch an die Bäume wurde gedacht: Elf Versickerungsmulden, eine etwas verengte Fahrbahn und ein unversiegelter Parkstreifen sollen ihnen Platz und Feuchtigkeit geben.
„Die Arbeiten sind im Wesentlichen abgeschlossen, am 21. April erfolgte die Abnahme der Baumaßnahme“, heißt es seitens des Bezirksamtes. Es seien jedoch Mängel festgestellt worden, die durch das beauftragte Bauunternehmen noch zu beseitigen seien.
Vor diesem Hintergrund kann die Initiative Offene Nachbarschaft die kürzlich in der RAZ erhobene Kritik einer gegnerischen Initiative um Prof. Dr. Michael Ortmann nicht teilen. Jurist Bernd Pickel erklärt: „Der Vorwurf, das Bezirksamt betreibe ein politisches Verschleppungsmanöver, ist absurd. Wenn Ortmann dafür auf den sogenannten Modalfilterbeschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) aus dem Jahr 2020 zurückgreift, der an der Landesgrenze temporäre Sperren für Autos durch Poller vorsah, so verdrängt er das Wesentliche: Dieser Beschluss wurde von der BVV bereits 2021 als erledigt einkassiert und durch die Planung ersetzt, die jetzt ausgeführt wird.“
Auf Nachfrage beim Bezirksamt heißt es: „Das Bezirksamt hat in der Vergangenheit eine umfängliche Untersuchung zu Möglichkeiten einer Verkehrsberuhigung in der Schildower Straße veranlasst. In diesem Zusammenhang wird auf das Verkehrsgutachten ,Verkehrsberuhigung der Schildower Straße im Waldseeviertel in Berlin-Reinickendorf‘ vom 18. Februar 2021 hingewiesen. Im Ergebnis des Gutachtens wurden Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, zur Beseitigung bestehender Mängel sowie zum Schutz der Anlieger vor Lärm und Erschütterungen umgesetzt. […] Eine Absperrung von Straßen mittels Poller ist nicht vorgesehen, auch nicht die Widmung einer Einbahnstraße.“
Pickel: „Unsere Unterstützer gerade aus Reinickendorf spiegeln uns, dass die große Mehrheit sich darauf freut, wieder auf direktem Weg zu unseren Nachbarn und ohne umständliche Umwege fahren zu können. Sie verweisen darauf, dass seit den Baumaßnahmen die B96 notorisch verstaut ist. Dies belastet die ohnehin leidgeprüften Anwohner dort und in den Seiten- und Querstraßen der B96, in die der Verkehr abgedrängt wird, und es behindert auch die Busse.“
Auch andere Hermsdorfer freuen sich, wenn die Schildower Straße wieder geöffnet wird: „Warum soll das Gemeinwohl, die Gesundheit und die Sicherheit nur für das Waldseeviertel gelten? Was ist mit uns? Wir wohnen in der Schönfließer Straße nahe der B96. Hier wälzen sich erfahrungsgemäß doppelt so viele Fahrzeuge und Lkw entlang“, sagt RAZ-Leserin Renate Briesemeister. „Und wenn Sie verlangen, die Straßen im Waldseeviertel mit jeder Menge Pollern zu verschandeln, dann wird sich der Verkehr zu uns verlagern. Ich kann nicht glauben, dass täglich 6.000 Fahrzeuge durch das idyllische Waldseeviertel fahren. Durch die vielen schmalen und eingeschränkten Fahrbahnen überlegen sich doch die meisten Autofahrer, diese ,Abkürzung‘ zu nehmen. Auch dass Fußgänger und Radfahrer gefährdet sind, ist totaler Quatsch. Sie sind nicht gefährdeter als anderswo.“





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