Tegel – Der Schock saß tief bei Moni und Jens Seidlitzki: Ausgerechnet zum Tegeler Hafenfest sollte ihre Kult-Kneipe „Entenkeller 2.0“ geschlossen bleiben – wegen Brandschutzmängeln! Doch der Bezirksverordnete Norbert Raeder half und die Schließung konnte abgewendet werden.
Die kleine Kult-Kneipe in Alt-Tegel 12 ist eine echte Institution im Berliner Norden. Im fünfstöckigen Gebäude, das 1968 von den Architekten Heinz und Günter Schudnagies gebaut wurde, befand sich das Restaurant „Lui“ mit Bar und Gasträumen im Kellergeschoss. Später öffnete der Reinickendorfer Kevin Kraus die Türen des „Mal Sehn“, und unter Wolfgang Roder wurde es in Entenkeller 2.0 umbenannt – in Erinnerung an den legendären Entenkeller an der Oranienburger Chaussee/Ecke Schönfließer Straße in Frohnau.
2022 haben Moni und Jens Seidlitzki die Kult-Location übernommen. „Meine Familie hatte immer eine Bar an der Greifswalder Straße, und ich wusste, dass ich in ihre Fußstapfen trete“, sagt Jens. Er öffnete mit Moni 2013 das Kneipchen und 2017 die Landebahn in der Scharnweberstraße, zusätzlich gibt es das „Schnieke“ in der Greifswalder Straße. „Als wir den Entenkeller 2.0 nach der Schließung der Hafenbar übernahmen, war die Arbeit mit vier Läden irgendwann zu viel“, erinnert sich Moni. „Zudem konnten wir nicht überall gleichzeitig sein und uns leider auf einige Mitarbeiter nicht verlassen.“ So trennten sie sich schweren Herzens von der Landebahn und ihrem Kneipchen.
Der Entenkeller 2.0 ist freitags und samstags ab 20 Uhr geöffnet. Umso schlimmer war es für das Inhaber-Paar, als am 14. Juli ein Anruf vom Bauamt kam, dass eine Beschwerde-E-Mail eingegangen sei, in der auf Brandschutzmängel in der Location aufmerksam gemacht worden ist.
Ein Mitarbeiter des Bezirksamts maß dann die Deckenhöhen, die Türbreiten und untersuchte alle Räume in Punkto Brandschutz. Ergebnis: Decken zu niedrig, Türen zu schmal, Eingangsbereich unzulässig. „Uns wurde daraufhin die Nutzung sofort untersagt – und es drohte eine Strafe bis 500.000 Euro, wenn wir dennoch öffnen würden.“ Für die Beiden brach in dem Moment eine Welt zusammen. Gerade am Hafenfest-Wochenende, einem der besten Wochenenden im Jahr, sollten sie nicht öffnen. „Wir wussten: Wenn wir jetzt zumachen müssen, dann ist das das Ende. Die Situation war für uns existenzgefährdend“, sagt Moni. Was Jens verwundert: „Über Jahrzehnte gibt es dieses Lokal. Nie hat jemand etwas beanstandet.“
Die Beiden telefonierten mit der Hauseigentümerin, dem Bezirksamt und einem Anwalt. Und sie nahmen auch Kontakt zum Bezirksverordneten Norbert Raeder auf. Raeder, lange Jahre Wirt des Kastanienwäldchens und nun im Füchse-Wäldchen aktiv, half sofort: „Norbert hat sich gleich mit der Bezirksbürgermeisterin und anderen Bezirkspolitikern in Verbindung gesetzt“, sagen die Beiden.
In kürzester Zeit war ein großes Netzwerk aufgebaut, und die Hilfsbereitschaft war riesig. „Einige riefen an und versprachen uns, dass sie innerhalb von zwei Stunden eine neue große Tür einbauen würden. Es war Wahnsinn, wie viele Leute uns helfen wollten!“
Letztlich erhielten sie von Bezirksamt die Auflage, einen Brandschutzexperten zu finden, der ihnen bestätigt, dass der Brandschutz ausreichend ist. „Den Experten fanden wir, er hat am Freitagvormittag alles kontrolliert – und uns mitgeteilt, dass wir öffnen können, wenn wir noch weitere Feuerlöscher besorgen, Notausgangsschilder anbringen und ein Brandschutzkonzept in Auftrag geben“, sagt Jens. Das wurde von den Betreibern erledigt und sie konnten am Freitag wieder öffnen. „Das haben wir Norbert Raeder zu verdanken.“




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