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Hier wird vorerst nicht weitergebaut. Foto: Flechtner

Aus der neuen Seniorenresidenz an der B96 wird vorerst nichts

Investor zieht sich aus finanziellen Gründen zurück

Ende des Jahres sollte die „Chaussee Residenz Glienicke“ eingeweiht werden. Doch daraus wird nichts, denn die Baustelle an der Oranienburger Chaussee 44, zwischen der Straße Am Sandkrug und der Burgfrauenstraße, ist verwaist, Bauarbeiter sind hier schon monatelang nicht mehr gesichtet worden.
Im Frühjahr 2025 fand der erste Spatenstich für das Wohnprojekt mit zwei Häusern und 60 barrierefreien Wohnungen für ältere Menschen statt. Es wurde von der HP & P-Gruppe aus Gießen geplant und realisiert – nach der Fertigstellung sollte es von der Michael Bethke Unternehmensgruppe betrieben werden. Ergänzende Einrichtungen wie eine Tagespflege mit 20 Plätzen und ein ambulanter Krankenpflegedienst waren ebenfalls geplant.
Glienickes Bürgermeister Dr. Hans G. Oberlack erklärte damals: „Es ist ein besonderer Moment, hier mit allen Beteiligten den Grundstein für eine Einrichtung zu legen, die die Altersgruppe in unserem Ort in den Mittelpunkt stellt – eine Altersgruppe, die in Deutschland immer stärker wächst. Dieses Projekt schließt eine wichtige Lücke im Wohnungsangebot und schafft Orte, an denen man gerne lebt und alt wird.“
Doch das 22,5-Millionen-Euro-Projekts steht still. Die Investoren haben sich vorerst aus dem Projekt zurückgezogen. Das bringt auch den künftigen Betreiber der integrierten Tagespflegeeinrichtung, die Unternehmensgruppe Michael Bethke, in Schwierigkeiten. Der Dienstleister für Senioren-Pflege und -Wohnungen mit Hauptsitz in Tegel betreut unter anderem in Reinickendorf, Hohen-Neuendorf, Oranienburg und Velten Einrichtungen.
„Wir bedauern diese Entscheidung sehr, weisen in diesem Zusammenhang jedoch auch auf die mittlerweile sehr schwierigen Rahmenbedingungen für den Bau neuer Wohnanlagen in Deutschland hin“, heißt es in der Pressemitteilung der Unternehmensgruppe. Hohe Energiepreise führen zu steigenden Baukosten, gleichzeitig stellen umfangreiche Bauauflagen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine zusätzliche Herausforderung dar.
„Aktuell suchen wir mit Hochdruck nach neuen Investoren und einer Lösung, um den Bau so bald wie möglich fortsetzen zu können. Wir sind überzeugt, dass es einen Bedarf für diese Anlage gibt.“ Die Verzögerungen bedauere das Unternehmen sehr, „da bereits zahlreiche Anfragen für die Seniorenresidenz vorliegen.“
Die Schweizer Investoren hatten sich einen wahrlich geschichtsträchtigen Ort ausgesucht: den Entenschnabel, einen rund 600 Meter langen Zipfel, der zu Glienicke gehört, in den Bezirk Reinickendorf hineinragt und zu Mauerzeiten Berühmtheit erlangte. Es war eine Enklave der DDR, die von Westberlin umgeben war. Noch heute erinnert eine Gedenkstele an der Oranienburger Chaussee daran.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.