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Ein leerstehendes Häuschen im Wald
Auf dem Gelände der „Erholungsstätte Kinderwald“ herrscht Stille. Foto: fle

Keine Kinder im Kinderwald 

Das Gelände wird seit drei Jahren nicht mehr genutzt

Tegel – Das Schild mit der Aufschrift „Erholungsstätte Kinderwald“ an der Ruppiner Chaussee ist verbeult und steht symbolisch für den Zustand des 15.000 Quadratmeter großen Waldgrundstückes: Seit drei Jahren wird es nicht mehr genutzt. Eigentümer ist das Bezirksamt Reinickendorf.

In den vier Gebäuden haben 15 Jahre lang Kitagruppen, Schulklassen und andere Gruppen ihre Ferien, Wochenenden und Freizeiten verbracht. Hier war Platz zum Austoben, Verweilen, Innehalten und Lernen. Träger war der Verein Gruppenhaus und Jugendzeltplatz Berlin e.V. (GBJ). Der Vertrag mit ihm wurde nicht verlängert und das Bezirksamt verhandelt nun mit einem neuen über die weitere Nutzung des Geländes. 

Maren Hochnetz von der Geschäftsstelle des GBJ: „Wir haben diese Arbeit mit viel Herz gemacht.“ Doch es sei auch ein stetiger Kampf gewesen. Vereinsvorsitzender Andreas Wisheth: „15 Jahre lang Kampf und Krampf mit dem Bezirksamt um diese Einrichtung waren sehr anstrengend“, erklärt er. „Wir haben nie einen Cent Förderung bekommen und mussten alles aus den Einnahmen für die Übernachtungen finanzieren. Sowohl kleine Reparaturen, als auch die Sanierung der Dächer und die Erneuerung der 30 Jahre alten Heizungsanlagen.“ Wisheth weiter: „Über die Ärgernisse und Geschichten in der Zeit der Kinder- und Jugendarbeit und in der Zeit der Unterbringung der Geflüchteten ließe sich ein Buch schreiben.“

Nach Ausbruch des Angriffskrieges auf die Ukraine hatte der Verein mit dem Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel, verabredet, die Einrichtung für ukrainische Familien zur Verfügung zu stellen. Das sei allerdings „sehr zum Missfallen des Bezirksamtes Reinickendorf geschehen, das uns Vertragsbruch und unerlaubte Nutzung vorwarf – obwohl das in der Bezirksmeisterrunde zur Ukraine-Krise zuvor geklärt worden war“, so Wisheth. Aus dem Reinickendorfer Jugendamt heißt es dazu: „Der Nutzungsvertrag lief aus und wurde von Seiten des Jugendamtes nicht verlängert. Im Oktober 2022 hatte der Verein GBJ bereits eine Abmahnung wegen vertragswidriger Nutzung erhalten.“ Wisheth beschreibt die Situation anders: „Wir wurden nach 15 Jahren schlicht aus der Einrichtung geworfen“, erklärt er. „Warum? Mit der fadenscheinigen Begründung wegen unerlaubter Nutzung für Geflüchtete.“ Dem setzt das Jugendamt entgegen: „Das Gelände ist Eigentum der Berliner Forsten, die eine Nutzung der Gebäude als Wohnraum ausschließt.“

Nach Auszug des GBJ wurden die Gebäude durch das Amt teilweise saniert; die  Sturmschäden im Sommer 2025 verzögerten den Prozess bis März 2026. Nun verhandelt der Bezirk mit einem freien Träger der Jugendhilfe, der im „Kinderwald“ Angebote für Kinder und Jugendliche aus Reinickendorf machen soll.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.